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Donald Trump hat die Ankündigung eines möglichen Vizepräsidenten lange hinausgezögert. Jetzt geht ihm die Zeit aus. Wird es Marco Rubio aus Miami?
Washington, D.C. – Während US-Präsident Joe Biden mit Zweifeln an seiner Eignung als Kandidat der Demokraten für die US-Wahl 2024 zu kämpfen hat, hielt sich sein Herausforderer Donald Trump in letzter Zeit eher bedeckt. Jetzt ist er wieder ins Rampenlicht getreten – mit reichlich Spott für Biden und dessen Vizepräsidentin Kamala Harris. Zudem hat er angedeutet, wen er selbst für dieses Amt zu nominieren gedenkt.
In elf von zwölf US-Wahlumfragen, die nach dem für Biden missglückten TV-Duell am 27. Juni durchgeführt wurden, hat Trump seinen Vorsprung vor dem demokratischen Kandidaten ausgebaut. Vorher lag Biden laut Mark Murray, dem leitenden politischen Redakteur bei NBC News, in vielen nationalen und regionalen Umfragen „innerhalb der Fehlermarge“ hinter seinem Herausforderer. Mittlerweile konnte Trump seinen Vorsprung leicht ausbauen. Doch, obwohl der amtierende US-Präsident bei der Debatte nicht in der Lage gewesen war, Trumps Schwall von Beschimpfungen und Lügen entgegenzutreten, ist die Bilanz weniger schlecht als zu erwarten. Laut Murray kann man aus ihnen noch immer keine radikale Veränderung in der Wählergunst ablesen.
Biden nach TV-Debatte im Fokus – Trump führt in Umfragen
Trotzdem lag die mediale Aufmerksamkeit zuletzt eher auf den Verfehlungen Bidens und der Frage nach seiner Eignung für eine erneute Kandidatur. Für Trump kam das nicht ungelegen. Es erlaubte ihm, die lang erwartete Bekanntgabe eines Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten noch etwas hinauszuzögern. Noch am Montag (8. Juli) sagte er gegenüber Fox News, dass er weiterhin Optionen abwäge – obwohl er Reportern zwei Wochen zuvor mitgeteilt hatte, eine Entscheidung gefällt zu haben. Allerdings seien die Debatte sowie die damit zusammenhängende Ungewissheit, ob es bei den Demokraten einen Wechsel der Kandidaten geben wird, noch in letzter Minute in seine Überlegungen eingeflossen, so Trump.
Inzwischen gibt es jedoch offenbar neue Anhaltspunkte für einen Vizepräsidenten-Anwärter der Republikaner. Der New York Times zufolge hielt Trump am Dienstagabend eine Kundgebung in seinem Luxus-Golfressort in Doral, Florida ab. Hauptsächlich habe er sich dabei über Bidens Kämpfe und die Querelen der Demokraten lustig gemacht, so das Blatt. Bidens Partei wolle, dass er „er das Handtuch wirft und die Präsidentschaft nach einer einzigen 90-minütigen Vorstellung aufgibt“ habe Trump gehöhnt.
Trump spottet über Kamala Harris: Hält die Vizepräsidentin Biden im Amt?
In Anbetracht der zunehmenden Spekulationen von Demokraten und politischen Analysten darüber, ob Biden seinen Platz als voraussichtlicher Kandidat seiner Partei behalten wird, habe der ehemalige Präsident aber auch viel Zeit damit verbracht, Vizepräsidentin Harris anzugreifen. Diese gilt als wahrscheinlichste Nachfolgerin Bidens, falls dieser sich zurückzieht.
Mehrere Minuten lang habe Trump seinen Anhängern erläutert, warum Harris eine schlechte Wahl sei. Er habe sie als ineffektiv dargestellt und sie direkt für die Politik der Biden-Regierung mitverantwortlich gemacht, die er oft kritisiert. Gleichzeitig habe er darauf bestanden, dass die Wahl von Harris als Vizepräsidentin durch Biden das Einzige sei, was ihn im Amt halte – weil sie ungeeignet für die Führung der USA sei. „Hätte Joe Biden jemanden, der auch nur halbwegs kompetent ist, als seine Nummer 2 gewählt, hätte man ihn schon vor Jahren aus dem Amt gejagt“, so Trump.
Trump muss sich für möglichen Vize entscheiden: Es könnte Marco Rubio aus Miami werden
Auch wenn Trump sich während der Kundgebung nicht über seinen eigenen Vizepräsidentschafts-Kandidaten für die US-Wahl geäußert habe, legt der Veranstaltungsort eine Vermutung nah, wie NBC News schreibt. Dem Bericht zufolge ist er als Hinweis zu verstehen, dass Trump im Begriff ist, Senator Marco Rubio auszuwählen, dessen politische Basis sich im nahe gelegenen Miami befindet. Rubio habe sich zwei Stunden vor Trumps Auftritt an das Publikum der Kundgebung gewandt – kurz nachdem Trumps Kampagne eine Spenden-E-Mail verschickt hatte, in der angedeutet worden sei, dass auf der Veranstaltung eine Ankündigung des Kandidaten erfolgen könnte. Dazu sei es jedoch nicht gekommen, obwohl Trump mehrere Anspielungen gemacht habe.
Rubio sei während seiner Rede ebenso wenig darauf eingegangen, so die New York Times. Stattdessen habe er seine Zeit genutzt, um Trumps Spott über Bidens Debattenleistung zu wiederholen. Auch Harris habe er mehrfach angegriffen, sich über ihr Lachen lustig gemacht und sie spöttisch eine „wahrhaftige, verifizierte Linke“ genannt. Den Wählern sei es aber ohnehin nicht allzu wichtig, wen Trump auswähle, so der Bericht. Mehrere Teilnehmer der Kundgebung hätten gesagt, dass es ihnen egal sei, wen er auswähle, und dass sie seinem Urteilsvermögen vertrauten, auf die richtige Person zu setzen. Endgültige Gewissheit darüber soll es am Montag (15. Juli) geben. Dann beginnt der republikanische Nationalkongress in Milwaukee, bei dem der Kandidat offiziell nominiert wird. (tpn)
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