Keine Konsequenzen für Russland?

Trump von Putin „blamiert“: Kreml-Chef ignoriert Waffenruhe-Forderungen

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Trump könnte sich bei seiner Ukraine-Strategie verkalkuliert haben. Insider sehen den US-Präsidenten durch Putin „blamiert“. Folgt jetzt der nächste Rückzieher?

Washington, D.C. – Die Stimmung im Weißen Haus hat sich in den vergangenen Wochen deutlich eingetrübt. Hintergrund ist die enttäuschte Erwartung von Donald Trump mit Blick auf eine mögliche Friedenslösung im Ukraine-Krieg. Der US-Präsident sei davon ausgegangen, seine persönliche Beziehung zu Wladimir Putin könne den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine rasch beenden. Stattdessen habe der Kremlchef die Nachgiebigkeit des US-Präsidenten ausgenutzt und ihn „blamiert“. Das berichten zwei Mitarbeiter des Weißen Hauses und ein enger externer Berater gegenüber dem US-Portal The Atlantic.

Trump hatte sich bereits im Wahlkampf vor der US-Wahl 2024 mit seiner guten Beziehung zu Russlands Präsident gebrüstet und wiederholt betont, dass Putin die Ukraine niemals während seiner Amtszeit angegriffen hätte. Den Ukraine-Krieg, so ein viel zitiertes Versprechen aus Trumps Wahlkampf, werde er nach seinem Amtsantritt in als 24 Stunden beenden. Über ein halbes Jahr später tobt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine weiterhin mit unerbittlicher Härte.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Kein Ende des Ukraine-Kriegs in Sicht: Trump von Putin „blamiert“ – US-Präsident setzt auf Treffen

Trump hatte deswegen in den vergangenen Wochen zunehmend Kritik am Kreml-Chef geäußert. Ende Juli verkündete ein verärgerter Trump, eine für 50 Tage angesetzte Frist für Putin auf zehn Tage zu verkürzen und beklagte sich darüber, dass der russische Präsident sich nicht an Absprachen halten würde. „Wir dachten, wir hätten das schon mehrfach geklärt, und dann fängt Präsident Putin an, Raketen auf eine Stadt wie Kiew abzuschießen und tötet eine Menge Leute in einem Pflegeheim oder was auch immer“, hatte Trump als Begründung für die Fristverkürzung gesagt.

Für eine Entspannung in der Beziehung zwischen Putin und Trump soll jetzt ein persönliches Treffen der beiden Staatschefs sorgen, das für die kommende Woche angesetzt ist. Beide Seiten erklärten, die Zeit sei reif für einen solchen Gipfel. Tag und Ort stehen bisher nicht fest. Vorgaben an Putin für ein vorheriges Treffen mit Selenskyj erhebt Trump nicht. Auf die Frage von Reportern, ob Putin zunächst Selenskyj treffen müsse, sagte Trump: „Nein.“

Trumps Ultimatum an Putin läuft aus – US-Präsident unschlüssig wegen Konsequenzen

Unklar bleibt bislang auch, wie der Präsident mit seinem selbst gesetzten Ultimatum umgeht: Seit dem 29. Juli läuft eine Zehn-Tage-Frist, bis zu deren Ablauf eine Waffenruhe erreicht sein soll. Andernfalls – so Trumps Ankündigung Ende Juli – sollen Sanktionen gegen Handelspartner Russlands verhängt werden. Auf die Frage, ob die Deadline noch gelte, sagte Trump mit Verweis auf Putin: „Wir werden sehen, was er zu sagen hat. Es liegt ganz bei ihm.“

Im Ringen um ein Ende des Ukraine-Kriegs verliert Donald Trump die Geduld mit Wladimir Putin.

Wie ein US-Beamter gegenüber The Atlantic bestätigte, sei Trump noch unschlüssig, ob und wie er Putin für das Nichteinhalten des am Freitag auslaufenden Ultimatums bestrafen könne. In Weißen Haus wird darüber gestritten, ob sogenannte Sekundärsanktionen gegen Länder, die mit Russland Geschäfte machen, sinnvoll sind. Direkte Strafzölle gegenüber Moskau gelten als wenig wirksam, da der direkte US-Handel mit Russland gering ist. Besonders kritisch für Trump: Die in Aussicht gestellten Sekundärzölle würden auch China, den größten Importeur von russischem Rohöl, hart treffen. Doch Washington und Peking befinden sich derzeit in Verhandlungen über ein neues Handelsabkommen. Ob Trump das Risiko eingeht, die Verhandlungen zu sprengen, um Putin zu bestrafen, darf bezweifelt werden.

Nächster Rückzieher im Ukraine-Krieg? Trump muss bei Putin-Ultimatum um seinen Ruf fürchten

US-Medien spekulieren vor dem Ende der Frist am Freitag bereits über dir Rückkehr des Taco-Trumps. Das Akronym Taco – Trump always chickens out (dt. Trump macht immer einen Rückzieher) – ist vor allem in der US-Wirtschaft zum Leitspruch dafür geworden, dass Trump seinen Ankündigungen nicht immer Taten folgen lässt. Möglich, dass Trump einen Rückzieher bei den Sekundärzöllen am Freitag mit dem anstehenden Treffen mit Putin begründen könnte.

Trump stört sich jedoch an diesem Image. Einen Verweis einer Journalistin auf die steigende Popularität des Ausdrucks bezeichnete er im Mai als „die fieseste Frage“, die ihm je gestellt worden sei. Dann ermahnte er sie mit den Worten: „Sagen Sie nie wieder, was Sie gesagt haben.“ Für den US-Präsidenten geht es bei seinem Ultimatum für Putin also auch um sein Image als knallharter Verhandlungsführer und gefürchteter „Deal-Maker“.

Russland führt seit mehr als drei Jahren einen zerstörerischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Trump hatte wiederholt angekündigt, den Krieg rasch beenden zu wollen. Das angestrebte Treffen mit Putin wäre das erste persönliche Gespräch eines amtierenden US-Präsidenten mit dem Kremlchef seit dem Sommer 2021; damals traf Trumps demokratischer Vorgänger Joe Biden Putin in Genf. (fdu mit afp)

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