US-Präsident in Rom

Trump fällt bei Papst-Beerdigung sofort aus der Reihe – „Maximal unpassend“

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Donald Trump reist zur Beerdigung von Papst Franziskus. Zahlreiche weitere Staatschefs sind vor Ort. Macht der US-Präsident die Beisetzung zum Diplomatie-Gipfel?

Update vom 26. April, 10.49 Uhr: Donald Trump fällt bei der Beerdigung von Papst Franziskus sofort aus der Reihe. Der US-Präsident ist zur Trauerfeier auf dem Petersplatz nahe des Ukraine-Präsidenten Wolodymyr Selenskyj platziert worden. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sitzt nur wenige Plätze entfernt. Die Outfit-Wahl Trumps sticht allerdings ins Auge.

Entgegen so ziemlich aller anderer Staatsvertreter kleidete Trump sich in einem blauen Anzug. Die Staatschefs um ihn herum trugen alle schwarz, wie meist üblich zu Trauerfeiern. Die Kleidungswahl blieb auch Zuschauern nicht verborgen. Als „maximal unpassend“ kommentierte etwa jemand auf X Trumps Outfit. Ein weiterer bezeichnete Trump gar als „Narzisst“, der mit seiner Anzug-Wahl nur nach Aufmerksamkeit hasche. Weitere Personen kritisierten die Farbe.

Donald Trump bei der Beerdigung von Papst Franziskus. Die Anzug-Farbe ist durchaus auffällig.

Bei Papst-Beerdigung richten sich sorgenvolle Blicke auf Trump – „Wie weit wird er gehen?“

Erstmeldung: Rom – Am Samstag sind alle Blicke auf Rom gerichtet. Die Beerdigung von Papst Franziskus wird zu einem echten Weltereignis. Rund um den Globus werden die Trauerfeierlichkeiten zu Ehren des verstorbenen Pontifex im TV übertragen. Aber nicht nur Gläubige aller Welt schauen auf die Ereignisse im Vatikan. Denn die prominente Gästeliste bietet Raum für Spekulationen.

Die großen Namen der Politik reisen nämlich am Samstag nach Rom, um dem Papst die letzte Ehre zu erweisen. In der deutschen Delegation fliegen etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz mit. Auch CSU-Chef Markus Söder ist dabei – allerdings eher in der zweiten Reihe. Mit besonderer Spannung wird allerdings der Besuch von US-Präsident Donald Trump erwartet. Dessen Vize, JD Vance, war noch am Tag vor Franziskus‘ Tod der letzte Staatsbesucher, den der Pontifex empfangen hatte.

Donald Trump bei Beerdigung von Papst Franziskus – Gedenken oder Diplomatie-Event?

Trumps Besuch umgibt eine gewisse Aura der Spannung. Bereits im Vorfeld der Beerdigung wurde fleißig spekuliert, was im Hintergrund der Veranstaltung alles passieren könnte. Spannungsfelder, die es aufzulösen gilt, gäbe es genug. Und Anlässe, an denen derartig viele Staatschefs auf einmal zusammenkommen, gibt es selten. Mehr als 50 Staatsoberhäupter werden erwartet. Wird die Papst-Beerdigung also zum heimlichen Diplomatie-Event?

Donald Trump kommt zur Beerdigung von Papst Franziskus – nutzt er sie für Diplomatie?

Möglich wäre es allemal. Zumal beispielsweise auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zum Begräbnis kommt. Die deutsche Politikerin drängt seit längerem auf einen möglichen Deal zwischen den USA und der EU bezüglich der von Trump Anfang April ausgerufenen und mittlerweile pausierten Strafzölle auf Importe aus dem Ausland. Direkten Kontakt bezüglich des Themas hatte Trump aus EU-Perspektive zuvor lediglich mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.

Trump trifft bei Papst-Beerdigung auf Selenskyj – Gespräche zum Ukraine-Frieden?

Und damit nicht genug. Denn seit Tagen prescht Trump auch offensiv in den Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges vor. Kürzlich verkündete er, er habe einen „finalen“ Vorschlag für eine Waffenruhe an Russland und die Ukraine unterbreitet, mit der Seite von Wladimir Putin sei man einer Einigung nahe. Der Plan ist jedoch höchst umstritten, enthält er doch Gebietsabtritte. Beobachter sprechen teils von einem „Diktatfrieden“.

Brisant: Auch Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, einem stark gläubigen Land, reist zur Papst-Beerdigung an. Dort könnte er eben auch auf Trump treffen, nachdem Selenskyjs Besuch im Weißen Haus vor einigen Wochen krachend im Skandal gescheitert war. Außerdem sind mit Großbritanniens Premier Keir Starmer und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die zwei führenden Köpfe der Ukraine-Kontaktgruppe der EU anwesend, die zuletzt als prominenteste Gesichter die EU-Perspektive in den Diskussionen um eine Lösung im Ukraine-Krieg vertraten.

Ende des Ukraine-Krieges in der Diskussion – Selenskyj und Trump haben eigene Pläne

Zunächst war über mögliche bilaterale Treffen nichts bekannt. Dass Trump sich jedoch nicht scheut, sämtliche große Auftritte auch für seine eigenen Zwecke zu missbrauchen, ist nicht neu. Sein Getuschel etwa mit Barack Obama bei der Trauerfeier für den Ex-US-Präsidenten Jimmy Carter ging um die Welt. Und auch bei seiner Ankunft in Rom – immerhin seine erste EU-Reise als vereidigter US-Präsident – schob er sich gleich politisch in den Vordergrund, verkündete über sein soziales Netzwerk Truht Social, ein mögliches Friedensabkommen zwischen der Ukraine und Russland sei nicht mehr weit entfernt.

Gänsehaut-Moment um Selenskyj – Die emotionalen Bilder der Papst-Beerdigung

Kleriker, Gläubige und Staatsgäste nehmen an der Trauermesse von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan teil.
Kleriker, Gläubige und Staatsgäste nehmen an der Trauermesse von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan teil.  © Christoph Sator/dpa
Der Petersplatz am Samstagmorgen: Hunderttausende Menschen wurden in Rom zum Begräbnis von Papst Franziskus erwartet.
Der Petersplatz am Samstagmorgen: Hunderttausende Menschen wurden in Rom zum Begräbnis von Papst Franziskus erwartet. © dpa
Zahlreiche Politiker wie der französische Präsident Emmanuel Macron (M) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (dahinter) erweisen Papst Franziskus auf dem Petersplatz die letzte Ehre.
Zahlreiche Politiker wie der französische Präsident Emmanuel Macron (M) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (dahinter) erweisen Papst Franziskus auf dem Petersplatz die letzte Ehre.  © Andrew Medichini/AP/dpa
Die deutsche Delegation um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (M, v.) und seine Frau Elke Büdenbender. Dahinter gehen geschäftsführende Kanzler Olaf Scholz (r, SPD) und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (M, CDU).
Die deutsche Delegation um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (M, v.) und seine Frau Elke Büdenbender. Dahinter gehen geschäftsführende Kanzler Olaf Scholz (r, SPD) und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (M, CDU).  © Markus Schreiber/AP/dpa
Der ukrainische Präsident (M) Wolodymyr Selenskyj wurde mit großem Applaus auf der Beerdigung von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan empfangen.
Der ukrainische Präsident (M) Wolodymyr Selenskyj wurde mit großem Applaus auf der Beerdigung von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan empfangen.  © Markus Schreiber/AP/dpa
US-Präsident Donald Trump kam mit Frau Melania zum Begräbnis.
US-Präsident Donald Trump kam mit Frau Melania zum Begräbnis. Anders als so ziemlich alle anderen Staatsvertreter trägt Trump allerdings keinen schwarzen Anzug – sondern einen blauen. © Markus Schreiber/AP/dpa
Auch der ehemalige US-Präsident Joe Biden (2.v.l.) und seine Frau Jill kommen zur Beerdigung von Papst Franziskus.
Auch der ehemalige US-Präsident Joe Biden (2.v.l.) und seine Frau Jill kommen zur Beerdigung von Papst Franziskus. © Markus Schreiber/AP/dpa
König Carl XVI. Gustaf von Schweden (3.v.l.) und Königin Silvia von Schweden kommen zur Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.
König Carl XVI. Gustaf von Schweden (3.v.l.) und Königin Silvia von Schweden kommen zur Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.  © Markus Schreiber/AP/dpa
Gläubige halten argentinische Fahnen zu Ehren des Argentiniers Franziskus und warten vor der Basilika Santa Maria Maggiore.
Gläubige halten argentinische Fahnen zu Ehren des Argentiniers Franziskus und warten vor der Basilika Santa Maria Maggiore.  © Christoph Reichwein/dpa
Der Sarg von Papst Franziskus wird während seiner Beerdigungszeremonie im Vatikan auf den Petersplatz getragen.
Der Sarg von Papst Franziskus wird während seiner Beerdigungszeremonie im Vatikan auf den Petersplatz getragen.  © Alessandra Tarantino/AP/dpa
Hielt eine sehr persönliche Predigt für Papst Franziskus: Der Dekan des Kardinalskollegiums Giovanni Battista Re.
Hielt eine sehr persönliche Predigt für Papst Franziskus: Der Dekan des Kardinalskollegiums Giovanni Battista Re steht während der Beerdigung von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan am Sarg.  © Alessandra Tarantino/AP/dpa
Schon Stunden vor der Beerdigung von Papst Franziskus füllt sich der Petersplatz in Rom – die Schlangen an den Sicherheitskontrollen sind lang.
Schon Stunden vor der Beerdigung von Papst Franziskus füllt sich der Petersplatz in Rom – die Schlangen an den Sicherheitskontrollen sind lang. © Oliver Weiken/picture alliance/dpa/Conny Schramm
Viele Tausend Menschen warten auf einen Blick auf den Sarg des toten Papst Franziskus in Rom. Pilger werden gesegnet.
Viele Tausend Menschen warten auf einen Blick auf den Sarg des toten Papst Franziskus in Rom. Pilger werden gesegnet. © Cornelia Schramm
Die Vorbereitungen für die Beerdigung von Papst Franziskus haben es in sich. Mehrere Hunderttausend Menschen werden in Rom erwartet.
Die Vorbereitungen für die Beerdigung von Papst Franziskus hatten es in sich. Mehrere Hunderttausend Menschen werden in Rom erwartet. Zum ersten Mal seit einem Jahrhundert wird ein Trauerzug den Leichnam des Pontifex durch Italiens Hauptstadt führen. An der Beisetzung wird die Öffentlichkeit nicht teilnehmen. © Michael Kappeler/dpa/Christoph Reichwein
Besondere und heikle Tage in Rom: Die Stadt bereitet sich auf die Beerdigung von Papst Franziskus vor – etwa 200.000 Menschen werden bei der Trauerfeier erwartet.
Besondere und heikle Tage in Rom: Die Stadt bereitet sich auf die Beerdigung von Papst Franziskus vor – etwa 200.000 Menschen werden bei der Trauerfeier erwartet. © Michael Kappeler/picture alliance/dpa
Der allerletzte Blick auf Papst Franziskus am Samstag (26. April) gegen 0.30 Uhr: Zeremonienmeister und Erzbischof Diego Giovanni Ravelli bedeckt das Gesicht des verstorbenen Papstes mit einem Seidentuch, bevor er seinen Sarg im Petersdom im Vatikan schließt.
Der allerletzte Blick auf Papst Franziskus am Samstag (26. April) gegen 0.30 Uhr: Zeremonienmeister und Erzbischof Diego Giovanni Ravelli bedeckt das Gesicht des verstorbenen Papstes mit einem Seidentuch, bevor er seinen Sarg im Petersdom im Vatikan schließt. © picture alliance/dpa/Vatican Media
Mit Nägeln wird der Sarg von Papst Franziskus versiegelt.
Mit Nägeln wird der Sarg von Papst Franziskus versiegelt.  © picture alliance/dpa/Vatican Media
Ein Zinkdeckel verziert den Sarg schließlich, mehr Prunk wollte Papst Franziskus bei seiner Beerdigung nicht.
Ein Zinkdeckel verziert den Sarg schließlich, mehr Prunk wollte Papst Franziskus bei seiner Beerdigung nicht. © picture alliance/dpa/Vatican Media
Papst Franziskus gestorben - Vatikan
Noch einmal werfen Zehntausende einen letzten Blick auf Franziskus. © Andreea Alexandru/AP/dpa
Papst Franziskus gestorben - Vatikan
Auf dem Petersplatz laufen die Vorbereitungen für das große Requiem. © Michael Kappeler/dpa
Arbeiter decken den Altar am Petersplatz für die Trauerfeier am Samstag (26. April) für Papst Franziskus ab.
Arbeiter decken den Altar am Petersplatz für die Trauerfeier am Samstag (26. April) für Papst Franziskus ab. © Michael Kappeler/dpa
Papst Franziskus ist nach seinem Tod in einem Sarg aufgebahrt
Papst Franziskus wird am Samstag beerdigt. Eine der Hauptaufgaben soll dabei ein umstrittener Kardinal innehaben. (Symbolbild) © picture alliance/dpa | Christoph Reichwein
Menschen nehmen im Petersdom am offenen Sarg Abschied von Papst Franziskus.
Menschen nehmen im Petersdom am offenen Sarg Abschied von Papst Franziskus. © Christoph Reichwein/dpa
Donald Trump wird in Begleitung von First Lady Melania Trump zur Beerdigung von Papst Franziskus nach Rom reisen. (Archivbild)
Auch Donald Trump wird in Begleitung von First Lady Melania Trump zur Beerdigung von Papst Franziskus nach Rom reisen. (Archivbild) © Uncredited/dpa
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (r) und US-Präsident Donald Trump unterhielten sich bei der Beerdigung von Papst Franziskus im Vatikan.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (r) und US-Präsident Donald Trump unterhielten sich bei der Beerdigung von Papst Franziskus im Vatikan.  © Ukrainian Presidential Press Service/dpa
Der Sarg von Papst Franziskus wurde in einem umgebauten Papamobil in Richtung der Basilika Santa Maria Maggiore, wo der verstorbene Ponitfex zur ewigen Ruhe gebettet wird, gefahren.
Der Sarg von Papst Franziskus wurde in einem umgebauten Papamobil in Richtung der Basilika Santa Maria Maggiore, wo der verstorbene Ponitfex zur ewigen Ruhe gebettet wurde, gefahren. © Luca Bruno/dpa
Auch am Kolosseum führte der Trauerzug vorbei.
Auch am Kolosseum führte der Trauerzug vorbei. © Antonio Calanni/dpa
Papst Franziskus ist in der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom begraben worden. Nach der großen Trauerfeier auf dem Petersplatz mit hundertausenden Gästen wurde der Pontifex außerhalb des Vatikans unter Ausschluss der Öffentlichkeit beigesetzt.
Papst Franziskus ist in der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom begraben worden. Nach der großen Trauerfeier auf dem Petersplatz mit hundertausenden Gästen wurde der Pontifex außerhalb des Vatikans unter Ausschluss der Öffentlichkeit beigesetzt. © IMAGO/Antonio Balasco

Man stehe kurz vor einer Einigung, schrieb Trump und forderte beide Seiten auf, sich auf hoher Ebene zu treffen, um die Sache „zu Ende zu bringen“. Eine Vorausdeutung auf die wirklichen Zwecke, die Trump mit seiner Reise verfolgen könnte? Medienberichten zufolge soll die Ukraine an einer Art Gegenentwurf zu Trumps Friedensplan arbeiten, der auch Raum für Kompromisse lässt. In Rom könnte Trump mit Selenskyj direkt darüber sprechen.

Spielraum für Diplomatie bei Papst-Beerdigung – „Wie weit wird Trump gehen?“

Ob es wirklich zu großen diplomatischen Überraschungen kommt, bleibt indes abzuwarten. Experten sind jedoch durchaus besorgt, dass Trump die Veranstaltung für sich vereinnahmen könnte. „Trump scheint die Hoffnung zu hegen, aus der religiösen Trauerveranstaltung einen Gipfel zu machen“, äußerte etwa Mariana Griffini, Professorin für internationale Beziehungen an der Northeastern University London gegenüber Newsweek und stellte die provokante Frage hinterher: „Wie weit wird er gehen?“

Indes reisen nicht nur Politiker, auch andere bekannt Gesichter zur Trauerfeier. Vertreter der royalen Familien Europas werden erwartet. König Charles kommt allerdings nicht, er wird von Prinz William vertreten. (han)

Rubriklistenbild: © Screenshot ARD

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