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Der US-Präsident will Grönland notfalls mit Gewalt annektieren – China sei ein Arktis-Risiko für die USA. Doch Experten sehen die Gefahr woanders.
Donald Trump hat wohl den Tunnelblick: Appelle an die Vernunft interessieren ihn nicht. Auch, dass Europa Soldaten schickte, bringt ihn nicht ab von seinem Ziel: Der US-Präsident will Grönland. Trump hat die Insel, die zu Dänemark gehört, fest im Blick. Und will sie sich notfalls mit Gewalt einverleiben. Dafür riskiert Trump viel. Denn: „Einen Verbündeten derart unter Druck zu setzen, hat irgendwann Konsequenzen“, sagt Robin Allers, Associate Professor an der Hochschule für Verteidigung im norwegischen Oslo, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.
Eine Militäraktion gegen Grönland hält er zwar noch für unwahrscheinlich. „Aber im Fall des Falles wäre das wohl das Ende der Nato.“ Mit der Entsendung von Soldaten unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Norwegen und Schweden habe man das versucht zu unterstreichen. Offenbar ohne Erfolg, denn Trump reagierte – wie so oft – mit der Androhung von Strafzöllen.
Trump will Grönland – und kündigt Strafzölle für Deutschland an
Trump begründet seine Ansprüche auf die Insel immer wieder auch damit, dass China seinen Einfluss in der Arktis ausbaue. Sollten die USA nicht bald Grönland kontrollieren, wären dort „überall chinesische Zerstörer und U-Boote“ unterwegs, behauptet der US-Präsident. Peking wiederum weist das empört zurück. „Chinas Aktivitäten in der Arktis zielen darauf ab, den Frieden, die Stabilität und die nachhaltige Entwicklung der Region zu fördern“, sagte kürzlich eine Außenamtssprecherin.
Tatsächlich hat China gewisse Ambitionen in der Arktis. Das Land bezeichnet sich als „arktisnahen Staat“ – wenngleich die nördlichste Stadt der Volksrepublik etwa auf derselben geografischen Breite liegt wie Hamburg. Dennoch will Staats- und Parteichef Xi Jinping China bis 2030 zur „polaren Großmacht“ machen. Auch andere Staaten blicken auf die Polarregion, Russland etwa reaktiviert seit Jahren alte Militärstationen aus der Sowjetzeit. Die Staaten erhoffen sich unter anderem Zugang zu wertvollen Rohstoffen wie Gold oder Seltene Erden.
Aber: „Chinas Aktivitäten in der westlichen Arktisregion sowie auf Grönland sind sehr begrenzt. Ab und zu tauchen vielleicht ein paar Schiffe auf, mehr ist es nicht“, sagt Politologe und Arktiskenner Tobias Etzold der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Zwar habe es in der Vergangenheit chinesische Beteiligungen an Mienen auf Grönland gegeben, insgesamt spiele die Insel und die westliche Polarregion für China aber keine große Rolle.
Ganz anders sehe es im Bereich der Beringstraße aus. Die Meerenge liegt zwischen Asien und Amerika, verbindet den Arktischen Ozean mit dem Pazifik. Direkt vor Alaska sei China durchaus aktiv. „Immer wieder führt China dort Seenot-Übungen durch und ist auch mit militärischen Übungen aktiv“, so Experte Etzold. So näherten sich etwa im Juli 2024 bei einem gemeinsamen Manöver zwei chinesische und zwei russische Kampfbomber vor Alaska der US-Küste. Trumps Grönland-Argument steht auf tönernen Füßen. Washington habe die viel größere Bedrohung vor der eigenen Haustür lange vernachlässigt, sagt Etzold. „Dort könnte es viel eher zu Spannungen kommen als auf Grönland“, glaubt er.
Protest gegen Trump-Politik in Washington – und Sorge wegen Nationalgarde




Beobachter gehen davon aus, dass es Trump eigentlich um die Kontrolle über Grönlands Rohstoffe und eine territoriale Machterweiterung geht. Die EU bereitet derweil nun Maßnahmen gegen Trumps angekündigte Strafzölle vor. So könnte es bald etwa Zölle im Wert von 93 Milliarden Euro unter anderem für US-Bourbon, Sojabohnen, Geflügel und Flugzeugteile geben. (Quellen: Expertengespräche, chinesische Regierung, chinesisches Außenministerium, AFP, dpa)
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