Umstrittene Handelspolitik

Trump-Zölle bringen Republikaner in Aufruhr: „Wird Blutbad geben“

  • schließen

Die Reaktionen auf Trumps Zölle reichen bei dessen Republikanern von stoischer Ruhe bis zur Vorbereitung auf Widerstand. Für den US-Präsidenten hängt davon viel ab.

Washington – Die Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump sind seit Tagen in aller Munde. Wirtschaftsfachleute warnen, Menschen mit Börsen-Expertise geben öffentlich gute Ratschläge, was nun zu tun ist, Politiker aus aller Welt äußern sich offen zu Befürchtungen, Chancen und nun notwendigen Schritten. Die Tendenz in Sachen Reaktionen geht allerdings nicht mehr nur bei den betroffenen Handelspartnern der USA in Richtung Widerstand. Auch in den USA selbst hebt sich langsam eine Welle der Kritik.

Und das nicht nur vonseiten der Demokraten, die seit Trumps Amtsantritt vielfach dafür kritisiert worden sind, sich zu passiv zu verhalten und zu wenig zur Wehr zu setzen, nun aber langsam zum aktiven Widerstand ausholen. Kritik an den Zöllen und Warnungen vor der Trump-Politik kommen auch mehr und mehr von dessen Parteifreunden aus den Rängen der Republikaner.

Noch gibt sich der US-Präsident gegenüber Warnungen zu seiner Handelspolitik kämpferisch. (Symbolfoto)

Reaktionen auf Zoll-Pläne: Trump macht Versprechen, Cruz warnt vor „Blutbad“

Laut mehrerer Medienberichte, unter anderem des Spiegel sowie der US-Zeitung Newsweek, kommen die derzeit vor allem aus den Rängen des US-Senats, während sich die republikanischen Mitglieder des Repräsentantenhauses zumindest bislang mit Kritik noch eher zurückhalten. Da die Warnungen aus dem Senat allerdings umso deutlicher ausfallen, spekulieren Fachleute aber auch bereits über ein anstehendes Umdenken im Repräsentantenhaus, was womöglich sogar zu einer Einschränkung der Befugnisse des Präsidenten führen könnte.

Denn während Trump die Lage als völlig unkritisch einstuft, seinen Fans sogar eine rasche Erholung der US-Wirtschaft in Aussicht stellt und auf Truth Social davon spricht, dass „dies“ eine großartige Zeit sei, um „reich zu werden“ und an der Börse zu investieren, sprechen andere ebenso klare Warnungen aus. So warnte etwa der republikanische Senator Ted Cruz aus Texas bereits jetzt vor einem womöglich anstehenden „Blutbad“ bei den nächsten Zwischenwahlen, in deren Folge viele republikanische Abgeordnete und Amtsträger die Gunst der Wählerschaft verlieren könnten.

Widerstand gegen Trumps Zölle: Senat bringt Gesetz auf den Weg

Das Risiko ist laut Cruz‘ Einschätzung in seinem Podcast „Verdict“ eine mögliche Rezession, vor der einige Fachleute in den USA vor dem Hintergrund fallender Börsenkurse in den vergangenen Tagen mehrfach gewarnt haben. Sollte die – schlimmstenfalls sogar in schwerer Form – eintreten, hätte das erhebliche Folgen auf den Ausgang der nächsten Parlamentswahlen in den USA, bei denen alle Sitze im Repräsentantenhaus sowie knapp ein Drittel der Senatorensitze zur Disposition stehen. Die knappe Mehrheit, die die Republikaner derzeit in beiden Kammern haben, könnte durch wirtschaftliche Folgen von Trumps Handeln ins Wackeln geraten.

Laut verschiedenen Medienberichten, darunter auch von Newsweek, wurde in Reaktion auf Trumps Zollankündigungen vom Mittwoch (2. April) bereits ein parteiübergreifender Gesetzesentwurf in den Senat eingebracht, der dem US-Parlament beim Festlegen von Handelszöllen mehr Macht geben könnte. Am Freitag sprach sich mit dem Abgeordneten Don Bacon aus Nebraska auch der erste Republikaner aus dem Repräsentantenhaus für den Vorstoß aus, die Macht des Präsidenten zu beschränken, um schlimmere Folgen zu verhindern.

Donald Trumps Strafzölle: Diese Produkte aus Deutschland werden jetzt teurer

Die Strafzölle der neuen US-Regierung zielen auch auf Baumaschinen wie Bagger von Liebherr ab
Donald Trump und die US-Regierung planen neue Strafzölle auf deutsche und europäische Importe. Die höheren Gebühren zielen auch auf Baumaschinen wie Bagger von Liebherr ab. © Imagebroker/Imago
Thyssenkrupp und Co. liefern hochwertigen Stahl für die Luftfahrt- und Autoindustrie. Deutsche Stahl- und Aluminiumprodukte sind von den höheren Zollgebühren betroffen.
Thyssenkrupp und Co. liefern hochwertigen Stahl für die Luftfahrt- und Autoindustrie. Deutsche Stahl- und Aluminiumprodukte sind von den höheren Zollgebühren betroffen. © Funke Foto Services/Imago
Deutsche Spielwarenhersteller wie Playmobil oder Schleich verkaufen ihre Artikel auch in Übersee
Deutsche Spielwarenhersteller wie Playmobil oder Schleich verkaufen ihre Artikel auch in Übersee. © Karina Hessland/Imago
Naschkatzen werden tiefer in die Tasche greifen müssen: In die USA importierte Süßigkeiten wie Haribo oder Ritter-Sport dürften sich verteuern
Naschkatzen werden tiefer in die Tasche greifen müssen: In die USA importierte Süßigkeiten wie Haribo oder Ritter-Sport dürften sich verteuern. © BREUEL-BILD/Imago
Auf High-End-Mikroskope (z.B. von Zeiss) und medizinische Geräte (Röntgen, Chirurgie und mehr) werden Strafzölle erhoben
Auf High-End-Mikroskope (z.B. von Zeiss) und medizinische Geräte (Röntgen, Chirurgie und mehr) werden Strafzölle erhoben. © Chinalmages/Imago
Bier ist historisch in den deutschen Wurzeln verankert. Paulaner und Co. zahlen bei der Einfuhr in die USA künftig mehr Geld
Bier ist historisch in den deutschen Wurzeln verankert. Paulaner und Co. zahlen bei der Einfuhr in die USA künftig mehr Geld. © Ulrich Wagner/Imago
Deutsche Käse- und andere Milchprodukte dürften in den USA künftig teurer werden
Deutsche Käse- und andere Milchprodukte dürften in den USA künftig teurer werden. © IMAGO/Zoonar.com/totalpics
Musikinstrumente werden ebenfalls teurer. Deutsche Hersteller wie Steinway & Sons könnten eine weitere Produktionsverlegung in die USA in Erwägung ziehen
Musikinstrumente werden ebenfalls teurer. Deutsche Hersteller wie Steinway & Sons könnten eine weitere Produktionsverlegung in die USA in Erwägung ziehen. © Eibner/Imago
Fahrräder und E-Bikes wie von Hersteller Cube kosten beim Import in die USA künftig höhere Zollgebühren
Fahrräder und E-Bikes wie von Hersteller Cube kosten beim Import in die USA künftig höhere Zollgebühren. © NurPhoto/Imago
Bayer gehört zu den großen Playern auf dem Pharmaziemarkt. Für Medikamente oder auch Impfstoffe aus der EU erheben die USA künftig höhere Zölle
Bayer gehört zu den großen Playern auf dem Pharmaziemarkt. Für Medikamente oder auch Impfstoffe aus der EU erheben die USA künftig höhere Zölle. © NurPhoto/Imago
Werkzeuge aus Deutschland haben Tradition und ein hohes Ansehen. Auf Produkte von Bosch und weiteren Anbietern gibt es höhere Zölle
Werkzeuge aus Deutschland haben Tradition und ein hohes Ansehen. Auf Produkte von Bosch und weiteren Anbietern gibt es höhere Zölle. © STPP/Imago
Eisenbahn- und Schienenfahrzeugtechnik mit dazugehörigen Komponenten: Siemens verdient eine Menge Geld in den USA
Eisenbahn- und Schienenfahrzeugtechnik mit dazugehörigen Komponenten: Siemens verdient eine Menge Geld in den USA. © Zoonar/Imago
In den USA gibt es eine hohe Nachfrage nach Rostbratwürsten und vielem weiteren Fleisch aus Deutschland und anderen Ländern Europas
In den USA gibt es eine hohe Nachfrage nach Rostbratwürsten und vielen weiteren Fleischsorten aus Deutschland und anderen Ländern Europas. © IMAGO/Ardan Fuessmann
Der europäische Industriekonzern Airbus liefert Flugzeuge, Hubschrauber und weitere Komponenten in die USA
Der europäische Industriekonzern Airbus liefert Flugzeuge, Hubschrauber und weitere Komponenten in die USA. © Xinhua/Imago
Deutschland beheimatet weltbekannte Sportartikelhersteller. Adidas, Puma und Co. werden bei der Einfuhr in die USA künftig stärker zur Kasse gebeten
Deutschland beheimatet weltbekannte Sportartikelhersteller. Adidas, Puma und Co. werden bei der Einfuhr in die USA künftig stärker zur Kasse gebeten. © Zink/Imago
BMW, Mercedes und Volkswagen exportieren jährlich Autos im Wert von über 30 Milliarden Euro in die USA. Dafür werden künftig höhere Abgaben fällig
BMW, Mercedes und Volkswagen exportieren jährlich Autos im Wert von über 30 Milliarden Euro in die USA. Dafür werden künftig höhere Abgaben fällig. © Mercedes
Brezeln sind deutsches bzw. bayerisches Kulturgut. Auch in die Vereinigten Staaten wird das Laugengebäck exportiert, ebenso wie andere Backwaren
Brezeln sind deutsches bzw. bayerisches Kulturgut. Auch in die Vereinigten Staaten wird das Laugengebäck exportiert, ebenso wie andere Backwaren. © Rolf Poss/Imago
Halbleiter oder auch Sensoren von deutschen Technologiekonzernen wie Infineon erfordern künftig höhere Ausgaben
Halbleiter oder auch Sensoren von deutschen Technologiekonzernen wie Infineon erfordern künftig höhere Ausgaben. © Zoonar/Imago
Bad- und Pflegeartikel wie die Nivea-Creme von Beiersdorf werden für Milliarden Euro auch in die USA verfrachtet
Bad- und Pflegeartikel wie die Nivea-Creme von Beiersdorf werden für Milliarden Euro auch in die USA verfrachtet. © IMAGO/Snowfield Photography
Die Bekleidungsindustrie ist ebenfalls betroffen: Modeanbieter wie die Edelmarke Hugo Boss werden mit höheren Zollabgaben konfrontiert
Die Bekleidungsindustrie ist ebenfalls betroffen: Modeanbieter wie die Edelmarke Hugo Boss werden mit höheren Zollabgaben konfrontiert. © IMAGO/Sven Severing
Schnaps und anderer Alkohol: Auch Weine und Spirituosen aus Deutschland erfreuen sich in den USA großer Beliebtheit
Schnaps und anderer Alkohol: Auch Weine und Spirituosen aus Deutschland erfreuen sich in den USA großer Beliebtheit. © Chromorange/Imago
Chemie-Gigant BASF setzt ungeheure Mengen seiner Erzeugnisse auch in den USA ab. Für Kunststoffe, Spezial-Chemikalien und mehr werden höhere Zölle fällig
Chemie-Gigant BASF setzt ungeheure Mengen seiner Erzeugnisse auch in den USA ab. Für Kunststoffe, Spezial-Chemikalien und mehr werden höhere Zölle fällig.  © Ulrich Roth/Imago
Haushalts- und Elektrogeräte zum Beispiel von Siemens werden künftig ebenfalls für höhere Kosten in die USA importiert
Haushalts- und Elektrogeräte zum Beispiel von Siemens werden künftig für höhere Kosten in die USA importiert. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Küchen und zahlreiche Einrichtungsstücke wie Möbel sind von den höheren Zollgebühren in die USA betroffen
Küchen und zahlreiche Einrichtungsstücke wie Möbel sind von den höheren Zollgebühren in die USA betroffen. © IMAGO/Manfred Segerer
Kaffee aus Europa wird bei der Einfuhr in die Vereinigten Staaten von nun an mehr Geld kosten
Kaffee aus Europa wird bei der Einfuhr in die Vereinigten Staaten von nun an mehr Geld kosten. © Zoonar/Imago

Umstrittene Zollpolitik in den USA: Trump-Wähler haben weiter Hoffnung

Dass die Kritik an Trumps Zöllen nicht überall groß ist, liegt auch daran, dass viele – unter anderem auch Ted Cruz – noch ein zweites mögliches Szenario für die US-Wirtschaft sehen. So ist Trumps erklärtes Ziel, den Wirtschaftsstandort USA mit den Zöllen anzukurbeln und Handelspartner für künftige Verhandlungen unter Druck zu setzen. Davon berichtet auch die britische BBC, die sich unter Trump-Fans in einer Kleinstadt im Bundesstaat Ohio umgehört hat.

Hier, wo Trump mit deutlichem Vorsprung die Wahl gewann, glaubt man an dessen wirtschaftliches Geschick und die Beteuerung, dass nur den Rest der Welt – nicht aber die USA – negative Folgen der viel-kritisierten Zollpolitik einholen werden. Die Hoffnung hier, wie die BBC eine Gesprächspartnerin zitiert: „Wenn Zölle Firmen zurück zu hart arbeitenden amerikanischen Menschen, wie denen hier bei uns, zurückbringen, sind sie es wert“, dass man zunächst ein Stück durchs Feuer gehe. Worüber sich die Warnenden und die Optimistischen einig sind ist, dass von der Entwicklung der nächsten Wochen so einiges abhängt. (saka mit dpa)

Rubriklistenbild: © Mandel Ngan/AFP

Kommentare