Im Handelskrieg mit den USA: EU denkt nun über den Einsatz der „Bazooka“ nach
VonAmy Walker
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Die EU sieht sich mit einem Dilemma konfrontiert. Die von Trump eingeführten Zölle könnten extreme Gegenreaktionen provozieren. Doch Brüssel zögert noch, die letzte Maßnahme zu ergreifen.
Brüssel/Washington – Die jüngsten Zollmaßnahmen von Donald Trump haben einen beispiellosen Ausverkauf an den Märkten verursacht. Die unerwartete Höhe der Zölle überraschte die Welt, da die angekündigten „Gegenzölle“ letztlich nicht das waren, was sie zu sein schienen – die Strategie der Trump-Regierung zielte vielmehr auf das Handelsdefizit ab. Die EU soll daher künftig 20 Prozent auf alle Exporte in die USA zahlen. In Brüssel wird bereits überlegt, wie auf diesen Handelskonflikt reagiert werden soll. Die „Bazooka“ wird zwar noch nicht eingesetzt, aber bereits diskutiert.
EU plant den Einsatz ihrer „Bazooka“ gegen Trump als letztes Mittel gegen die Zölle
Unter der „Bazooka“ verstehen die Brüsseler das Anti-Coercion Instrument (ACI), ein Mittel zur Bekämpfung von Zwangsmaßnahmen. Es erlaubt der EU, Vergeltungsmaßnahmen gegen Länder zu ergreifen, die wirtschaftlichen Druck auf Mitgliedstaaten ausüben. So kann die EU den Zugang von Unternehmen zu öffentlichen Ausschreibungen einschränken oder Maßnahmen im Dienstleistungshandel und bei Investitionen ergreifen. Im Extremfall könnte der Außenhandel mit dem betreffenden Land vollständig eingestellt werden.
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Diese drastische Sprache der EU-Politiker hat ihren Grund. Der Einsatz dieser Waffe gegen die USA würde auch der EU erheblichen Schaden zufügen. Sie dient daher eher als Drohkulisse und soll nur im äußersten Fall eingesetzt werden. Damit dies funktioniert, muss Trump jedoch überzeugt sein, dass die EU die „Bazooka“ tatsächlich nutzen würde.
Der ACI gibt der Kommission bis zu vier Monate Zeit, um mögliche Fälle zu prüfen. Wenn festgestellt wird, dass ein anderes Land Zwangsmaßnahmen ergreift, wird die EU-Kommission die Mitgliedstaaten konsultieren. Diese haben dann acht bis zehn Wochen Zeit, um die Feststellung zu bestätigen, wobei eine qualifizierte Mehrheit erforderlich ist – eine höhere Hürde als bei der Einführung von Vergeltungszöllen. In der Regel konsultiert die Kommission dann den betreffenden Staat. Kommt es zu keiner Einigung, kann sie innerhalb von sechs Monaten Maßnahmen ergreifen, die innerhalb von drei Monaten wirksam werden. Der gesamte Prozess könnte ein Jahr dauern.
EU debattiert Gegenmaßnahmen gegen Trump: Meloni in der Zwickmühle
In Brüssel wird bereits nach Mehrheiten für den Einsatz dieser Maßnahme gesucht. Laut der Financial Times trafen sich am Donnerstag, dem 3. April, die Botschafter der EU-Länder, um darüber zu diskutieren. Frankreich, Deutschland, Spanien und Belgien unterstützen den Einsatz des ACI. Zunächst sollen US-Tech-Konzerne ins Visier genommen werden.
Es gibt jedoch auch Gegenstimmen, darunter die von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Sie hat den engsten Draht zu Trump innerhalb der EU und war eine der wenigen Europäerinnen, die zu seiner Amtseinführung eingeladen wurden. Nun steht sie vor der Entscheidung zwischen Europa und den USA. Gegenüber der FT bezeichnet sie diese Wahl als „kindisch“. Sie werde Italiens Interessen im Blick behalten und danach entscheiden. Ob sie letztlich zu einem Gegenschlag gegen die USA bereit ist, wird in den kommenden Wochen diskutiert werden.
Die EU steht vor der Herausforderung, einerseits Zeit für Verhandlungen zu lassen und andererseits auf Forderungen nach spürbaren Gegenmaßnahmen zu reagieren. Frankreichs Finanzminister Eric Lombard erklärte gegenüber BFM, dass die EU nicht mit denselben Mitteln antworten solle, da sonst europäische Verbraucher leiden würden. „Wir arbeiten an einem Paket aus Antworten, das auch über Zölle hinausgehen kann.“ Auch europäische Unternehmen warnen vor Gegenzöllen, die die Wirtschaft destabilisieren könnten.
Italien will warten bis die USA in der Rezession steckt: „Werden die Regierung anflehen, Zölle zu streichen“
Italiens Außenminister Antonio Tajani betonte, dass die EU darauf hinarbeiten sollte, die neuen Zölle auf zehn Prozent zu reduzieren. Dies könnte ein kurzfristiges Ziel sein, sagte er der Zeitung Corriere della Sera. Marco Simoni, ehemaliger Berater für Wirtschaftsangelegenheiten in Italien, sagte zur FT: „Was tut man, wenn ein Freund sich selbst verletzt und einen provoziert, noch mehr Schaden anzurichten? Man sagt ihm: ‚Hör auf damit‘ und bleibt cool.“
Er erwartet eine Reaktion aus der US-Bevölkerung, der sich Trump nicht widersetzen kann. „Warten wir sechs Monate. Dann werden die USA in einer offenen Rezession stecken und US-Unternehmen werden die Regierung anflehen, die Zölle zu streichen“, glaubt er.