Trumps Ende für Ukraine-Unterstützung: EU-Alternative zu Starlink Satelliten?
VonSimon Schröder
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Die Situation für die Ukraine ist schon jetzt kritisch. Trump hat erklärt, Kiew keine Waffen mehr zu liefern. Was geschieht mit Musks Starlink-Satelliten?
Kiew – Am Dienstag hat die US-Regierung angekündigt, der Ukraine keine militärische Hilfe mehr zur Verfügung zu stellen. Damit bricht ein Großteil der militärischen Unterstützung für Kiew weg. Jetzt muss Europa einen größeren Beitrag zur Verteidigung der Ukraine leisten. Ob Amerika jedoch auch andere Unterstützung für Kiew und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj kippt, ist noch unklar.
Denn die Ukraine ist auch auf humanitäre oder nachrichtendienstliche Hilfe angewiesen. Teil davon sind auch die Starlink-Satelliten der Firma SpaceX. Tech-Milliardär Elon Musk und CEO von SpaceX erklärte sich zu Beginn des Ukraine-Kriegs bereit, Kiew mit bis zu 5000 Starlink Terminals auszustatten, um die Kommunikation im Land sicherzustellen.
Elon Musk: Erst US-Schattenpräsident – und jetzt Trump-Gegenspieler?
Starlink-Satelliten von Elon Musk in der Ukraine: Nach US-Waffenstopp auch in Gefahr?
Die Zahl der Terminals hat sich im Laufe des Kriegs auf über 42.000 erhöht, wie die Ukraine letztes Jahr angab. Und die meisten davon wurden von der US-Regierung und vor allem Polen finanziert oder von SpaceX kostenlos zur Verfügung gestellt. Für die militärische Kommunikation sind Elon Musks Satelliten in der Ukraine mittlerweile unerlässlich. Dabei werden die SpaceX Satelliten von der US-Regierung kontrolliert, wie The Economist berichtet.
Musk selbst hatte sich in Bezug auf den Ukraine-Krieg und über Selenskyj zunehmend kritisch geäußert. Als quasi Teil der neuen US-Regierung und enger Berater Donald Trumps ist er mit der Sichtweise der neuen Administration in Washington auf einer Linie. Somit könnte auch der wichtige Kommunikationsservice Starlink in der Ukraine künftig in Gefahr sein. The Economist bezeichnet die Starlink-Satelliten als „Rückgrat der militärischen Kommunikation“. Ob es eine echte Alternative zu den Satelliten Musks aktuell schon gibt, ist fraglich.
Kommunikation in Kursk ohne Satelliten – Echte Alternative hat die Ukraine zu Musks Starlink noch nicht
Einmal ist es jedoch bisher schon gelungen: in Kursk sind die Starlink Terminals nämlich deaktiviert. Hier konnte die ukrainische Offensive auf Mobilfunk und Drohnen setzten, um mit Soldaten an der Front im feindlichen Gebiet zu kommunizieren. Alleine könnte die Ukraine jedoch keine Alternative zu der Satelliteninfrastruktur Musks schaffen.
Deshalb arbeitet auch die Europäische Kommission mit Hochdruck daran, der Ukraine eine mögliche Alternative zur Verfügung zu stellen, sollte Elon Musk und die US-Regierung tatsächlich die Starlink Satelliten abstellen. Ein Sprecher der EU-Kommission, Thomas Regnier sagte, Kiew habe bereits „Interesse gezeigt“, ob sie auf die europäischen Satelliten zugreifen könnten, wie Politico berichtet.
Ukrainische Soldaten nutzen Elon Musks Starlink Terminal zur Kommunikation. Der Tech-Milliardär könnte von heute auf morgen die militärische Kommunikation an der Ukraine-Front unmöglich machen.
Europas Govsatcom-Satelliten als Alternative zu Starlink im Ukraine-Krieg?
Das bisherige Netzwerk aus europäischen Satelliten heißt Govsatcom. Über das europäische Projekt heißt es auf der offiziellen Website: „Als Teil des EU-Raumfahrtprogramms wird die langfristige Verfügbarkeit zuverlässiger, sicherer und kostengünstiger staatlicher Satellitenkommunikationsdienste für EU- und nationale Behörden, die sicherheitskritische Aufgaben und Infrastrukturen verwalten, gewährleistet.“
Doch auch hier gibt es einen Haken: Die Satelliten würden nicht eigens für die Ukraine in die Erdumlaufbahn gebracht – anders als die Starlinksatelliten, wie Defence Express schreibt. Geschwindigkeit und Kapazität der europäischen Satelliten dürfte somit deutlich schlechter ausfallen als die Satelliten von Elon Musk. Schon 2022 kam es zu einem Vorfall, der die Wichtigkeit der Starlink Satelliten im Ukraine-Krieg unterstreicht. Ein Drohnenangriff gegen die russische Schwarzmeerflotte scheiterte. Die Verbindung zur Drohne brach plötzlich und ohne Vorwarnung ab, wie das ZDF berichtet. Ein Jahr später stellte sich heraus: Musk hatte seinen Ingenieuren befohlen, die Verbindung zu kappen.
Politikwissenschaftler Joachim Krause und Direktor am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel sagte über die drastische Entscheidung der US-Regierung, die Militärhilfe einzustellen, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Es wird keine große Militärhilfe mehr geben und entscheidend ist vielleicht auch noch, ob die amerikanische Regierung das Starlink-System abschaltet.“ Eine wirkliche Alternative gibt es wohl noch nicht. (sischr)