Trumps Feldzug gegen Harvard: Merz-Regierung regt Exil-Universität in Deutschland an
VonLea Winkler
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Die Fehde zwischen Donald Trump und der Harvard University hält an. Der US-Präsident versucht alles, um die Elite-Universität unter Druck zu setzen.
Washington, D.C. – US-Präsident Donald Trump liegt im offenen Konflikt mit der Harvard University. Seit seinem Amtsantritt versuchte Trump wiederholt, die traditionsreiche Universität in Cambridge bei Boston unter Druck zu setzen. Bereits in der Vergangenheit hatte das Bildungsministerium unter seiner Führung staatliche Fördermittel in Milliardenhöhe eingefroren. Im April drohte Trump zudem, Harvard steuerliche Vorteile zu entziehen.
In der vergangenen Woche verschärfte sich dann die Auseinandersetzung: Trumps Heimatschutzministerin Kristi Noem ordnete an, dass Harvard keine internationalen Studierenden mehr aufnehmen dürfe. Zur Begründung hieß es, die Universität fördere Gewalt, Antisemitismus und kooperiere mit der Kommunistischen Partei Chinas.
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US-Präsident Trump gegen Harvard Universität: Will Gelder der „sehr antisemitischen Hochschule“ weiterverteilen
Harvard, gegründet 1636, ist die älteste und finanziell stärkste Universität der Vereinigten Staaten. Mit 52 Nobelpreisträgern und einem internationalen Ruf als akademische Eliteinstitution zählt ein Abschluss aus Harvard zu den weltweit angesehensten Qualifikationen. Doch genau diese internationale Ausrichtung ist Trump wohl ein Dorn im Auge.
Mehr als ein Viertel der Studierenden an der Harvard Universität kommt aus dem Ausland. Das Aufnahmeverbot der US-Regierung für internationale Studierende sorgte daher für große Empörung – und wurde nur einen Tag später von einer Bundesrichterin gekippt, nachdem Harvard rechtliche Schritte eingeleitet hatte.
Trump feierte den Streit dennoch als Etappensieg seiner Administration. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er: „Habt keine Angst, die Regierung wird am Ende gewinnen.“ Er kündigte an, Harvard drei Milliarden Dollar (rund 2,6 Milliarden Euro) entziehen und diese Mittel an Handelsschulen im ganzen Land verteilen zu wollen. Harvard bezeichnete er als „sehr antisemitische Hochschule“.
Harvard im Exil? Deutscher Kulturstaatsminister bietet Außenstelle in Deutschland an
Als Reaktion auf den zunehmenden politischen Druck der US-Regierung hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer der Harvard University vorgeschlagen, eine Außenstelle in Deutschland zu gründen. „Ich schlage der Harvard University vor, in Deutschland einen eigenen Exil-Campus zu gründen“, sagte Weimer der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Weimer bezeichnete die Maßnahmen der US-Regierung als „schweren Schlag“ für den internationalen akademischen Austausch. Ein freier intellektueller Dialog sei ein Wesenskern der Kunstfreiheit und des wissenschaftlichen Fortschritts, sagte er. Deutschland stehe für Kunst- und Pressefreiheit, für Studienqualität und Offenheit, Diskurs und Diversität und wolle sich der Unterdrückung der US-Regierung entgegenstellen.
Trump nimmt Elite-Universität ins Visier: Harvard soll „antisemitische, linksextreme Institution“ sein
Die US-Regierung begründet ihr Vorgehen gegen die Harvard University mit einer angeblich ideologischen Schieflage auf dem Harvard-Campus sowie mit Antisemitismusvorwürfen. Auslöser seien vor allem propalästinensische Demonstrationen, die seit Beginn von Israels Krieg in Gaza im Oktober 2023 auch an Harvard sowie an anderen US-Universitäten wie Columbia in New York stattfanden.
Donald Trump wirft Harvard vor, eine „antisemitische, linksextreme Institution“ zu sein. Die Universität hatte sich geweigert, auf Forderungen der Regierung einzugehen – etwa die Abschaffung von Diversitäts- und Inklusionsprogrammen. (lw)