Rechtspopulist Babis gewinnt Tschechien-Wahl – und will Minderheitsregierung bilden
VonNail Akkoyun
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In Tschechien ist der Rechtspopulist Andrej Babiš aus der Parlamentswahl hervorgegangen. Nun will Babiš auf die Unterstützung des rechten Randes bauen.
Update vom 5. Oktober, 12:21 Uhr: Nach der Wahl in Tschechien will der Rechtspopulist Andrej Babiš eine Minderheitsregierung mit Unterstützung anderer rechter und äußerst rechter Parteien bilden. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Babiš‘ Partei ANO war aus der Parlamentswahl mit 34,5 Prozent der Stimmen als deutlicher Sieger hervorgegangen.
Noch am Samstagabend hatte der Rechtspopulist klargestellt, dass ihm „eine Regierung mit nur einer Partei“ vorschwebe – eine Regierungskoalition wolle er nicht bilden. Unterstützung holen will sich Babiš nun aber bei der rechtsextremen Partei SPD und der rechtsgerichteten Autofahrerpartei. In einigen Punkten dürfte es bei einer solchen Koalition aber noch Klärungsbedarf geben. Die rechtsextreme SPD verspricht in ihrem Wahlprogramm etwa ein Referendum über einen EU-Austritt Tschechiens – Babiš lehnt das vehement ab.
Update, 17:18 Uhr: In Tschechien hat die ANO des Ex-Regierungschefs und Milliardärs Andrej Babiš die Parlamentswahl gewonnen. Die rechtspopulistische Oppositionspartei kam nach dem Teilergebnis nach Auszählung von 90 Prozent der Wahlbezirke auf knapp 36 Prozent der Stimmen, wie am Nachmittag aus den offiziellen Daten der Statistikbehörde CSU hervorging.
Tschechien-Wahl: Partei von Rechtspopulist Babis geht als Sieger hervor
Update, 14:26 Uhr: In Tschechien ist die zweitägige Parlamentswahl zu Ende gegangen, die als richtungsweisend gilt. Umfragefavorit ist die Oppositionspartei ANO des Rechtspopulisten und Milliardärs Andrej Babiš. Der 71-Jährige sagte bei der Stimmabgabe, dass er die Mehrheit für seine Partei holen wolle. Er versprach niedrigere Steuern und ein Ende der Waffenlieferungen an die Ukraine. Das Mitte-Rechts-Bündnis Spolu (Gemeinsam) des Regierungschefs Petr Fiala muss dagegen mit Verlusten rechnen. Bei der letzten Wahl vor vier Jahren hatte sich ein dramatisches Kopf-an-Kopf-Rennen abgespielt.
Update vom 4. Oktober, 12:23 Uhr: In Tschechien ist am Samstag die Parlamentswahl fortgesetzt worden. Die Wahllokale öffneten nach einer nächtlichen Unterbrechung um 8:00 Uhr wieder ihre Türen. Die Bürger können ihre Stimme noch bis 14:00 Uhr abgeben.
Mit Spannung wird erwartet, ob die rechtspopulistische Oppositionspartei ANO des Milliardärs Andrej Babiš, wie von den Umfragen erwartet, stärkste Kraft wird. Babis sagte bei der Stimmabgabe in der östlichen Industriestadt Ostrava am Freitag, dass er eine absolute Mehrheit für seine Partei anstrebe. Das Mitte-Rechts-Bündnis Spolu (Gemeinsam) des Regierungschefs Petr Fiala muss dagegen mit Verlusten rechnen.
Erstmeldung vom 3. Oktober: Prag – Am 3. und 4. Oktober wählt Tschechien ein neues Parlament. Umfragen sehen die rechtspopulistische Oppositionspartei ANO vorn. Ein Sieg könnte das Land näher an Moskau rücken – und zugleich weiter von NATO und der Europäischen Union entfernen.
Tschechien-Wahl: Andrej Babiš spricht die Frustration der Bevölkerung an
Andrej Babiš steht im Zentrum der Partei.Der Milliardär leitet den Agrarkonzern Agrofert. Von 2014 bis 2017 war er Finanzminister Tschechiens, von 2017 bis 2021 Ministerpräsident. Beobachter nennen ihn ein politisches Chamäleon: mal links, mal rechts – aber immer populistisch.
Das zeigt sich auch in seiner Haltung zur EU. Babis spricht vom „Wahnsinn aus Brüssel“ und will diesen stoppen. Einen Austritt lehnt er ab, da er Tschechien schaden würde. Stattdessen kündigt er an, die Union von innen heraus verändern zu wollen. Kritikerinnen und Kritiker befürchten jedoch, er könnte wie Viktor Orbán in Ungarn Medien und Justiz umbauen, um seine Macht langfristig zu sichern. Zudem fordert er, die Unterstützung für die Ukraine deutlich zu reduzieren.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Babis macht vor Tschechien-Wahl Anspielungen auf Donald Trump
Viele Anhänger setzen ihre Hoffnungen auf Babiš, weil sie auf eine Verbesserung ihrer Lebensumstände hoffen. Besonders Rentnerinnen und Rentner erwarten eine Anerkennung für ihre Lebensleistung durch höhere Pensionen – ein Thema, das Babiš im Wahlkampf immer wieder angesprochen hatte. An Wahlkampfständen verteilt seine Partei Fahnen, Bücher und rote Kappen mit der Aufschrift „Starkes Tschechien“ – eine offensichtliche Anlehnung an Donald Trump.
Die Unzufriedenheit mit Ministerpräsident Petr Fiala treibt Babiš zusätzlich an die Spitze der Umfragen. Seine Mitte-rechts-Regierung hat kaum Rückhalt in der Bevölkerung. Steuererhöhungen, Sparpolitik und der Eindruck, die Ukraine werde stärker unterstützt als die eigene Bevölkerung, verstärken den Frust. (Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung, POLITICO, Deutsche Welle) (cf)