Dieses der dpa vom Pressedienst der 24. Mechanisierten Brigade der Ukraine am 4. Juli 2024 zur Verfügung gestellte Foto zeigt eine Luftaufnahme der Stadt Tschassiw Jar.
Die russische Armee nimmt einen Stadtteil von Tschassiw Jar ein. Würde der Ort fallen, könnte dies ein Einfalltor für Putins Truppen sein. Eine wichtige Verteidigungslinie der Ukraine wäre in Gefahr.
Tschassiw Jar – Der russische Schwerpunkt bei den Bodenoperationen liegt seit einiger Zeit in der Oblast Donezk. Noch in der vergangenen Woche hatte Kiew Erfolge aus der umkämpften Kleinstadt Tschassiw Jar vermeldet. Wie die Ukraine am Donnerstag (4. Juli) bestätigte, mussten die ukrainischen Truppen nun die Verteidigung eines Stadtteils aufgeben. Was das für den Ukraine-Krieg bedeutet.
Ukraine räumt östliche Positionen in Tschassiw Jahr: Rückzug zur Rettung der Soldaten
Tschassiw Jar liegt im Nordosten der Ukraine. Nach monatelangen Kämpfen mussten sich die ukrainischen Verteidiger nun aus dem östlichsten Teil der Kleinstadt zurückziehen, wie am Donnerstag ein Sprecher der zuständigen Armeegruppierung „Chortyzja“ bestätigte. „Die Stellungen unserer Verteidiger sind zerstört worden“, sagte der Sprecher Nasar Woloschyn der Agentur Interfax-Ukraine zufolge. „Die dort stationierten Kräfte stellten eine Bedrohung für das Leben unserer Soldaten dar“, ergänzte Woloschyn im Gespräch mit Kyiv Post. Es sei daher ein Rückzug auf neue Positionen befohlen worden. Damit verschiebt sich die Frontlinie in der Oblast Donezk zugunsten Russlands.
Dieses vom Pressedienst der 24. Mechanisierten Brigade der Ukraine am 4. Juli 2024 zur Verfügung gestellte Foto zeigt eine Luftaufnahme der Stadt Tschassiw Jar.
In dem von der Ukraine aufgegebenen Stadtteil Tschassiw Jars steht offenbar kein Stein mehr auf dem anderen. Es gebe dort kein einziges unbeschädigtes Gebäude mehr, sagte Woloschyn laut Interfax. „Bombardements und Artilleriebeschuss hinterließen eine Mondlandschaft“, stellte der Sprecher fest. Bereits seit dem Frühjahr waren die russischen Truppen auf die Stadt im Donezker Gebiet vorgerückt. Seitdem hatten die ukrainischen Truppen die Ortschaft verteidigt. Noch in der vergangenen Woche hatte Woloschyn gesagt, dass die ukrainische Armee den russischen Gegner aus dem Stadtteil weitgehend vertrieben hätten. Nur wenige Tage später konnten die Truppen Moskaus den Stadtteil „Kanal“ einnehmen, wie auch der Militärblog DeepState berichtete.
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Ukraine-Krieg: Fall von Tschassiw Jahr böte Einfallmöglichkeit in Rückgrat ukrainischer Verteidigung
Mit dem Vorrücken der russischen Truppen rücke der Fall Tschassiw Jars näher, hieß es laut DeepState von Kommandeur Bohdan Khodakovsky, dessen Truppe „Revansh“ in der Region im Einsatz ist. Der Fall der erhöht liegenden Stadt Tschassiw Jars würde der russischen Armee den Weg in Richtung Kostjantyniwka eröffnen. Die vier Städte Kostjantyniwka, Slowjansk, Kramatorsk, und Druschkiwka gehören laut der US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) zum Verteidigungsgürtel der Ukraine im Donezk. Die Einnahme böte Putins Truppen die Möglichkeit, nachfolgende Offensivoperationen gegen das Rückgrat der ukrainischen Verteidigung zu starten. Damit könnte sich demnach die „Tür zum Donbass“ öffnen. Die Bedrohung ist groß: Auch aus nördlich und südlicher Richtung rückte die russische Armee zuletzt nahe an die Stadt Tschassiw Jar heran.
Neben den Fortschritten in Tschassiw Jar rückten die russischen Streitkräfte laut ISW auch in Richtung Toretsk und in der Nähe von Awdijiwka vor. Wie schon bei der Eroberung von Awdijiwka sollen bei der russischen Einnahme von Tschassiw Jar auch Gleitbomben eine Rolle gespielt haben. Gegen diese Waffen findet die Ukraine bislang kein wirksames Mittel. Es bleibt lediglich der indirekte Ansatz: Nämlich jene Flugzeuge zu zerstören, mit denen die russischen Streitkräfte die Gleitbomben abwerfen. Mit der für dieses Jahr geplanten Lieferung von F-16-Kampfjets aus dem Westen hofft Kiew, die Gefahr aus dem Himmel einzudämmen (bme mit Material der dpa).