VonKatja Thorwarthschließen
Mitten in Istanbul explodiert eine Bombe und reißt mehrere Menschen in den Tod. Die PKK weist Beschuldigungen von sich.
+++ 13.55 Uhr: Die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat jegliche Verantwortung für den tödlichen Anschlag von Istanbul zurückgewiesen. „Unser Volk und die demokratische Öffentlichkeit wissen genau, dass wir nichts mit diesem Vorfall zu tun haben, dass wir nicht direkt auf Zivilisten zielen und dass wir Aktionen nicht akzeptieren, die auf Zivilisten abzielen“, schrieb die in der Türkei verbotene Organisation in einer von der Nachrichtenagentur Firat am Montag veröffentlichten Erklärung. Firat steht der PKK nahe, die von der Türkei und ihren westlichen Verbündeten als „Terrororganisation“ eingestuft wird.
+++ 10.15 Uhr: Die Türkei hat eine Anhängerin der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) aus Syrien für den Anschlag vom Sonntag in Istanbul verantwortlich gemacht. Die türkische Polizei gab einem türkischen Medienbericht des Privatsenders NTV zufolge am Montag bekannt, dass die festgenommene junge Frau die Tat gestanden habe. Sie habe zugegeben, im Auftrag der PKK gehandelt und ihre Anweisungen in Kobane im Kurdengebiet im Nordosten Syriens bekommen zu haben. Die Frau habe die syrische Staatsbürgerschaft.
Istanbul: Erste Festnahme nach Anschlag – Regierung beschuldigt PKK
Erstmeldung, 14. November: Istanbul – Der Anschlag in Istanbul forderte sechs Menschenleben, 81 weitere wurden verletzt. In der Nacht zum Montag (14. November) hat die Polizei nun eine verdächtige Person gefasst. Einsatzkräfte hätten die Person, die die Bombe auf der Einkaufsstraße Istiklal deponiert habe, festgenommen, zitierte der staatsnahe Sender TRT den türkischen Innenminister Süleyman Soylu. Angeblich gebe es Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Laut TRT kündigte Soylu in der Türkei Vergeltung an.
„Die Person, die die Bombe deponiert hat, ist festgenommen worden. Nach unseren Erkenntnissen ist die Terrororganisation PKK verantwortlich“, erklärte Soylu am Montagmorgen der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu und örtlichen Fernsehsendern.
Anschlag in Istanbul: Türkischer Innenminister vermutet die PKK
Die PKK ist eine kurdische Untergrundorganisation mit sozialistischer Ausrichtung, die seit Mitte der 1980er Jahre gegen den türkischen Staat kämpft. Sie kämpft in der Türkei und teils auch in den angrenzenden Ländern für die politische Autonomie kurdisch besiedelter Gebiete. In der Vergangenheit wurde die PKK immer wieder für blutige Anschläge in der Türkei verantwortlich gemacht. Sie wird von der Erdogan-Regierung in Ankara sowie den meisten westlichen Staaten, darunter die USA und die EU, als Terrororganisation eingestuft.
| Anschläge in der Türkei seit 2015 | |
| July 2015 | In Suruc wurden 30 Menschen getötet und fast 100 verletzt |
| August 2015 | Bei einem Bombenanschlag in Istanbul wurden fünf Polizisten und zwei Zivilisten verletzt |
| Oktober 2015 | Bei zwei Explosionen in Ankara wurden 95 Menschen getötet und 200 verletzt |
| Februar 2016 | Autobombenanschlag in Ankara: 28 Menschen wurden getötet und 60 verwundet |
| März 2016 | Autobombe in Ankara: 37 Tote, 70 Verletzte |
| Juni 2016 | Anschlag auf Flughafen Atatürk in Istanbul: 41 Tote, 239 verletzte |
| August 2016 | Bei einer Hochzeitsfeier wurden 50 Menschen getötet und Dutzende verletzt |
| Oktober 2016 | Eine Autobombe tötete 18 Menschen |
| November 2016 | Der IS bekannte sich zu einem Bombenanschlag mit 9 Toten |
| Dezember 2016 | Zwei Explosionen in Istanbul töteten 38 Menschen, 160 wurden verletzt |
| Januar 2017 | 39 Menschen starben bei einem Anschlag auf einen Nachtclub |
| Juli 2019 | Drei Tote nach einem Autobombenschlag in der Südtürkei |
| September 2ß19 | Sieben Tote und 10 Verletzte nach einem Anschlag in der Südosttürkei |
| November 2022 | Sechs Tote und zahlreiche Verletzte nach einer Explosion in der City von istanbul |
Die Organisation steht zudem im Mittelpunkt eines Streits um die Nato-Mitgliedschaft Schwedens und Finnlands. Ankara wirft vor allem Schweden vor, ein Zufluchtsort für „Terroristen“ zu sein, und forderte in einem im Juni mit Schweden und Finnland unterzeichneten Abkommen die Auslieferung mehrerer PKK-Mitglieder. Schweden und Finnland hatten sich infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine entschieden, einen Antrag auf Nato-Mitgliedschaft zu stellen.
Türkei geht gegen PKK-Stellungen im Norden des Irak und Syriens vor
Im vergangenen Monat hatte die türkische Opposition der türkischen Armee vorgeworfen, Chemiewaffen gegen PKK-Kämpfer einzusetzen. Sie veröffentlichte eine Liste mit 17 Namen und Fotos von „Märtyrern“, die durch Giftgas getötet worden seien. Die türkischen Behörden wiesen die Vorwürfe zurück. Die Vorsitzende des türkischen Ärztebundes (TTB), Sebnem Korur Fincanci, wurde festgenommen, nachdem sie eine Untersuchung der Vorwürfe gefordert hatte. (ktho/AFP/dpa)
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