Wahlversprechen gebrochen: Erdogan erhöht in der Türkei die Steuern
VonErkan Pehlivan
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Ein Jahrhundert der Türkei – das hat Präsident Erdogan seinem Volk versprochen. Die Realität sieht anders aus: Inflation sowie Steuererhöhungen sind real.
Ankara – Im Wahlkampf für die Türkei-Wahl im Mai hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan von einem „Jahrhundert der Türkei“ gesprochen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Die wirtschaftlichen Probleme verschärfen sich in dem Land zunehmend. Jetzt hat die Regierung in zahlreichen Bereichen die Steuern und Gebühren erhöht.
Inflation in der Türkei: Färbt die Erdogan-Regierung die Zahlen schön?
Zuvor waren die Inflationszahlen in der Türkei veröffentlicht worden. Diese hatte das Statistikamt mit 38,21 Prozent angegeben. Doch an der Zahl gibt es Zweifel. Das unabhängige Wirtschaftsinstitut Ena Grup berechnete die Inflation auf 108,58 Prozent. Schon seit Jahren decken sich die offiziellen Wirtschaftszahlen mit denen von unabhängigen Experten nicht mehr. Interessant: Bei Unternehmen setzt man verstärkt auf die Institutszahlen. So will der Fußball-Traditionsverein Galatasaray Istanbul in Zukunft bei Sponsorenverträgen lieber die Zahlen der Ena Grup als Basis nehmen.
Tabelle: Welche Steuern und Gebühren werden in der Türkei erhöht?
Die Regierung von Erdogan reagierte bereits auf die neuen Schockzahlen und erhöhte erst einmal verschiedene Steuern und Abgaben. Welche das sind, zeigt die folgende Übersicht.
- Mehrwertsteuer steigt von acht auf zehn Prozent
- Steuern bei Verbraucherkrediten steigen von 10 auf 15 Prozent
- Steuern bei Sportwetten steigen von fünf auf zehn Prozent
- Steuern bei anderem Glücksspiel liegen jetzt bei 20 Prozent (Anstieg um 10 Prozent)
- Gebühren beim Einführen und späterem Nutzen von Mobiltelefonen wird teurer (20.000 Türkische Lira statt 6.091)
- Verschiedene Gebühren beim Notar und Ämtern wie etwa für Reisepässe und Visa steigen um 50 Prozent
Bereits zu Jahresbeginn Steuern massiv angehoben
Die Abgabenerhöhung führt zu Kritik bei Experten und Opposition in der Türkei, weil sowohl Steuern als auch Gebühren zu Jahresbeginn schon drastisch angehoben worden waren. „Hat die Regierung nicht zu Beginn des Jahres alle Gebühren, Steuern sowie Dienstleistungsgebühren um 112 Prozent erhöht? Was hat dieser Wirtschaftscoup in aller Herrgottsfrühe zu bedeuten?“, fragte der Wirtschaftsexperte und Direktor der Ena Grup, Prof. Veysel Ulusoy, auf Twitter.
Ähnlich kommentierte der Oppositionsabgeordnete der Grünen Linkspartei YSL, Ömer Faruk Gergerlioglu, die aktuellen Steuer- und Gebührenerhöhungen in einer Pressekonferenz. „Der Anstieg der Benzinpreise ist offensichtlich, die Ticketpreise im Hochgeschwindigkeitszug wurden erst neulich um 30 Prozent erhöht. Die Diesel- und Benzinpreise werden Tag für Tag erhöht. Wer bleibt schon in einem solchen Land?“ Die Armut in dem Land wird immer deutlicher.
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