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Erdogan-Herausforderer Kemal Kilicdaroglu sorgt mit einem Video wenige Wochen vor der Türkei-Wahl für Gesprächsstoff. Die Regierung schimpft.
Ankara - Der türkische Oppositionsführer und Erdogan-Herausforderer Kemal Kilicdaroglu hat mit dem öffentlichen Bekenntnis, der religiösen Minderheit der Aleviten anzugehören, Millionen Klicks erreicht. „Ich bin Alevit. (...) Unsere Identität macht uns zu dem, was wir sind“, sagte der 74-Jährige in dem am Mittwochabend (19. April) veröffentlichten Video anlässlich der anstehenden Türkei-Wahl 2023 am 14. Mai.
Etliche Nutzer lobten den Schritt. Kilicdaroglu will dem amtierenden Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am 14. Mai das Präsidentenamt abringen. Sein alevitischer Hintergrund wurde vor Ankündigung seiner Kandidatur stellenweise immer wieder als möglicher Nachteil vor den Wahlen diskutiert, bei denen er Amtsinhaber Erdogan vom Thron stoßen könnte.
Alevi. pic.twitter.com/C9Pd1ZaKoN
— Kemal Kılıçdaroğlu (@kilicdarogluk) April 19, 2023
Wichtiges Video vor Türkei-Wahl 2023: Aleviten werden diskriminiert
Aleviten sind eine religiöse Minderheit in der mehrheitlich sunnitischen Türkei und beklagen bis heute Diskriminierung und Unterdrückung in dem Land. Ein in dem Zusammenhang immer wieder genanntes Ereignis ist ein Brandanschlag im Jahr 1993, bei dem Fundamentalisten ein Hotel in der anatolischen Stadt Sivas angriffen, die als Hochburg der Aleviten gilt. 30 Menschen wurden getötet, vorwiegend Aleviten.
Von der türkischen Regierung erntete Kilicdaroglu Unverständnis. „Wieso sagt er das jetzt?“, fragte der türkische Innenminister Süleyman Soylu in einem TV-Interview und argumentierte, Zugehörigkeiten spielten in der Türkei keine wesentliche Rolle bei der Erlangung von Ämtern. Soylu gilt als Hardliner und Nationalist, der immer wieder gegen seine Gegner hetzt.
Kilicdaroglu richtet vor der Türkei-Wahl 2023 Appell an jungen Menschen
In seiner Rede richtete er sich vor allem an die jungen Menschen, die zum ersten Mal wählen werden. Die Identität der Menschen sei wichtig. Man können sie sich aber nicht aussuchen, sagte Kilicdaroglu darin. Man könne sich aber andere Dinge aussuchen. „Ein guter Mensch zu sein, ehrlich zu sein, anständig zu sein, gewissenhaft zu sein, tugendhaft und gerecht zu sein“.
Die Menschen könnten sich auch aussuchen, in einer freien und reicheren Türkei zu leben. Die jungen Menschen könnten mit nur einer Stimme alles ändern, in der nicht mehr über Identitäten diskutiert wird. Die Rede von Kilicdaroglu wurde inzwischen mehr als 53 Millionen Mal angeschaut. (ep/dpa)
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