Türkei-Wahl 2023

Erdogan will mit neuen Ministern Türkeis Wirtschaft retten

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Erdogan soll schon in den nächsten Tagen sein neues Kabinett vorstellten. Mehrere Minister könnten ausgetauscht werden. Ex-Finanzminister Mehmet Simsek soll die Wirtschaft retten.

Ankara – Recep Tayyip Erdogan wurde für die nächsten fünf Jahre zum Präsidenten der Türkei gewählt und soll schon in dieser Woche sein neues Kabinett bekannt geben. „Die Zusammensetzung kann in jeder Form erfolgen. Unser Präsident hatte gesagt, er werde ein junges und dynamisches Kabinett bilden, das dem neuen türkischen Jahrhundert würdig ist“, sagte der Sprecher des türkischen Präsidenten, Ibrahim Kalin, in einer TV-Sendung.

Nach Türkei-Wahl mehrere neue Minister

Nach einem Bericht der Zeitung Sözcü könnte der Geheimdienstchef Hakan Fidan als Innen- oder Außenminister eingesetzt werden. Auch der Sprecher von Erdogan, Ibrahim Kalin, werde als Außenminister gehandelt. Der Posten des Verteidigungsministers könnte ebenfalls neu besetzt werden, schreibt das Blatt. Dafür werde der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Seyfullah Hacimüftüoglu, gehandelt.

Vor allem aber ist der Posten des neuen Finanz- und Wirtschaftsministers sehr wichtig, da das Land auch nach der Türkei-Wahl in einer Wirtschaftskrise steckt und sich die türkische Leitwährung in einer Abwärtsspirale befindet. Die Hoffnung liegt auf Mehmet Simsek. „Unabhängig davon, ob er dem Kabinett angehören wird oder nicht, wird Herr Simsek weiterhin einen Beitrag zu unserer Wirtschaftspolitik leisten“, sagte Kalin.

Ex-Finanzminister Mehmet Simsek soll wieder ins Kabinett.

Ex-Finanzminister soll nach Türkei-Wahl wichtige Rolle in Erdogan-Regierung spielen

Mehmet Simsek war bereits zwischen 2007 und 2009 Finanzminister. Simsek hatte früher als Investbanker in New York gearbeitet, unter anderem bei der UBS, Deutsche Bank und Merrill Lynch. Nach einem Treffen im März zwischen Simsek und Erdogan hatte der Finanzexperte es abgelehnt, aktiv in die Politik zu gehen. Allerdings habe es am Montag (29.05.2023) ein erneutes Treffen zwischen ihm und dem türkischen Präsidenten gegeben, schreibt die Zeitung Hürriyet. Das Gespräch sei positiv verlaufen. Falls in der nächsten Legislaturperiode Simsek die Verantwortung für die Wirtschaft übernimmt, könnte es ein gemeinsames Team mit Lütfü Elvan und Cevdet Yilmaz geben, schreibt das Blatt weiter.

Doch die Wirtschaftsprobleme des Landes sind sehr groß. Viele Fachleute sind skeptisch, ob Simsek die Probleme überhaupt auf die Schnelle lösen kann - unter ihnen auch der Wirtschaftsexperte Dr. Artunc Kocabalkan. „Solange sich das Team und das nicht Teamspiel ändert, wird weder Mehmet Simsek, noch Simsek McQueen das Ganze retten können“, schreibt Kocabalkan auf Twitter und spielt dabei auf den Animationsfilm Cars an, in dem der Hauptprotagonist „Lightning McQuenne“ ist. Simsek bedeutet übersetzt Blitz und auf Englisch Lightning.

Wahlkampf in der Türkei: Erdoğan vs. Kılıçdaroğlu - Das Duell um die Präsidentschaft

Ein Mann läuft an einem Bild von Recep Tayyip Erdogan und Kemal Kılıçdaroğlu vorbei.
Weiter mit Präsident Recep Tayyip Erdogan oder lieber mit Herausforderer Kemal Kılıçdaroğlu? Die Präsidentschaftswahlen in der Türkei am Sonntag, dem 14. Mai 2023, werden entscheiden, wer zukünftig das Land am Bosporus und seine 85 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner regieren wird. Längst tobt der Wahlkampf im ganzen Land, auch hier in der Millionen-Metropole Istanbul. © Emrah Gurel/dpa
CHP Anhänger feiern in Kocaeli den Kandidatend der Opposition, Kemal Kılıçdaroğlu.
Die Anhängerinnen und Anhänger von Kemal Kılıçdaroğlu hoffen auf einen personellen Wechsel an der Spitze der Türkei nach fast 20 Jahren mit Erdogan. Die Umfragen vor der Türkei-Wahl deuten auf einen Wechsel hin. CHP-Kandidat Kılıçdaroğlu liegt je nach Meinungsforschungsinstitut entweder vor Erdogan oder nur knapp hinter ihm. Entsprechend groß ist der Optimismus der Opposition wie hier in Kocaeli, wo Kılıçdaroğlu seinen Zuhörerinnen und Zuhörern die „Rückkehr des politischen Frühlings“ verspricht. © YASIN AKGUL/AFP
Kemal Kilicaroglu beim Wahlkampf in der Türkei
Wird er wirklich der nächste Präsident der Türkei? Kemal Kılıçdaroğlu ist seit 2010 Vorsitzender der sozialdemokratischen CHP, der größten Oppositionsfraktion im türkischen Parlament. Der studierte Wirtschaftswissenschaflter gilt als Finanzexperte. Er ist seit 1974 verheiratet und entstammt einer alevitischen Familie. Die Umfragewerte sprechen für den Herausforderer Erdogans. © Uncredited/dpa
Wahlkampf mit Erdogan vor der Türkei-Wahl in Istanbul
Doch schlechte Umfragewerte können anscheinend weder Präsident Recep Tayyip Erdoğan noch die Anhängerinnen und Anhänger seiner regierenden AKP entmutigen. Der Machthaber der Türkei tritt weiter selbstbewusst auf und spricht vor seinen Fans wie hier in Istanbul von nichts anderem als einem historischen Sieg über Kılıçdaroğlu und sein Oppositionsbündnis. © IMAGO/AK Party Office\ apaimages
Wahlkampf in der Türkei: Millionen Menschen jubeln in Istanbul Erdogan zu
Laut eigenen Angaben versammelte Recep Tayyip Erdogan allein in Stanbul zuletzt 1,5 Millionen Menschen zu einer Wahlkampfveranstaltung. Die dabei entstandenen, imposanten Bilder sind ein klares Signal an Kemal Kılıçdaroğlu und sein Oppositionsbündnis: Die AKP gibt sich noch längst nicht geschlagen. Erdogan bleibt ein siegessicherer Amtsinhaber. © afp
Putin besucht Erdogan in der Türkei
Als amtierender Präsident ist sich Recep Tayyip Erdoğan nicht zu schade, seinen Amtsbonus im Vorfeld der Wahl voll auszunutzen. Dabei kommt ihm auch ein alter Verbündeter offenbar gerne zu Hilfe: Wladimir Putin, hier bei einem Besuch in Ankara, der Hauptstadt der Türkei im Jahr 2022. Im Wahljahr inszenierte sich Erdoğan bereits mehrfach als Vermittler im Ukraine-Krieg - bislang jedoch ohne nennenswerten Erfolg.  © MURAT KULA/AFP
Ekrem İmamoğlu mit Ehefrau im Wahlkampf der Türkei in Istanbul.
Doch der Wahlkampf in der Türkei bleibt nicht immer friedlich. Diese Erfahrung musste Istanbuls Bürgermeister Ekrem İmamoğlu, wie Präsidentschaftskandidat Kemal Kılıçdaroğlu Mitglied der CHP, machen. Der Bürgermeister, hier mit seiner Frau Dilek İmamoğlu, wurde auf einer Wahlkampfveranstaltung in der Stadt Erzurum mit Steinen attackiert. İmamoğlu musste den Auftritt abbrechen und fliehen. Die Provinz Erzurum in Ostanatolien gilt als Hochburg Erdogans und seiner nationalkonservativen AKP. © IMAGO/Tunahan Turhan
Lebensmittelgeschäft in der Türkei kurz vor der Präsidentschaftswahl
Neben dem Erdbeben ist vor allem die wirtschaftliche Lage des Landes das bestimmende Thema im Wahlkampf in der Türkei. Die Inflationsrate hat astronomische Höhen erreicht, der Wert der Türkischen Lira befindet sich im freien Fall. Zwar konnte die AKP-Regierung die Teuerungsrate zuletzt wieder senken, sie liegt aber weiterhin jenseits der 50 Prozent. Unter Experten gilt auch die Politik Erdogans als verantwortlich für die wirtschaftlichen Probleme der Türkei. © ADEM ALTAN/AFP
Erdbebenkatastrophe in der Türkei in der Stadt Antakya
Kurz vor der Wahl wurde die Türkei von einer der schlimmsten Naturkatastrophen in der jüngeren Vergangenheit heimgesucht. Ein Erdbeben am 6. Februar kostete mehr als 50. Menschen in der Türkei das Leben. Nach dem Beben geriet auch die AKP-Regierung von Recep Tayyip Erdogan in die Kritik. Der Präsident hatte in den Jahren vor der Katastrophe zahlreiche Bauvorschriften, die Gebäude erbebensicher gemacht hätten, aufgeweicht und Gelder, die für den Katastrophenschutz gedacht waren, anderweitig eingesetzt. © Boris Roessler/dpa
Atatürk-Banner vor den Wahlen in der Türkei.
Doch gewählt wird in der Türkei nicht nur der Präsident. Auch die Neubesetzung des türkischen Parlaments entscheidet sich am 14. Mai 2023, das 600 Mitglieder umfasst. Recep Tayyip Erdogan hatte die Macht des Parlaments in seiner Amtszeit zugunsten des Präsidenten geschwächt. Kemal Kilicdaroglu hat versprochen, diese Änderungen bei einem Wahlsieg rückgängig zu machen und so die einst von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk gegründete Republik in der Türkei vor autokratischen Umtrieben zu schützen. © Francisco Seco/dpa

Inflation, Währungsverfall und Korruption plagen türkische Wirtschaft

Die Wirtschaft in der Türkei steckt seit Jahren in der Krise. Der Dollar kostet inzwischen knapp 20,40 TL. Fünf Jahre zuvor lag der Preis noch bei 4,47 TL. Auch die Inflation macht den Menschen in dem Land zu schaffen. Derzeit liegt diese nach Angaben des staatlichen Statistikbüros TÜIK bei 43,68 Prozent. Das unabhängige Wirtschaftsinstitut „Enagrup“ berechnet die Inflation dagegen viel höher. Auch die Korruption ist ein riesiges Problem in dem Land. Auf dem „Korruptionswahrnehmungsindex“ der Nichtregierungsorganisation Transparency International liegt die Türkei auf Platz 101 unter 180 Staaten.

Rubriklistenbild: © DB Thomas Eisenkrätzer

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