Türkei-Wahl

Stichwahl in der Türkei: 1,5 Millionen haben Stimme schon abgegeben

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Insgesamt sind 3,4 Millionen türkische Wahlberechtigte im Ausland zur Stimmabgabe aufgerufen. Ihre Stimmen könnten den Ausschlag geben.

Am kommenden Sonntag (28. Mai) entscheidet sich die Präsidentschaftswahl in der Türkei in einer Stichwahl. Ein großes Gewicht kommt in dieser Wahl den im Ausland lebenden Türken zu. Insgesamt sind 3,4 Millionen türkische Staatsbürger dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Mehr als 1,5 Millionen haben dies bis zum Morgen des 22. Mai bereits getan, wie die englischsprachige Ausgabe der Hürriyet berichtet.

Der Wahlvorstand hat für die Stichwahl zwischen Amtsinhaber Recep Tayyip Erdoğan von der AKP und dessen Herausforderer Kemal Kılıçdaroğlu von der CHP in 73 Ländern an insgesamt 167 Stellen Wahlurnen aufgestellt, vor denen sich teils lange Schlangen bilden. Der Vertreter der regierenden AKP im Obersten Wahlrat (YSK) erwartet, dass die Wahlbeteiligung zur Stichwahl die zu den Wahlen vom 14. Mai übertreffen wird.

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen haben in den türkischen Auslandsvertretungen und Zollbehörden mehr als 1,8 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme abgegeben, was laut Hürriyet einer Wahlbeteiligung von 52,6 Prozent entspricht. Damals entfielen auf Erdoğan 49,51 Prozent der Stimmen aus dem In- und Ausland, Oppositionsführer Kılıçdaroğlu kam auf 44,88 Prozent. Auf dem dritten Platz landete mit 5,17 Prozent Sinan Oğan von der ultranationalistischen Ata-Allianz.

Stichwahl in der Türkei: Die meisten Auslandstürken leben in Deutschland

Allein in Deutschland, das die größte türkische Auslandsgemeinde beherbergt, sind 1,5 Millionen Auslandstürken zur Stimmabgabe berechtigt. Sie können davon noch bis zum Abend des 24. Mai Gebrauch machen. Zu den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 14. Mai lag die Wahlbeteiligung bei etwa 48,8 Prozent oder 733.000 Personen, wie die Augsburger Allgemeine berichtet.

Wahlkampf in der Türkei: Erdoğan vs. Kılıçdaroğlu - Das Duell um die Präsidentschaft

Ein Mann läuft an einem Bild von Recep Tayyip Erdogan und Kemal Kılıçdaroğlu vorbei.
Weiter mit Präsident Recep Tayyip Erdogan oder lieber mit Herausforderer Kemal Kılıçdaroğlu? Die Präsidentschaftswahlen in der Türkei am Sonntag, dem 14. Mai 2023, werden entscheiden, wer zukünftig das Land am Bosporus und seine 85 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner regieren wird. Längst tobt der Wahlkampf im ganzen Land, auch hier in der Millionen-Metropole Istanbul. © Emrah Gurel/dpa
CHP Anhänger feiern in Kocaeli den Kandidatend der Opposition, Kemal Kılıçdaroğlu.
Die Anhängerinnen und Anhänger von Kemal Kılıçdaroğlu hoffen auf einen personellen Wechsel an der Spitze der Türkei nach fast 20 Jahren mit Erdogan. Die Umfragen vor der Türkei-Wahl deuten auf einen Wechsel hin. CHP-Kandidat Kılıçdaroğlu liegt je nach Meinungsforschungsinstitut entweder vor Erdogan oder nur knapp hinter ihm. Entsprechend groß ist der Optimismus der Opposition wie hier in Kocaeli, wo Kılıçdaroğlu seinen Zuhörerinnen und Zuhörern die „Rückkehr des politischen Frühlings“ verspricht. © YASIN AKGUL/AFP
Kemal Kilicaroglu beim Wahlkampf in der Türkei
Wird er wirklich der nächste Präsident der Türkei? Kemal Kılıçdaroğlu ist seit 2010 Vorsitzender der sozialdemokratischen CHP, der größten Oppositionsfraktion im türkischen Parlament. Der studierte Wirtschaftswissenschaflter gilt als Finanzexperte. Er ist seit 1974 verheiratet und entstammt einer alevitischen Familie. Die Umfragewerte sprechen für den Herausforderer Erdogans. © Uncredited/dpa
Wahlkampf mit Erdogan vor der Türkei-Wahl in Istanbul
Doch schlechte Umfragewerte können anscheinend weder Präsident Recep Tayyip Erdoğan noch die Anhängerinnen und Anhänger seiner regierenden AKP entmutigen. Der Machthaber der Türkei tritt weiter selbstbewusst auf und spricht vor seinen Fans wie hier in Istanbul von nichts anderem als einem historischen Sieg über Kılıçdaroğlu und sein Oppositionsbündnis. © IMAGO/AK Party Office\ apaimages
Wahlkampf in der Türkei: Millionen Menschen jubeln in Istanbul Erdogan zu
Laut eigenen Angaben versammelte Recep Tayyip Erdogan allein in Stanbul zuletzt 1,5 Millionen Menschen zu einer Wahlkampfveranstaltung. Die dabei entstandenen, imposanten Bilder sind ein klares Signal an Kemal Kılıçdaroğlu und sein Oppositionsbündnis: Die AKP gibt sich noch längst nicht geschlagen. Erdogan bleibt ein siegessicherer Amtsinhaber. © afp
Putin besucht Erdogan in der Türkei
Als amtierender Präsident ist sich Recep Tayyip Erdoğan nicht zu schade, seinen Amtsbonus im Vorfeld der Wahl voll auszunutzen. Dabei kommt ihm auch ein alter Verbündeter offenbar gerne zu Hilfe: Wladimir Putin, hier bei einem Besuch in Ankara, der Hauptstadt der Türkei im Jahr 2022. Im Wahljahr inszenierte sich Erdoğan bereits mehrfach als Vermittler im Ukraine-Krieg - bislang jedoch ohne nennenswerten Erfolg.  © MURAT KULA/AFP
Ekrem İmamoğlu mit Ehefrau im Wahlkampf der Türkei in Istanbul.
Doch der Wahlkampf in der Türkei bleibt nicht immer friedlich. Diese Erfahrung musste Istanbuls Bürgermeister Ekrem İmamoğlu, wie Präsidentschaftskandidat Kemal Kılıçdaroğlu Mitglied der CHP, machen. Der Bürgermeister, hier mit seiner Frau Dilek İmamoğlu, wurde auf einer Wahlkampfveranstaltung in der Stadt Erzurum mit Steinen attackiert. İmamoğlu musste den Auftritt abbrechen und fliehen. Die Provinz Erzurum in Ostanatolien gilt als Hochburg Erdogans und seiner nationalkonservativen AKP. © IMAGO/Tunahan Turhan
Lebensmittelgeschäft in der Türkei kurz vor der Präsidentschaftswahl
Neben dem Erdbeben ist vor allem die wirtschaftliche Lage des Landes das bestimmende Thema im Wahlkampf in der Türkei. Die Inflationsrate hat astronomische Höhen erreicht, der Wert der Türkischen Lira befindet sich im freien Fall. Zwar konnte die AKP-Regierung die Teuerungsrate zuletzt wieder senken, sie liegt aber weiterhin jenseits der 50 Prozent. Unter Experten gilt auch die Politik Erdogans als verantwortlich für die wirtschaftlichen Probleme der Türkei. © ADEM ALTAN/AFP
Erdbebenkatastrophe in der Türkei in der Stadt Antakya
Kurz vor der Wahl wurde die Türkei von einer der schlimmsten Naturkatastrophen in der jüngeren Vergangenheit heimgesucht. Ein Erdbeben am 6. Februar kostete mehr als 50. Menschen in der Türkei das Leben. Nach dem Beben geriet auch die AKP-Regierung von Recep Tayyip Erdogan in die Kritik. Der Präsident hatte in den Jahren vor der Katastrophe zahlreiche Bauvorschriften, die Gebäude erbebensicher gemacht hätten, aufgeweicht und Gelder, die für den Katastrophenschutz gedacht waren, anderweitig eingesetzt. © Boris Roessler/dpa
Atatürk-Banner vor den Wahlen in der Türkei.
Doch gewählt wird in der Türkei nicht nur der Präsident. Auch die Neubesetzung des türkischen Parlaments entscheidet sich am 14. Mai 2023, das 600 Mitglieder umfasst. Recep Tayyip Erdogan hatte die Macht des Parlaments in seiner Amtszeit zugunsten des Präsidenten geschwächt. Kemal Kilicdaroglu hat versprochen, diese Änderungen bei einem Wahlsieg rückgängig zu machen und so die einst von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk gegründete Republik in der Türkei vor autokratischen Umtrieben zu schützen. © Francisco Seco/dpa

Der seit 20 Jahren amtierende Präsident Erdoğan erfreut sich bei den türkischen Wählern in Deutschland großer Beliebtheit. 65,5 Prozent von ihnen stimmten nach vorläufigen Zahlen für Erdoğan, 32.5 Prozent für Kılıçdaroğlu. Über 12,6 Prozent gaben nach Informationen des TV-Senders Habertürk ihre Stimme der rechtsradikalen MHP, mit der Erdoğans AKP ein Bündnis eingegangen ist.

Stichwahl in der Türkei: Stimmen der Auslandstürken könnten Ausschlag geben

Nach Deutschland folgen Frankreich und die Niederlande, was die Zahl türkischer Wahlberechtigter angeht. Dort leben laut Hürriyet rund 400.00 bzw. 290.000 türkische Staatsbürger. Die Stimmen aus dem Ausland könnten sich für die Türkei als entscheidend erweisen, da sie bei der Stichwahl bis zu einem halben Prozentpunkt ausmachen und das Ergebnis damit beeinflussen könnten.

Der Drittplatzierte Oğan hat inzwischen eine Wahlempfehlung für Erdoğan abgegeben. Auch die Umfragen zur Türkei-Wahl sehen den Amsinhaber vorne. Anfangs prognostizierten sie ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Erdoğan und seinem Herausforderer Kılıçdaroğlu, lagen aber in der Summe daneben. Inzwischen scheint Erdoğan sich aber allmählich etwas abzusetzen. Es wird dennoch ein knapper Ausgang der Stichwahl erwartet.

Rubriklistenbild: © Felix Hörhager/dpa

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