TV-Debatte der Republikaner: Trump, der Elefant im Raum
VonThomas Spang
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Obwohl Ex-Präsident Donald Trump die erste TV-Debatte seiner Partei schwänzt, stiehlt er der Konkurrenz die Show.
Milwaukee – Die Stunde der Wahrheit im FiserV-Forum, wo die Republikaner in fast genau einem Jahr ihren Präsidentschaftskandidaten küren wollen, schlug um kurz vor 22 Uhr. Bis dahin hatten die sieben Männer und eine Frau über 60 Minuten auf der Bühne so getan, als machten sie die Nominierung unter sich aus. Sie droschen wahlweise auf Joe Biden, China, illegale Einwanderer:innen, Covid-Lockdowns oder den Klima-Betrug ein. Dann sprach Bret Baier „den Elefanten“ an, „der nicht im Raum ist“.
Gemeint war Donald Trump, der den Pflichttermin zum Auftakt des Wahlkampfs sausen ließ, um auf X, vormals Twitter, mit dem von Fox gefeuerten Tucker Carlson in seinem Golfclub von Bedminster zu plaudern. Von dort wollte der Ex-Präsident am Donnerstag nach Atlanta reisen, wo er sich im berüchtigten Fulton County Gefängnis für die Aufnahmen seiner Personalien und erkennungsdienstliche Behandlung vor Ablauf der Deadline an diesem Freitag einfinden muss. Es handelt sich um die vierte Anklage in drei Monaten. Diesmal muss sich Trump in 13 Punkten verantworten, darunter der Bildung einer kriminellen Vereinigung mit 18 anderen Personen. Bei einer Verurteilung droht Trump eine Mindeststrafe von fünf Jahren Gefängnis. Begnadigung ausgeschlossen.
Trotz allem: Trump bleibt beliebt unter Republikanern
Baier forderte die Mitbewerber:innen auf, per Handzeichen zu erklären, ob sie Trump als Präsidentschaftskandidaten der Partei unterstützen würden, wenn er als verurteilter Straftäter ins Rennen um das Weiße Haus eintrete. Die Temperatur in der mit 7000 Zuschauer:innen besetzten Arena steigt bei der Frage spürbar an. Bis auf zwei Personen heben alle die Hand. Enthusiastisch schnellt die von Jungunternehmer Vivek als Erste in die Luft. Es folgen die ehemalige UN-Botschafterin Nikki Haley, Senator Tim Scott aus South Carolina und der farblose Gouverneur aus North Dakota, Doug Burgum.
Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus
Ron DeSantis, der als Zweitplatzierter in nationalen Umfragen 40 Punkte hinter Trump herhinkt, schaut, was die anderen machen. Dann hebt auch er seine Hand. Der ehemalige Vizepräsident Mike Pence folgt eher zögerlich. Keine Regung zeigt dagegen Asa Hutchinson, der die alte Garde der George-Bush-Republikaner verkörpert. Der Ex-Gouverneur aus New Jersey, Chris Christie, zuckt. Nachdem er realisiert, dass seine versuchte Wortmeldung als Zustimmung interpretiert werden könnte, zieht er seine Hand zurück. Die Trump-Fans im Publikum buhen Christie für seinen Erklärungsversuch aus. „Jemand muss aufhören, dieses Verhalten zu normalisieren, okay?“, versucht sich der ehemalige Chefankläger des Gartenstaats über den ohrenbetäubenden Lärm Gehör zu verschaffen.
Sturm auf das Kapitol immer noch Thema
Die Basis der Partei sieht das offenkundig anders. Das wird auch deutlich, als die Kandidatinnen und Kandidaten in einer zweiten Runde der Debatte die Frage beantworten sollten, ob Pence am 6. Januar 2021 das Richtige getan habe. Der Vizepräsident hatte sich geweigert, an dem mutmaßlichen Plot Trumps mitzuwirken und die Zertifizierung des Wahlsiegs Joe Bidens im Kongress zu verweigern. „Ich habe damit kein Problem“, antwortete DeSantis so halbherzig, wie er es die ganzen zwei Stunden peinlichst vermieden hatte, den Spitzenreiter anzugreifen. Er sei wirklich nicht so sehr an der Vergangenheit interessiert, fügte er hinzu. Die Vereidigung des nächsten Präsidenten im Januar 2024 sei ihm wichtiger.
Haley lobte Pence für seine Standhaftigkeit und mahnte die Partei zu bedenken, dass Trump „der unbeliebteste Politiker“ im Land sei. Die Herzen des Publikums erreichte aber Ramaswamy, der Trump als „großartigsten Präsidenten des 21. Jahrhunderts“ feierte. Der 38-jährige Biotechunternehmer indischer Abstammung hofft, dass sein Idol sich an seine Unterstützung erinnern wird. Tatsächlich sieht an diesem Abend alles danach aus, als habe der „nicht anwesende Elefant im Raum“ es geschafft, die Partei davon zu überzeugen, dass er das Opfer einer Hexenjagd sei.