USA

TV-Debatte der Republikaner: Trump, der Elefant im Raum

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Obwohl Ex-Präsident Donald Trump die erste TV-Debatte seiner Partei schwänzt, stiehlt er der Konkurrenz die Show.

Milwaukee – Die Stunde der Wahrheit im FiserV-Forum, wo die Republikaner in fast genau einem Jahr ihren Präsidentschaftskandidaten küren wollen, schlug um kurz vor 22 Uhr. Bis dahin hatten die sieben Männer und eine Frau über 60 Minuten auf der Bühne so getan, als machten sie die Nominierung unter sich aus. Sie droschen wahlweise auf Joe Biden, China, illegale Einwanderer:innen, Covid-Lockdowns oder den Klima-Betrug ein. Dann sprach Bret Baier „den Elefanten“ an, „der nicht im Raum ist“.

Gemeint war Donald Trump, der den Pflichttermin zum Auftakt des Wahlkampfs sausen ließ, um auf X, vormals Twitter, mit dem von Fox gefeuerten Tucker Carlson in seinem Golfclub von Bedminster zu plaudern. Von dort wollte der Ex-Präsident am Donnerstag nach Atlanta reisen, wo er sich im berüchtigten Fulton County Gefängnis für die Aufnahmen seiner Personalien und erkennungsdienstliche Behandlung vor Ablauf der Deadline an diesem Freitag einfinden muss. Es handelt sich um die vierte Anklage in drei Monaten. Diesmal muss sich Trump in 13 Punkten verantworten, darunter der Bildung einer kriminellen Vereinigung mit 18 anderen Personen. Bei einer Verurteilung droht Trump eine Mindeststrafe von fünf Jahren Gefängnis. Begnadigung ausgeschlossen.

Von links nach rechts: Chris Christie, Mike Pence, Ron DeSantis und Vivek Ramaswamy während der TV-Debatte.

Trotz allem: Trump bleibt beliebt unter Republikanern

Baier forderte die Mitbewerber:innen auf, per Handzeichen zu erklären, ob sie Trump als Präsidentschaftskandidaten der Partei unterstützen würden, wenn er als verurteilter Straftäter ins Rennen um das Weiße Haus eintrete. Die Temperatur in der mit 7000 Zuschauer:innen besetzten Arena steigt bei der Frage spürbar an. Bis auf zwei Personen heben alle die Hand. Enthusiastisch schnellt die von Jungunternehmer Vivek als Erste in die Luft. Es folgen die ehemalige UN-Botschafterin Nikki Haley, Senator Tim Scott aus South Carolina und der farblose Gouverneur aus North Dakota, Doug Burgum.

Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus

Donald Trump will wieder US-Präsident werden
Nun ist es raus: Donald Trump will 2024 erneut als US-Präsident antreten. Dann wird der Milliardär aus New York 78 Jahre alt sein. Trump hatte das Amt 2017 bis 2021 inne, verlor 2020 aber die Wahl und musste auf eine zweite Amtszeit verzichten. Die soll nun im dritten Anlauf gelingen. Trump wäre erst der zweite Präsident in der Geschichte der USA, dem ein solches Comeback gelingen würde. © Andrew Harnik/dpa
Nikki Haley tritt als US-Botschafterin bei der UN zurück und 2024 vielleicht noch einmal an
Nikki Haley war Trumps letzte verbliebene Rivalin. Doch am Ende zog auch sie sich aus dem parteiinternen Rennen um die US-Präsidentschaft zurück. Nach ihrer Serie von Niederlagen am Super Tuesday verkündete Haley ihren Ausstieg. Die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaates South Carolinas wechselt ihre Haltung zu Donald Trump wie andere Leute die Kleidung. Als Botschafterin Trumps bei den Vereinten Nationen war sie enge Vertraute des Ex-Präsidenten, nach dem Sturm aufs Kapitol distanzierte sie sich. Dann sagte sie, sie werde nicht kandidieren, sollte Trump erneut antreten. Haley gilt als Establishment-Republikanerin, die für möglichst geringe Sozialausgaben, niedrige Steuern und eine aggressive Außenpolitik steht. © Evan Vuccid/dpa
Floridas Gouverneur Ron de Santis spricht nach dem Sieg bei den Midterms zu seiner Anhängerschaft
Als härtester Konkurrent für die Nominierung bei den Republikanern für die US-Wahl 2024 galt lange Ron DeSantis. Der Gouverneur Floridas feierte bei den Midterms einen klaren Sieg und wurde von der Wählerschaft im Amt bestätigt. Er galt als der Hoffnungsträger in der Partei. Das Rennen um die Präsidentschaftsnominierung hat er aber inzwischen aufgegeben. DeSantis hatte sich in der Vergangenheit als Trump-Fan inszeniert, geht mittlerweile aber auf Distanz zum Ex-Präsidenten. Hier zu sehen ist der Politiker mit seiner Frau Casey DeSantis und den drei gemeinsamen Kindern. © IMAGO/Luis Santana
Der erfahrene Politiker Asa Hutchinson tritt als Anti-Trump-Kandidat an
Er war bereits Staatsanwalt, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, Behördenleiter der Anti-Drogenbehörde DEA und Gouverneur des Bundesstaates Arkansas. Jetzt wollte Asa Hutchinson 2024 republikanischer Präsidentschaftskandidat werden, doch nach der Vorwahl in Iowa zog er seine Kandidatur zurück. Hutchinson trat als Alternative zu Donald Trump an, denn seines Erachtens sollte dieser „nicht der nächste Anführer unseres Landes sein“. Hutchinson forderte Trump auf, seine Kandidatur aufgrund der Anklage gegen ihn in New York zurückzuziehen – eine Sicht, die die republikanische Wählerschaft nicht teilt. © SCOTT OLSON / AFP
Vivek Ramaswamy, Trump-Fan mit Anti-Woke-Agenda
Vivek Ramaswamy hatte Großes vor. Der 38-jährige, rechtslibertäre Tech-Unternehmer mit indischen Wurzeln wollte US-Präsident werden. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei der Vorwahl in Iowa warf er aber das Handtuch und empfahl, Trump zu Wählen. Der Trump-Fan sieht die USA in einer „nationalen Identitätskrise“ und fordert eine „nationale Wiederbelebung“. Dazu will er z.B. das FBI und das Bildungsministerium abschaffen. Er wolle Trumps „America-First-Aganda auf die nächste Stufe bringen“.  © Anna Moneymaker / AFP
US-Wahl 2024: Ehemaliger Trump-Vertrauter Christie will ins Weiße Haus
Chris Christie hatte auch noch einmal Ambitionen auf das Weiße Haus angemeldet. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey war einst ein enger Vertrauter von Donald Trump, hat sich aber mittlerweile von ihm losgesagt und kritisiert ihn sogar öffentlich. So bezeichnete er den früheren Präsidenten wegen dessen Haltung zum Ukraine-Krieg als „Feigling“ und „Marionette“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Christie wollte 2016 schon einmal Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden, zog nach schlechten Ergebnissen bei den Vorwahlen aber zurück. Diesmal gab er bereits vor den Vorwahlen der Republikaner auf. © Charles Krupa/dpa
Zu den krassen Außenseitern zählt auch Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt.
Zu den krassen Außenseitern zählte von Beginn an Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt. Der Republikaner, der am 4. Dezember aus dem Rennen ausstieg, ist seit dem 15. Dezember 2016 Gouverneur von North Dakota. Vor seiner politischen Karriere war er Softwareunternehmer, Microsoft-Manager und Risikokapitalgeber. Im April unterzeichnete Burgum ein Gesetz, das Abtreibungen in der sechsten Schwangerschaftswoche verbietet. Zudem hat er zahlreiche Gesetze unterzeichnet, die die Rechte von trans Menschen einschränken. © SCOTT OLSON/afp
Senator Tim Scott aus dem Bundesstaat South Carolina begreift seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen als Verkörperung des amerikanischen Traumes. In einem im April veröffentlichten Video spricht er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und fordert mehr Optimismus. Scott betont darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nennt er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung.
Tim Scott (blaues Hemd) hat sich aus dem Rennen um die Kandidatur verabschiedet. Am 12. November zog der Senator aus South Carolina seine Kandidatur zurück. In einem im April veröffentlichten Video sprach er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und forderte mehr Optimismus. Scott betonte darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nannte er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung. Seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen begreift Scott als Verkörperung des amerikanischen Traumes.  © ALLISON JOYCE
Mike Pence könnte 2024 bei der US-Wahl für das Amt des Präsidenten kandidieren.
Ausgestiegen ist auch Trumps ehemaliger Vizepräsident. „Dies ist nicht meine Zeit“, sagte Mike Pence am 28. Oktober 2023. Pence war in Umfragen weit abgeschlagen und hatte Medienberichten zufolge Probleme bei der Beschaffung von Geldern für seine Kampagne. „Wir wussten immer, dass dies ein harter Kampf sein würde, aber ich bereue nichts“, erklärte Pence. Mit kritischen Kommentaren nach den Midterms hatte sich der ultrakonservative Pence für einen möglichen Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei in Stellung gebracht. © IMAGO/Aimee Dilger
Larry Elder ist 2024 der erste schwarze Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern
Am 26. Oktober zog sich Larry Elder zurück. Schon bei seinem ersten Versuch als Politiker war er gescheitert: 2021 versuchte der rechte Radiomoderator und Rechtsanwalt erfolglos, Kaliforniens demokratischen Gouverneur Gavin Newsom abzulösen. Elder vertritt rechtsradikale Ansichten, wie ein Abtreibungsverbot, glaubt, dass an Grenzen „Mauern funktionieren“, Antirassismus sowie Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion hingegen nicht. © SCOTT OLSON / AFP
Perry Johnson ist im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur.
Am 20. Oktober zog sich auch Perry Johnson aus dem Wahlkampf zurück. Er war im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Aufgefallen war der Unternehmer zuvor nur im Jahr 2022, als er für das Amt des Gouverneurs in Michigan kandidieren wollte. Wegen unsauberer Machenschaften wurde er allerdings von den republikanischen Vorwahlen vorzeitig ausgeschlossen. Johnson positionierte sich im Wahlkampf gegen Abtreibungen. Zudem kritisierte er die Höhe der Hilfsgelder, die die USA der Ukraine zur Verfügung stellen. Zugleich stellte Johnson aber klar, dass er Wladimir Putin nicht vertraue. © SCOTT OLSON/afp
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung sind bisher Ryan Binkley, Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez.
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung waren auch Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez. Auch sie haben ihre Kandidatur bereits wieder zurückgezogen. Im Rennen sind dagegen noch Ryan Binkley, John Anthony Castro und E. W. Jackson. Chancen auf eine Nominierung dürften sie allerdings kaum haben. Großer Favorit bleibt allen Anklagen und Prozessen zum Trotz weiter der frühere Präsident Donald Trump. Die Republikaner haben auf jeden Fall die Qual der Wahl. © ALLISON JOYCE/afp

Ron DeSantis, der als Zweitplatzierter in nationalen Umfragen 40 Punkte hinter Trump herhinkt, schaut, was die anderen machen. Dann hebt auch er seine Hand. Der ehemalige Vizepräsident Mike Pence folgt eher zögerlich. Keine Regung zeigt dagegen Asa Hutchinson, der die alte Garde der George-Bush-Republikaner verkörpert. Der Ex-Gouverneur aus New Jersey, Chris Christie, zuckt. Nachdem er realisiert, dass seine versuchte Wortmeldung als Zustimmung interpretiert werden könnte, zieht er seine Hand zurück. Die Trump-Fans im Publikum buhen Christie für seinen Erklärungsversuch aus. „Jemand muss aufhören, dieses Verhalten zu normalisieren, okay?“, versucht sich der ehemalige Chefankläger des Gartenstaats über den ohrenbetäubenden Lärm Gehör zu verschaffen.

Sturm auf das Kapitol immer noch Thema

Die Basis der Partei sieht das offenkundig anders. Das wird auch deutlich, als die Kandidatinnen und Kandidaten in einer zweiten Runde der Debatte die Frage beantworten sollten, ob Pence am 6. Januar 2021 das Richtige getan habe. Der Vizepräsident hatte sich geweigert, an dem mutmaßlichen Plot Trumps mitzuwirken und die Zertifizierung des Wahlsiegs Joe Bidens im Kongress zu verweigern. „Ich habe damit kein Problem“, antwortete DeSantis so halbherzig, wie er es die ganzen zwei Stunden peinlichst vermieden hatte, den Spitzenreiter anzugreifen. Er sei wirklich nicht so sehr an der Vergangenheit interessiert, fügte er hinzu. Die Vereidigung des nächsten Präsidenten im Januar 2024 sei ihm wichtiger.

Haley lobte Pence für seine Standhaftigkeit und mahnte die Partei zu bedenken, dass Trump „der unbeliebteste Politiker“ im Land sei. Die Herzen des Publikums erreichte aber Ramaswamy, der Trump als „großartigsten Präsidenten des 21. Jahrhunderts“ feierte. Der 38-jährige Biotechunternehmer indischer Abstammung hofft, dass sein Idol sich an seine Unterstützung erinnern wird. Tatsächlich sieht an diesem Abend alles danach aus, als habe der „nicht anwesende Elefant im Raum“ es geschafft, die Partei davon zu überzeugen, dass er das Opfer einer Hexenjagd sei.

Rubriklistenbild: © Morry Gash/dpa

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