TV-Duell zur Polen-Wahl gerät zum Schlagabtausch über Nato und Ukraine
VonDavid Fischer
schließen
Der Ukraine-Krieg überschattet die Polen-Wahl. Ein Kandidat droht russischen Attentäter, der andere hält seinen Gegner für ein Sprachrohr Putins.
Warschau – Im Fernsehduell zur Polen-Wahl haben sich die Präsidentschaftskandidaten Rafał Trzaskowski und Karol Nawrocki am Freitagabend über den Ukraine-Krieg gestritten. Der pro-europäische Kandidat der regierenden PO-Partei, Trzaskowski, warf seinem Gegner dabei vor, Propaganda für den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verbreiten. Nawrocki antwortete, er spreche „die Sprache der Polen“, die zu oft mit dem Vorwurf von Nähe zu Putin zum Schweigen gebracht würden.
Nach dem ersten Wahlgang in Polen am 18. Mai zeigte sich im Ergebnis ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Trzaskowski gewann mit 31 Prozent der Stimmen vor Nawrocki mit 30 Prozent. Die beiden Kandidaten stehen sich am 1. Juni in einer Stichwahl gegenüber. Laut aktuellen Umfragen zur Polen-Wahl liegen sie aktuell gleich auf bei 47 Prozent. Auf der Zielgeraden entscheidend wird, wer die Stimmen der ausgeschiedenen Kandidaten hinter sich versammeln kann.
Der Warschauer Bürgermeister und Präsidentschaftskandidat Rafal Trzaskowski (links) und der Historiker Karol Nawrocki auf einem Bildschirm während einer Präsidentschaftsdebatte in Warschau am 23. Mai 2025.
Nawrocki und Trzaskowski kämpfen um die Stimmen von Rechtsextremen
Umkämpft ist besonders die Wählerschaft des rechtsextremen Sławomir Mentzen, der im ersten Wahlgang zur Polen-Wahl mit knapp 15 Prozent der Stimmen auf Platz Drei landete. Nawrocki traf Mentzen in der vergangenen Woche zu einem Gespräch für dessen YouTube-Kanal und versprach dort, acht Forderungen von Mentzen zu übernehmen. Seinem ehemaligen Konkurrenten erzählte Nawrocki dort, er habe Zugang zu einer Waffe, nachdem er Drohungen aus Russland erhalten habe. Der parteilose Nawrocki, der von der bis 2003 regierenden PiS-Partei unterstützt wird, zeichnet sich im Wahlkampf durch widersprüchliche Aussagen gegenüber Russland und im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg aus. Im Fernsehduell sagte er erneut, er werde von Putin gejagt und ihm würden fünf Jahre im Gulag drohen.
Der liberale Trzaskowski zweifelte wenige Tage vor der entscheidenden Stichwahl in Polen öffentlich die Haltung von Nawrocki im Ukraine-Krieg an. Dessen Forderungen, die Ukraine nicht in die Nato zu lassen, Europa nicht aufzurüsten sowie die Unterstützung der US-Zölle, seien alle im Interesse des Kremls. „Wir sollten der Ukraine helfen, denn es ist besser, wenn Putin sich an der Ukraine die Zähne ausbeißt, als dass er jemand anderen angreift.“ Einen wirtschaftlich härteren Kurs gegenüber Kiew fordert allerdings auch Trzaskowski, der ebenso wie Nawrocki ukrainische Getreideimporte nach Polen reduzieren will.
Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken
Beide Kandidaten wollen weniger Geflüchtete aufnehmen
Nicht nur damit zielen die Kandidaten kurz vor der Entscheidung bei der Polen-Wahl auf die Stimmen der extremen Rechten aus dem ersten Wahlgang. Beide wollen weniger Ausländer nach Polen lassen. Den umstrittenen EU-Asylpakt, der das Recht auf Asyl 2024 weitgehend eingeschränkt hat, kritisieren sowohl Nawrocki als auch Trzaskowski im Duell als nicht scharf genug gegenüber Schutzsuchenden. Inzwischen hat sich auch Trzaskowski mit seinem ehemaligen Konkurrenten Sławomir Mentzen getroffen – öffentlichkeitswirksam auf ein Bier.