Ukraine-Krieg

Ukraine auf dem Weg in die EU? Brüssel erteilt nun klare Vorgabe

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Der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Frans Timmermans, erörtert bei einem Besuch in Kiew die Chancen der Ukraine auf einen Beitritt in die EU.

Brüssel – Frans Timmermans hat am Montag (9. Januar) betont, dass „die Ukraine weiterhin unsere ganze Unterstützung verdient“. Der Vizepräsident der Europäischen Kommission traf bei einem Besuch in Kiew den ukrainischen Premierminister Denys Schmyhal. Allerdings hatte Timmermans auch einen Dämpfer für die EU-Ambitionen der Ukraine parat.

Timmermans sprach mit der Deutsche Welle in ihrer internationalen Ausgabe über das Ausmaß und die Form der europäischen Hilfe für die Ukraine in Russlands anhaltendem Angriffskrieg „Die Tatsache, dass das ukrainische Volk mit einer solchen Entschlossenheit und Leidenschaft für seine Freiheit kämpft, sollte ein klares Signal für die Europäische Union sein, dass wir es mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen sollten“, sagte er.

Ukraine-Panzerlieferungen sind für Timmermans ein „logischer Schritt“

Timmermans lobte ausdrücklich die Entscheidungen europäischer Staaten wie Frankreich und Deutschland, die Ukraine mit gepanzerten Mannschaftstransportwagen zu unterstützen, und nannte dies einen „logischen Schritt“. Frankreich hatte letzte Woche angekündigt, dass es leichte französische Kampfpanzer vom Typ AMX-10 RC in die Ukraine schicken wird. Später erklärten auch Deutschland, die USA und aktuell auch Polen, dass sie gepanzerte Fahrzeuge schicken wollen.

Frans Timmermans: Beitritt der Ukraine in die EU an bestimmte Voraussetzungen gekoppelt.

Timmermans wies darauf hin, dass mehr finanzielle Unterstützung erforderlich sei, um die russische „Brutalität“ abzuwehren. Er sagte, es sei entscheidend, dass Russland den Konflikt nicht gewinne und fügte hinzu, dass „die Zukunft Europas“ auf dem Spiel stehe. „Dies ist ein Krieg um die Zukunft der Demokratie. Der Aggression Putins nachzugeben, ist die absolut falsche Antwort auf diese Herausforderung“.

Timmermans zum Beitritt der Ukraine zur EU: Nein, solange russische Soldaten im Land sind

Der Vizepräsident der Europäischen Kommission sprach aber auch über die Zukunft der Ukraine auf dem Weg zum EU-Beitritt. Nur vier Tage nach Beginn des Ukraine-Krieges hatte das Land einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt, ein Prozess, der normalerweise Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in Anspruch nimmt.

Timmermans sagte, es sei äußerst wichtig, sofort mit dem sogenannten „Heranführungsprozess“ zu beginnen, und der Ukraine bei der Umsetzung verschiedener Reformen und neuer Gesetze zu helfen, die den Weg zum Beitritt ebnen würden. Timmermans wies jedoch darauf hin, dass die Mitgliedschaft nicht möglich sei, solange sich noch russische Soldaten auf ukrainischem Gebiet befänden. „Der Plan ist, sicherzustellen, dass die Ukraine aus diesem Konflikt siegreich, souverän, unabhängig und frei hervorgeht und die Möglichkeit hat, diese Entscheidung selbst zu treffen. Und ich denke, dass die Ukraine dafür kämpft, dass dies geschieht.“

Ukraines Weg in die EU: Erster Meilenstein erreicht

Unterdessen erklärte Matti Maasikas, Botschafter der EU in der Ukraine, Kiew stehe kurz davor, einen Meilenstein bei der Reform seines Gerichtswesens zu erreichen. Das sei ein wichtiger Schritt vor der Aufnahme von Beitrittsgesprächen mit der 27 Mitglieder zählenden Union.

Maasikas begrüßte die für diese Woche erwartete Ernennung von acht neuen Mitgliedern des ukrainischen Obersten Justizrates – ein wichtiges Gremium, das Richter ernennt, entlässt und diszipliniert - als Teil der Justizreform.

Ukraine-Besuche im Krieg – Die Politik zeigt Solidarität

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit den Staats- und Regierungschefs des Europäischen Rates während einer gemeinsamen Pressekonferenz  im März 2022.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (vorne) empfängt im März 2022 hohen Besuch (von links): Jaroslaw Kaczynski (Vize-Ministerpräsident von Polen), Petr Fiala (Ministerpräsident der Tschechischen Republik), Janez Jansa (Verteidigungsminister von Slowenien), Mateusz Morawiecki (Ministerpräsident von Polen) sind zu Gast in Kiew. © imago-images
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha. Flankiert wird sie vom slowakischen Ministerpräsidenten Eduard Heger (links) und dem Hohen Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell (rechts).  © SERGEI SUPINSKY/AFP
Wolodymyr Selenskyj (links) und Karl Nehammer in Kiew am 09. April 2022
Selenskyj traf sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Nehammer für bilaterale Gespräche. © imago
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken. © AFP PHOTO / the Ukrainian Presidential Press Service
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka.
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka. © Jakub Szymczuk/dpa
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj zu treffen.
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj (Mitte) zu treffen (von links): Gitanas Nauseda (Litauen), Andrzej Duda (Polen), Egils Levits (Lettland) und Alar Karis (Estland). © Jakub Szymczuk/Kprp/dpa
Der US-Verteidigungsminister und der US-Außenminister trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew.
Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (links in der Mitte) und der US-Außenminister Anthony Blinken (rechts daneben) trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew. © Ukraine President s Office/imago
Während dem Besuch des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an.
Während des Besuchs des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an. © AFP PHOTO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko in Kiew.
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko (rechts) in Kiew.  © Efrem Lukatsky/dpa
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche.
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche. © Michael Schlick/dpa
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew.
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew. © Pavlo_Bagmut/imago
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem unbekannten Soldaten die Hand schüttelt
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem Soldaten die Hand schüttelt. © SERGEI SUPINSKY/AFP
Die Band U2 signiert eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besucht.
Bono (Mitte) und The Edge (Zweiter von links) von der Band U2 signieren eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besuchen. © SERGEI CHUZAVKOV/AFP
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine.
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine. © Efrem Lukatsky/dpa
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat Mitch McConnell im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew.
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew. © Ukraine Presidency/imago

„Wir erreichen einen Meilenstein bei der Reform des ukrainischen Gerichtssystems, wie es von Partnern, einschließlich der EU, seit Jahren befürwortet und unterstützt wird“, schrieb Maasikas auf Twitter. „Dies ist auch Teil der sieben Empfehlungen, die mit dem Status der Ukraine als EU-Kandidat verbunden sind. Ich bin zuversichtlich, dass die ukrainischen Richter der Situation gewachsen sein werden.“

Die Europäische Kommission, die Exekutive der EU, hat die Reform des Justizwesens zu einer ihrer wichtigsten Voraussetzungen für einen Beitritt der Ukraine zur EU gemacht. (Stefan Krieger)

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