Krieg auf der Krim

Jahrhundertsturm fegt über Krim und macht Russlands Marine zu schaffen

  • schließen

Ein Wintersturm sucht das Schwarze Meer und die von Russland besetzte Krim-Halbinsel heim. Es kommt zu einem schweren Unfall auf See.

Update vom 30. November, 08.20 Uhr: Ein neues Video vom „Jahrhundersturm“ auf dem Schwarzen Meer zeigt dessen ganze Zerstörungskraft. Veröffentlicht wurden die Aufnahmen am Mittwoch (29.11.) auf einem russischsprachigen Telegram-Kanal. Dort zu sehen ist, wie mehrere russische Schiffe unkontrolliert umhertreiben und schließlich zusammenstoßen. Wie durch ein Wunder soll keines der Besatzungsmitglieder verletzt worden sein.

Infolge des Sturms sind nach aktuellen Angaben mindestens drei Menschen gestorben. Auf großen Teilen der Halbinsel ist der Strom ausgefallen, was rund 500.000 Menschen betreffen soll. Der Schaden wurde laut russischen Behörden auf über fünf Millionen Euro geschätzt.

Wintersturm richtet immensen Schaden an Militäreinrichtungen auf der Krim an

Update vom 28. November, 8.18 Uhr: Das Unwetter über dem Schwarzen Meer hatte in der Nacht sowohl an der ukrainischen Küste, als auch auf der Halbinsel Krim großen Schaden angerichtet. Medienberichten zufolge wurden auf der Krim mehrere Menschen verletzt, ein 50-jähriger Mann wurde zudem von den Wellen ins Meer gerissen und ertrank.

Durch die heftigen Wellen, drohen nun Seeminen aus ihren Liegeplätzen im Asowschen Meer und im Schwarzen Meer gerissen zu werden, berichtete die New York Times. Dies sei in der Vergangenheit bereits bei weniger heftigen Stürmen vorgefallen, schrieb die US-Zeitung. Ein russischer Militärblogger sprach hierbei für Gefahren für die Seestreitkräfte beider Parteien, berichtete das US-Institut für Kriegsstudien (ISW).

Daten zur Krim-Halbinsel

Größe27.000 km²
Einwohnerzahl2,35 Millionen
Größte StadtSewastopol

Schwerer Sturm: Jetzt kämpft auch „Bettina“ gegen Putins Armee

Erstmeldung: Simferopol – Wladimir Putin mag vielleicht jetzt gerade an „Waterloo“ erinnert werden; das Gleiche wie diese kleine belgische Gemeinde, in der Napoleon, der Kaiser der Franzosen, sein militärisches Desaster vor den Augen der Welt erlebte, könnte für den Diktator aus Russland die Krim werden. Nicht nur, dass ihm die Verteidiger im Ukraine-Krieg mit ihrer Gegenoffensive die Zähne zeigen, jetzt zieht er auch den Zorn der Naturgewalten auf sich: Newsweek berichtet von hurrikanstarken Winden und zehn Meter hohen Wellen, die gerade in einem Sturm über dem Schwarzen Meer wüten und auf die Küste der Krim-Halbinsel branden. „Bettina“ wird der Sturm wird von Meteorologen genannt.

Der Sturm braust offenbar auch unbarmherzig gegen die russischen Festungsanlagen, mit der Putins Armee sich an diesem Teil des ukrainischen Staatsgebietes völkerrechtswidrig festkrallt und seit fast zehn Jahren besetzt hält. Newsweek zitiert einen Berater des ukrainischen Innenministers, Anton Geraschtschenko, der auf X (vormals Twitter) behauptet hat, der Sturm überschwemme Schützengräben, die die russische Armee an den Stränden ausgehoben hatte. Newsweek: „Nach Informationen von Medien auf der Krim hat das Wasser in Jewpatoria die Verteidigungslinie an der Küste, technische Gebäude und Feuerstellungen weggespült.“ Nach Angaben Moskaus waren fast zwei Millionen Menschen in Russland und den besetzten ukrainischen Gebieten am Montag ohne Strom. Ukrainische Behörden berichteten von Stromausfällen in über 2000 Gemeinden.

Der Wintersturm, der die Krim-Halbinsel heimgesucht hatte, zerstörte in Sewastopol auch das Delfinarium.

Die staatliche russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti schrieb vom „stärksten Sturm seit Beginn der Aufzeichnungen“ auf der Krim. In ukrainischen Medien war sogar von einem „Jahrhundertsturm“ die Rede. 

Prestige-Objekt: Russlands Verluste werden durch „Jahrhundertsturm“ verschärft

Dieser Sturm könnte insofern zum willkommenen Kombattanten der ukrainischen Verteidiger werden und Putins Verluste verschärfen. Beide Gegner sehen in der Krim den Dreh– und Angelpunkt des Ukraine-Krieges, weil die Russen sich seit der Annexion 2014 weigern, die Krim und ihre Hauptstadt Simferopol als ukrainisches Staatsgebiet anzuerkennen und entsprechend autonom zu behandeln. Im Gegenteil haben sie diesen Zeitraum benutzt, um die Krim als ihr Prestige-Objekt zu einer militärischen Festung auszubauen, Flugplätze anzulegen, massive Luftabwehrsysteme zu stationieren und die Schwarzmeer-Flotte von dort aus operieren zu lassen.

Dazu der Militärökonom Marcus Keupp im Interview mit der Tagesschau: „Die Krim ist nicht nur das logistische Zentrum, sie ist auch das militärische Kraftzentrum der ganzen russischen Operation gegen die Ukraine, und deswegen wird sie auch das große Finale des Krieges sein und möglicherweise schneller, als so mancher das erwartet hat.“ Die russischen Bemühungen scheinen das zu belegen: Die Washington Post will die russischen Befestigungsanlagen auf Bildern des Satellitendienstes Maxar genau verortet haben und addiert mehr als 30 Kilometer an Schützengräben auf der Krim.

Nach Angaben russischer Medien hat das Militär mehr als 200 Objekte über die Halbinsel verteilt sein: Luftwaffenstützpunkte, Munitionsdepots, Kasernen. Mehrere Zehntausend Soldaten sind angeblich dort stationiert. Der Hafen von Sewastopol ist der Stützpunkt der russischen Schwarzmeer-Flotte. Überall dort erleidet die russische Invasionsarmee momentan offenbar Verluste ohne Feindeinwirkung. Auf seinem X-Kanal (vormals) Twitter veröffentlicht der Militäranalyst Hi Sutton Bilder von zerstörten Gerüsten und zerstörtem Beton. Das alles könnte militärischen Ursprungs sein. Genauere Informationen zu den Standorten fehlen allerdings, obwohl sich Newsweek in seinem Bericht darauf beruft.

„Festung Krim“: Primärziel der ukrainischen Gegenoffensive

Aktuelle Satellitenbilder von Maxar, die von der Washington Post veröffentlicht wurden, zeigen das ausgedehnte Netz russischer Befestigungsanlagen, die auf der Krimhalbinsel und entlang ihrer Zugänge aus der besetzten Südukraine errichtet werden. Russische Truppen besetzen eine Landbrücke, die sich vom Fluss Dnipro bis zur russischen Grenze erstreckt. Wichtige Landverbindungen verlaufen durch die besetzten Städte Melitopol und Mariupol. Der Korridor ist einer der wenigen greifbaren Erfolge des Kremls im bisherigen Krieg.

Durch die Landenge von Perekop ist die Krim vom Festland getrennt, bildet somit einen neun Kilometer breiten Korridor als Grenze zwischen der Ukraine und der von Russland annektierten Krim entlang der südlichen Grenze des Verwaltungsgebiets Cherson. Russland hat diese Landverbindungen durch einen soliden Metallzaum von 50 Kilometern Länge und mehr als zwei Metern Höhe durchtrennt. Nur zwei Straßen – die Autobahnen M17 und M18 – führen von Norden auf die Krim. Die westliche M17 ist jetzt von russischen Schützengräben und Befestigungen gesäumt, während die östliche M18 durch die Zerstörung einer einzigen Brücke effektiv geschlossen werden kann.

Trotzig im Sturm steht weiterhin die Krim-Brücke, auf die der russische Inlandsgeheimdienst seine Aktivitäten zu konzentrieren scheint. Vasyl Maliuk sieht die Krim-Brücke bereits in Schutt und Asche aufgehen und droht Russland entsprechend unumwunden. Ohne Krim-Brücke wäre der Lebensnerv von Wladimir Putins Invasionsarmee durchtrennt und möglicherweise der Ukraine-Krieg damit tatsächlich entschieden. Wie der Focus berichtet, hat Maliuk als Chef des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU in einer Fernseh-Dokumentation klipp und klar geäußert, Russlands unbeschränkter Zugang zur Halbinsel sei künftig „zum Scheitern verurteilt“; neue Angriffe durch die Ukraine stünden unmittelbar bevor. Letztendlich sei die Brücke nach seinen Worten „dem Untergang geweiht“. Sie wäre dann auch der größte Verlust Moskaus imperialistischem Auftritt vor der Weltöffentlichkeit.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Milliardengrab: Die Krim wird Putins „Waterloo“

Der Sturm über der Krim könnte das Imperium Russlands mit seinem dortigen wagemutigen Engagement tatsächlich Kopf und Kragen kosten. Wie der Spiegel bereits kurz nach der Annexion der Krim spekuliert hatte, koste die Halbinsel den Kreml „etwa sechs bis sieben Milliarden Dollar (5,5 bis 6,5 Milliarden Euro) pro Jahr“. Der Spiegel veröffentlichte damit die Einschätzung des ehemaligen russischen Finanzministers Alexej Kudrin, der diese Summe aus dem stagnierten Welthandel und dem Verfall des Rubels addiert hat. Obendrauf kämen laut Kudrin indirekte Kosten wie Verluste durch Kapitalflucht oder durch den Vertrauensverlust bei Investoren. Diese könnten sich in den nächsten drei bis vier Jahren auf bis zu 200 Milliarden Euro summieren – das war 2015. Inzwischen hat Putin noch dazu eine Armee aufmarschieren lassen und einen Feuersturm entfacht.

Indem er die Invasoren schon allein finanziell empfindlich trifft, könnte „Jahrhundertsturm“ „Bettina“ den Ukrainer also in die Karten spielen. Nach dem Sturm wäre interessant zu wissen, welche Ressourcen Wladimir Putin zur Wiederherstellung des Status Quo aufwenden müsste, wie Claudia Major, Sicherheitsexpertin der Stiftung Wissenschaft und Politik, der ARD-„Tagesschau“ erklärte – als wäre dieser Sturm ein Puzzle-Teil einer ausgeklügelten Strategie der Ukraine: „Wir sehen ein akribisches, systematisches Vorgehen, das darauf abzielt, die Krim für Russland unhaltbar zu machen“, analysierte die Politikwissenschaftlerin. Major weiter: „In Kombination mit den Angriffen auf die Kertsch-Brücke und anderen Zugängen auf die Krim, ist das wirklich das Ziel: Die Krim unhaltbar zu machen und langfristig Russland dazu zu bringen, sie aufzugeben.“

Die Verwüstungen der Festung könnten dazu beigetragen und Wladimir Putin näher an sein „Waterloo“ herangeführt haben. (Karsten Hinzmann)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sergei Malgavko

Kommentare