Ukraine hofft auf Trumps Unterstützung - auch durch lukrative Abkommen
VonNadja Orth
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Bedeutet Donald Trump nach seiner Amtseinsetzung im Januar einen Vorteil oder den Kollaps für die Ukraine? Kiew wagt eine erste hoffnungsvolle Perspektive.
Kiew - Wenn die Ukraine den Krieg gegen Russland nicht verlieren will, muss der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wohl oder übel den künftigen US-Präsidenten Donald Trump auf seine Seite gewinnen. Führungskräfte in der Politik und Wirtschaft sollen derzeit überlegen, wie man Trump davon überzeugen könne, durch eine finanzielle Unterstützung der Ukraine auch einen Vorteil für seine eigenen Ziele für die USA zu gewinnen. Gleichzeitig habe man die wage Hoffnung, dass der Republikaner sogar schneller und entschlossener als Biden handeln könnte.
Trump war zuletzt immer stärker der Meinung, dass der Ukraine-Krieg die US-Steuerzahlenden zu viel Geld koste und deshalb schnell beendet werden müsse. Seine Wortwahl lässt derzeit viele vermuten, dass er im Falle eines Wahlsiegs die Gelder für die Ukraine kürzen und mit territorialen Konzessionen an Russland zu Lasten der Ukraine liebäugeln könnte. Bislang gilt die USA weiterhin als größter finanzieller Unterstützer, gefolgt von Deutschland.
Wie Kiew Donald Trump aus wirtschaftlicher und geopolitischer Sicht für mehr Unterstützung überzeugen will
Laut Informationen der Washington Post äußern ukrainische Beamte aber auch „ihre Frustration über die langsame Bereitstellung der Hilfe durch die Regierung Biden“. Viele Ukrainer würden deshalb Trumps jüngste negative Äußerungen ignorieren und sich stattdessen auf die Tatsache konzentrieren, dass Trump der erste US-Regierungschef war, der direkt tödliche Waffen an die Ukraine verkauft hatte. Die Lieferung von Javelin-Raketen - schultergestützte Panzerabwehrwaffen - trugen kurz nach Kriegsbeginn Anfang 2022 dazu bei, die Einnahme der ukrainischen Hauptstadt durch die russischen Streitkräfte zu verhindern.
Kiew hoffe deshalb, Trump nach seinem Amtsantritt am 20. Januar 2025 für die ukrainische Seite gewinnen und sich als „kosteneffiziente wirtschaftliche und geostrategische Chance“ verkaufen zu können, die letztlich die USA und ihre Interessen bereichern und sichern wird. Teil diesen Plans sollen unter anderem lukrative Geschäftsmöglichkeiten für US-Unternehmen sein.
So könnte zum Beispiel die ukrainische Erdgasspeicher, die größten in Europa, ebenso für die USA interessant sein wie der Abbau von Mineralien im Land, einschließlich Lithium. Lithium gilt als potenziell wegweisend für die Mikrochip- und Elektroautoindustrie. Dadurch könnte es auch für Elon Musk und sein Elektroautounternehmen Bedeutung gewinnen.
Trump ist „unberechenbar“ - das könnte laut ukrainischen Ex-Außenminister auch von Vorteil sein
Worte der Hoffnung kamen der Washington Post zufolge zuletzt zum Beispiel von Dmytro Kuleba, der bis September Außenminister der Ukraine war. „Die ersten Waffen, die die Ukraine von den Vereinigten Staaten erhalten hat, kamen von einem Präsidenten, der die Ukraine hasst“, wird er zitiert. Das zeige, dass Trumps Präsidentschaft trotz seiner Unberechenbarkeit eine Ära des positiven Wandels für die Ukraine einläuten könnte.
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Um Trumps Unterstützung zu gewinnen, müsse Kiew dieses Mal ähnliche „Situationen schaffen, in denen die Unterstützung der Ukraine eine Projektion von Trumps Stärken ist“, so Kuleba. „Wenn es sein Ziel ist, Stärke zu demonstrieren und zu sagen: ‚Ich bin besser als Biden, Biden hat versagt und ich habe [den Krieg] beendet‘, dann ist der Ausverkauf der Ukraine nicht der richtige Weg.“
Trump soll überzeugt werden, dass die USA Russlands militärisches Potenzial „vollständig zunichte“ machen kann
Auch Mykhailo Podolyak, ein Berater des ukrainischen Präsidialamtes, sagte der Zeitung zufolge, es liege an Kiew, Trump den politischen Pragmatismus hinter der Unterstützung der Ukraine zu erklären: „Wir müssen die Vertreter der Trump-Administration und Herrn Trump selbst mit den umfassendsten Informationen über die Logik des Prozesses versorgen“, wird der Berater zitiert. „Sie geben heute eine kleine Menge Geld aus, um die Ukraine zu unterstützen - für Waffen, Finanzen und so weiter - und investieren und produzieren. Sie machen Russlands militärisches Potenzial vollständig zunichte, und danach dominieren sie.“
Inwiefern Donald Trump in den Krieg eingreift und die Hoffnung der Ukrainer „erhört“, bleibt bis zu seinen ersten Amtshandlungen im Januar ungewiss. Er vertritt weiterhin die Ansicht, dass der Konflikt so schnell wie möglich „beendet werden muss“, betonte auch der designierte Sicherheitsberater des künftigen US-Präsidenten Trump, Mike Waltz, in einem Interview mit dem Sender Fox News am Sonntag (24. November).
„Wir müssen darüber sprechen, wer an diesem Tisch sitzt, ob es sich um ein Abkommen, einen Waffenstillstand handelt, wie wir beide Seiten an den Tisch bekommen und was der Rahmen für ein Abkommen ist“, sagte Waltz weiter. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit Blick auf eine Friedenslösung bereits ausgeschlossen, Gebiete an Russland abzutreten. (nz mit afp)