Ukraine-Konflikt

Österreichs Kanzler berichtet von dramatischem Selenskyj-Telefonat: „Weiß nicht, wie lange er noch am Leben ist“

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Der ukrainische Präsident Selenskyj befürchtet Schlimmes. In einem Telefonat mit Österreichs Bundeskanzler Nehammer fand er deutliche Worte. Der Ukraine-Konflikt eskaliert.

Kiew/Wien - Explosionen in der Ukraine, russische Panzer und Luftangriffe: Die Lage in dem Ukraine-Konflikt* eskaliert. Präsident Wolodymyr Selenskyj verkündete den Kriegszustand, die diplomatischen Beziehungen zu Russland sind auf Eis gelegt. Indes zeigten erste Bilder von Menschen in Kiew, die die Flucht ergreifen. Die Zahl der Toten steigt - auf beiden Seiten. Während der Westen sein Entsetzen über Russlands Angriff auf die Ukraine ausdrückte und die EU harte Sanktionen verabschieden will, fürchtet die Ukraine Österreichs Bundeskanzler Nehammer (ÖVP) zufolge um ihre Existenz als Staat.

Nach Russlands Angriff auf Ukraine: Nehammer schildert Telefonat mit Selenskyj

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schilderte Nehammer den Inhalt eines kurz zuvor geführten Telefonats mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

„Der ukrainische Präsident hat mit den Worten begonnen, er meldet sich aus einem Land, wo er nicht mehr weiß, wie lange es besteht, und er meldet sich als Präsident, ohne zu wissen, wie lange er noch am Leben ist“, sagte Nehammer. Eine ähnliche düstere Prognose äußerte ein Militärexperte.

Selenskyj habe „uns unmittelbar davon in Kenntnis gesetzt, dass es schwere Kampfhandlungen auf dem Gebiet der Ukraine gibt“, sagte Nehammer bei einem Besuch von Söder. Es gebe viele Verletzte und Tote. Der ukrainische Präsident „ersucht Europa und die Welt um Hilfe und fürchtet um die Existenz seines Landes“, sagte Nehammer.

Ukraine-Konflikt: Nehammer beabsichtigt „zusätzliche harte Sanktionen gegen Russland“

Nehammer kündigte indes harte Strafmaßnahmen gegen Russland an: „Beim heutigen Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs werden wir zusätzliche harte Sanktionen gegen Russland verhängen und weitere Unterstützungsleistungen für die Ukraine vereinbaren.“

Krieg in der Ukraine: Österreichs Kanzler wirft Russland Bruch des Völkerrechts vor

Der österreichische Kanzler wirft Russland einen Bruch des Völkerrechts vor. So beanspruche Moskau nicht die Stärke des Rechts, sondern das Recht des Stärkeren. Österreich lehne dies als neutrales Land innerhalb der Europäischen Union zutiefst ab. Des Weiteren betonte Nehammer in Bezug auf den Ukraine-Konflikt, dass ein einheitliches Vorgehen der Europäer mit Sanktionen nun wichtig sei. Gleichzeitig dürfe jedoch auch der Gesprächsfaden nicht abreißen. „In einer Zeit des Todes - und das ist Krieg - sprechen leider vielmehr die Waffen als die Diplomaten. Das muss man umkehren“, sagte Nehammer. (mbr mit dpa und afp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Uncredited/Ukrainian Presidential Press Office via AP/dpa

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