Ukraine-Krieg

AfD-Politiker planen Reise in von Russland besetzte Ostukraine – FDP spricht von „Landesverrat“

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AfD-Abgeordnete planen eine Reise in die von Russland besetzte Ostukraine. (Archivbild)
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Derzeit sind AfD-Abgeordnete zu Besuch in Russland, danach soll es in die besetzte Ostukraine gehen. Die FDP übt scharfe Kritik.

Berlin/Kiew – Im Zuge des Ukraine-Krieges bereisten deutsche Politiker:innen die Ukraine. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) besuchte das Land als erstes deutsches Kabinettsmitglied, auch CDU-Chef Friedrich Merz zeigte seine Solidarität bei einem Besuch mit Wladimir und Vitali Klitschko in Kiew.

Nun will auch die AfD in die Ukraine reisen, allerdings in von Russland besetzte Gebiete. Derzeit bereisen mehrere Abgeordnete der Rechtsaußen-Partei eigenen Angaben zufolge Russland – das Land, das den Angriffskrieg gegen sein Nachbarland im Februar gestartet hat.

Ukraine-Krieg: AfD-Abgeordnete planen Besuch in der Ostukraine

Geplant sei „ein Besuch der Ostukraine“, teilte die AfD-Fraktion im sachsen-anhaltischen Landtag am Montag (19. September) mit. Im Osten der Ukraine sind große Teile von Russland besetzt. Zur Reisegruppe gehören die Landtagsabgeordneten Daniel Wald und Hans-Thomas Tillschneider, hieß es. Aber auch der nordrhein-westfälische AfD-Abgeordnete Christian Blex will offenbar in die Ostukraine reisen.

Ukraine-Besuche im Krieg – Die Politik zeigt Solidarität

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit den Staats- und Regierungschefs des Europäischen Rates während einer gemeinsamen Pressekonferenz  im März 2022.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (vorne) empfängt im März 2022 hohen Besuch (von links): Jaroslaw Kaczynski (Vize-Ministerpräsident von Polen), Petr Fiala (Ministerpräsident der Tschechischen Republik), Janez Jansa (Verteidigungsminister von Slowenien), Mateusz Morawiecki (Ministerpräsident von Polen) sind zu Gast in Kiew. © imago-images
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha. Flankiert wird sie vom slowakischen Ministerpräsidenten Eduard Heger (links) und dem Hohen Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell (rechts).  © SERGEI SUPINSKY/AFP
Wolodymyr Selenskyj (links) und Karl Nehammer in Kiew am 09. April 2022
Selenskyj traf sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Nehammer für bilaterale Gespräche. © imago
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken. © AFP PHOTO / the Ukrainian Presidential Press Service
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka.
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka. © Jakub Szymczuk/dpa
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj zu treffen.
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj (Mitte) zu treffen (von links): Gitanas Nauseda (Litauen), Andrzej Duda (Polen), Egils Levits (Lettland) und Alar Karis (Estland). © Jakub Szymczuk/Kprp/dpa
Der US-Verteidigungsminister und der US-Außenminister trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew.
Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (links in der Mitte) und der US-Außenminister Anthony Blinken (rechts daneben) trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew. © Ukraine President s Office/imago
Während dem Besuch des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an.
Während des Besuchs des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an. © AFP PHOTO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko in Kiew.
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko (rechts) in Kiew.  © Efrem Lukatsky/dpa
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche.
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche. © Michael Schlick/dpa
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew.
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew. © Pavlo_Bagmut/imago
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem unbekannten Soldaten die Hand schüttelt
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem Soldaten die Hand schüttelt. © SERGEI SUPINSKY/AFP
Die Band U2 signiert eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besucht.
Bono (Mitte) und The Edge (Zweiter von links) von der Band U2 signieren eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besuchen. © SERGEI CHUZAVKOV/AFP
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine.
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine. © Efrem Lukatsky/dpa
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat Mitch McConnell im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew.
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew. © Ukraine Presidency/imago

„Angesichts verzerrter und parteiischer Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt wollen wir uns ein eigenes Bild von der Lage machen und die humanitäre Situation begutachten“, schrieb Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender AfD-Vorsitzender in Sachsen-Anhalt, beim Kurznachrichtendienst Twitter. Die Berichterstattung westlicher Medien sei „höchst einseitig und lückenhaft, was die humanitäre Situation der Menschen in der Donbass-Region betrifft“, so Blex bei Telegram. Daniel Wald zufolge handele es sich um eine „harmlose Delegationsreise nach Russland und in die Ostukraine“.

Ukraine-Krieg: Melnyk kritisiert Reise von AfD-Politikern scharf

Andrij Melnyk, der scheidende ukrainische Botschafter in Deutschland, warf den AfD-Politikern vor, mit dem Besuch in die von Russland besetzten Gebiete den russischen „Vernichtungskrieg zu unterstützen“, hieß es in einem Tweet. Melnyk zufolge gehören noch weitere nordrhein-westfälische AfD-Abgeordnete zur Reisegruppe. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte am Montag auf Anfrage des Tagesspiegel, dass man keine Information über die Reise habe.

Die AfD-Abgeordneten würden unter dem Schutz des russischen Militärs den Donbass besuchen, schrieb die US-amerikanische Nicht-Regierungsorganisation Robert Lansing Institute in einem Bericht. „Dieser Besuch hat die Aufgabe, das russische Verständnis der Situation im Donbass zu fördern, wobei die ukrainische Armee diskreditiert und die humanitären Bemühungen Russlands hervorgehoben werden“, hieß es.

Ukraine-Krieg: FDP-Sprecher wirft AfD „Landesverrat“ vor

Auch vonseiten der Ampel-Parteien gab es Kritik an der geplanten Reise. Tobias Haver, Pressesprecher der FDP-Fraktion in NRW, warf der AfD „Landesverrat“ vor. „Wenn Abgeordnete der AfD wirklich in die von Russen besetzten Gebiete der Ukraine reisen (wollen), um sich dort russlandtreu ablichten und feiern zu lassen, dann ist das nicht nur moralisch die unterste Schublade, sondern es ist Landesverrat“, schrieb Haver bei Twitter.

Nach Recherchen des MDR zählten Tillschneider, Wald und Blex zum ehemaligen „Flügel“ der Partei, der sich um den Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke gruppierte. Tillschneider hatte wiederholt die ukrainische Regierung kritisiert und deutsche Waffenlieferung verurteilt. Bereits vor der russischen Invasion im Februar hat die AfD ihre Beziehung nach Russland gepflegt und die Föderation, aber auch die annektierte Krim besucht. 2018 bereiste Blex mit weiteren AfD-Landtagsabgeordneten die Halbinsel. (kas/dpa)

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