VonAndreas Apetzschließen
Ein ukrainischer Kommandant geht davon aus, dass Russland mit chemischen Waffen kämpft. Mehrere Soldaten sollen vergiftet worden sein.
Bachmut – Russland soll im Ukraine-Krieg chemische Waffen eingesetzt haben. Das behauptete ein Sprecher der ukrainischen Verteidigungskräfte. Ihm zufolge haben mehreren Soldaten nach einem Artillerieangriff in der Donbass-Region bei Bachmut Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und in einigen Fällen auch Bewusstlosigkeit gezeigt.
„Bei ihrem Artilleriebeschuss nutzen sie eine Chemiewaffe namens Lewisit“, bezichtigte den Oberst der ukrainischen Verteidigungskräfte, Oleksij Dmytraschkiwski, die russischen Streitkräfte in einer Videobotschaft vom Dienstag, wie die Kyiv Post berichtet.
Ukraine rechnet schon lange mit russischem Chemiewaffenangriff
Dass russischen Truppen die Chemiewaffe Lewisit eingesetzt haben, sei bisher nur eine vorläufige Annahme. Die Identifizierung der chemischen Substanz durch ein Expertenteam stehe noch aus, sagte Dmytraschkiwski. Ein möglicher Einsatz von Chemiewaffen überrasche die Soldaten der Ukraine aber nicht. Man habe sich seit dem Einmarsch der russischen Armee auf den Umgang mit Chemiewaffenangriffe vorbereitet, schrieb die Kyiv Post und berief sich dabei auf ein Gespräch mit einem ukrainischen Reservisten.
Schon häufiger wurde über den russischen Einsatz von Chemiewaffen im Ukraine-Krieg spekuliert. Deren Einsatz ist allerdings seit der Verabschiedung der Chemiewaffenkonvention der UN im Jahr 1997 offiziell verboten. Doch je weiter Russland in die Enge getrieben wird, desto rigoroser könnten auch die russischen Kriegshandlungen werden. Experten befürchten, dass Präsident Wladimir Putin in einer ausweglosen Situation durchaus zu chemischen Waffen greifen könnte.
Bereits im März 2022 hatte Russland der Ukraine den Einsatz von US-Massenvernichtungswaffen vorgeworfen. Dabei sollte es sich laut russischer Führung um ein militärisch-biologisches Programm des Pentagon handeln. Zudem hieß es, in der Ukraine sein ein Netzwerk von Bio-Laboren aufgebaut worden, die im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums arbeiteten.
Beobachter warfen Putin vor, gezielt Falschmeldungen zu verbreiten, um den eigenen Einsatz von Chemie- und Biowaffen zu legitimieren. US-Präsident Joe Biden sprach damals von einem „klaren Zeichen“, dass Russland „den Einsatz beider Waffen in Erwägung zieht“.
Chemiewaffen im Ukraine-Krieg: Was ist Lewisit?
Die Ukraine wirft Russland den Einsatz von Lewisit vor, doch um welche Art chemischer Waffe handelt es sich dabei? Lewisit ist eine chlorhaltige organische Arsenverbindung, die zum ersten Mal während des Ersten Weltkrieges für militärische Zwecke verwendet wurde. Die chemische Substanz kann über Haut, Atemwege und Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, schreiben die Experten der National Library of Medicine.
Sie verursacht schwere Verbrennungen und Blasenbildung auf der Haut, ähnlich wie bei starken Verätzungen. Das Einatmen oder Einwirkung auf die Augen führt zu Atemwegsreizungen, Sehstörungen sowie weiteren langfristigen Schäden. Lewisit ist in der Lage, Schutzkleidung zu durchdringen, wodurch selbst bei angemessener Ausrüstung und Vorsichtsmaßnahmen Gefahr besteht.
Darüber hinaus besitzt Lewisit eine hohe Toxizität, was zu schweren Gewebeschäden führen kann. Die Symptome bei direktem Kontakt können Rötung, Schwellung, Blasenbildung, Schmerzen, Atembeschwerden, Husten, Übelkeit, Erbrechen und sogar innere Verletzungen umfassen. (aa)
