VonAlexander Eser-Rupertischließen
Die Dynamik steigender Lebensmittelpreise wird durch den Ukraine-Krieg weiter befördert. Insbesondere drei Rohstoffe sind davon betroffen.
Berlin – Zuletzt warnte das ifo-Institut vor drastisch steigenden Preisen bei Lebensmitteln. Das war allerdings zu einem Zeitpunkt, zu dem in der Ukraine noch kein Krieg ausgebrochen war. Mit Ausbruch des Krieges verschärft sich der ohnehin vorhandene Aufwärtstrend bei Lebensmittelpreisen weiter. Besonders bei drei Rohstoffen drohen kriegsbedingte Versorgungsengpässe und Preissteigerungen.
Ukraine-Krieg sorgt für steigende Preise bei Lebensmitteln – Gerste, Weizen und Mais besonders betroffen
Der Ukraine-Krieg befördert auch die Preisdynamik bei Preisen für Lebensmittel. Besonders betroffen davon sind die Rohstoffe Gerste, Weizen und Mais. Nach Angaben des Neuen Deutschland warnt der Branchendienst „Agrar heute“ speziell bei diesen Produkten vor den Kriegsauswirkungen, Grund hierfür ist die enorme Bedeutung Russlands und der Ukraine auf diesen Märkten. In Russland und der Ukraine wird über ein Drittel der globalen Ernte an Weizen erwirtschaftet. Sanktionen gegen Russland und absehbare Exportschwierigkeiten der Ukraine können in absehbarer Zeit zu globalen Versorgungsengpässen führen.
Schon jetzt kostet eine Tonne Weizen an der Börse nach Angaben des Neuen Deutschland etwa ein Drittel mehr als noch vor einem Monat. Zwar liegt die Produktion an Weizen in Deutschland über dem Verbrauch im Landesinneren, einer globalen Dynamik in der Preisentwicklung kann sich allerdings auch der deutsche Markt nicht entziehen. In der Ukraine ist aufgrund der aktuellen Situation mit einem massiven Einbruch der Produktion und Exportfähigkeit zu rechnen.
Ukraine-Krieg und Lebensmittelpreise: Krieg sorgt auch bei anderen Produkten für steigende Preise
Wenngleich Weizen, Gerste und Mais besonders stark betroffen sind von drohenden Preisanstiegen, treffen die Kriegsfolgen nicht nur sie: Auch für andere Produkte wird man im Supermarkt in Zukunft tiefer in die Tasche greifen müssen. Dazu gehören etwa Reis, Speiseöl, Marmelade, Schokolade und Senf, wie Focus Online berichtet. Auch Raps, Soja und Senfsaat gehören neben Weizen zum Portfolio ukrainischer Exportgüter. Die Preise für Lebensmittel steigen durch den Ukraine-Krieg in mehreren Bereichen.
Problematisch sind höhere Lebensmittelpreise vor allem für Haushalte mit geringen Einkommen, etwa bei Hartz IV. Mit den aktuellen Regelsätzen 2022 bleibt ihnen ohnehin kaum etwas für Nahrung. So hat ein Erwachsener unter dem ALG-II etwa fünf Euro für drei Mahlzeiten zur Verfügung. Gesunde Ernährung ist davon kaum möglich, erst Recht nicht in Anbetracht noch weiter steigender Preise. Für die gesunde Ernährung von Kindern reicht das Geld auch mit dem beschlossenen Kinderzuschuss bei weitem nicht aus.
Preise für Lebensmittel steigen: Inflation und Ukraine-Krieg
Schon vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs hatte das ifo-Institut vor steigenden Preisen für Lebensmittel gewarnt. Das Institut befürchtete Preisanstiege von bis zu sieben Prozent in diesem Jahr. Die Welt am Sonntag hatte berichtet, dass über zwei Drittel der Nahrungsmittelhersteller Preisanhebungen planten. Der Konjunkturchef des ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser, hatte dahingehend gesagt: „Somit dürften die Nahrungsmittelpreise in diesem Jahr ein maßgeblicher Inflationstreiber werden.“
Auch im Bereich der Lebensmittelpreise sorgt der Ukraine-Krieg für eine Zuspitzung. Wie drastisch diese sein wird, ist Stand jetzt noch schwer zu sagen, jedoch verschärft der Krieg ohnehin vorhandene Tendenzen in der Preisentwicklung von Lebensmitteln. Während die Probleme in Deutschland im globalen Vergleich voraussichtlich noch verhältnismäßig gut abgefangen werden können, drohen in anderen Weltregionen Hunger-Krisen. Besonders unter der ärmeren Bevölkerung kennt der Krieg nur Verlierer. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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