Offenbar Explosionen in Sewastopol

Drohnen-Krieg: Ukraine fährt offenbar nächsten Krim-Angriff - Vorbereitungen für Evakuierung?

  • schließen

Zwischen Kiew, Odessa und der Krim: Im Ukraine-Krieg greifen sich beide Seiten mit Drohnen und Raketen an. Die russische Schwarzmeerflotte gerät ins Visier.

München/Kiew/Sewastopol - Sind das Vorboten für einen Angriff der ukrainischen Streitkräfte auf die Krim? Auch an diesem Mittwoch (22. März) soll es wieder Attacken mit Drohnen auf die russische Schwarzmeerflotte auf der Halbinsel im Schwarzen Meer gegeben haben.

Halbinsel Krim: Ukrainische Streitkräfte greifen wiederholt russische Schwarzmeerflotte an

Das sollen Videos bei Twitter zeigen, die sich jedoch nicht verifizieren lassen. Ebenso lässt sich in den Wirren des Ukraine-Kriegs nicht unabhängig überprüfen, ob Berichte stimmen, wonach Radio-Sender auf der Krim die Bewohner dazu aufrufen, „Notfallkoffer zu packen“ und „Lebensmittel-Rationen“ anzulegen. Und, dass eine Evakuierung russischer Bürger auf das Festland jederzeit bevorstehen könnte.

So bezeichnete Russland den Aufruf zur Evakuierung als „Unsinn“. Auf der Krim und in Sewastopol sei vielmehr das Signal mehrerer Radiosender gehackt und dadurch falsche Informationen verbreitet worden, sagte der Gouverneur von Sewastopol, Mikhail Razvozhaev, der Nachrichtenagentur Interfax. Eine unabhängige Bestätigung für die Aussage gab es aber dazu auch nicht.

Zu beobachten ist jedenfalls: Die Drohnenangriffe nehmen auf beiden Seiten an Schärfe zu. Am Montag hatte der ukrainische Generalstab vermeldet, dass es angeblich gelungen sei, russische Raketen zu zerstören, die für die russische Schwarzmeerflotte bestimmt gewesen seien. Die Krim werde auf die „De-Okkupation“ vorbereitet, hieß es aus Kiew.

Schwer befestigt: Der Militärhafen der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim, im Vordergrund schwimmt die Raketenkorvette „Samum“. (Archivfoto)

Halbinsel Krim: Russland bestätigt Angriff auf Schwarzmeerflotte

Russland bestätigte wiederum einen weiteren Angriff auf die Schwarzmeerflotte in der Nacht auf Dienstag. Behördenangaben zufolge hat die Flugabwehr angeblich drei Drohnen der ukrainischen Seite abgeschossen. Auch Matrosen hätten in der Bucht der Hafenstadt auf die Drohnen gefeuert, teilte Gouverneur Michail Raswoschajew bei Telegram mit. Verletzte gebe es keine. Laut Raswoschajew seien auch keine Kriegsschiffe getroffen worden.

Immer wieder hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigt, dass die Ukraine auch die Krim zurückerobern wolle. Um ihre Souveränität in den Grenzen vor 2014 wiederherzustellen. Zur Einordnung: Nikita Chruschtschow, als Erster Sekretär der KPdSU damals der mächtigste Politiker der Sowjetunion, hatte die Krim 1954 der ukrainischen Sowjetrepublik geschenkt. Zuvor war die Halbinsel dagegen russisch geprägt.

Angriff über das Schwarze Meer auf die Krim? Ukraine forciert Attacken auf Sewastopol

Wäre ein Angriff über das Schwarze Meer auf die Krim indes wirklich möglich? Anfang Februar hatte der ukrainische Innenminister Ihor Klymenko erklärt, dass die Ukraine angeblich Angriffsbrigaden bilde, die aus Polizei sowie Grenzschutz-Einheiten bestünden und das Ziel hätten, „unsere Gebiete zu befreien und international anerkannte Grenzen zu erreichen“.

International wird die Krim meist als ukrainisches Staatsgebiet anerkannt, 2014 völkerrechtswidrig annektiert durch den Einmarsch der sogenannten „grünen Männchen“ ohne Hoheitsabzeichen, bei denen es sich letztlich um russische Soldaten gehandelt hatte. Derweil gehen auch die Bombardements der russischen Streitkräfte unvermindert weiter.

Ukraine-Krieg: Russische Kampfjets bombardieren Odessa

So sollen russische Kampfjets am Dienstagabend die ukrainische Hafenstadt Odessa beschossen haben. Das berichtete The Kyiv Independent mit Verweis auf das ukrainische Präsidentenbüro. Die Flugzeuge hätten vier Kh-59-Raketen auf die Stadt abgefeuert. Die ukrainische Luftverteidigung habe zwei Flugkörper abgefangen, zwei Raketen hätten jedoch ein dreistöckiges Wohnhaus getroffen. Es habe mehrere Verletzte gegeben, hieß es aus Kiew.

Nach all dem gestrigen Gerede in Moskau machen mehr russische Raketen und mehr Drohnenangriffe auf Zivilisten über Nacht deutlich, wie sehr Präsident Putin an einem gerechten Frieden interessiert ist.

Bridget A. Brink, amerikanische Botschafterin für die Ukraine

„Über 20 mörderische iranische Drohnen, dazu Raketen, zahlreiche Granaten, und das alles in einer letzten Nacht des russischen Terrors gegen die Ukraine. Jedes Mal, wenn jemand versucht, in Moskau das Wort Frieden zu hören, wird dort ein weiterer Befehl für solch kriminellen Schläge erteilt“, teilte das Präsidentenbüro Selenskyjs bei Twitter mit. Laut Nachrichtenportal Ukrainska Pravda wurden ferner bei einem Raketenangriff auf die Kleinstadt Rschyschtschiw südlich von Kiew drei Menschen getötet und zwei weitere verletzt. Vier Verschüttete wurden demnach am Dienstagvormittag noch unter den Trümmern eines eingestürzten Wohnhauses gesucht.

Bombardements auf die Ukraine: US-Botschafterin Brinks kritisiert Moskau

Die amerikanische Botschafterin für die Ukraine, Bridget A. Brinks, übte auch deshalb schwere Kritik am Kreml-Regime, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag den chinesischen Staatschef Xi Jinping empfangen hatte, angeblich, um mit diesem auch über Möglichkeiten für einen Frieden zu beraten. Brink schrieb bei Twitter: „Nach all dem gestrigen Gerede in Moskau machen mehr russische Raketen und mehr Drohnenangriffe auf Zivilisten über Nacht deutlich, wie sehr Präsident Putin an einem gerechten Frieden oder einem Ende des von ihm begonnenen Krieges interessiert ist.“ (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ITAR-TASS

Kommentare