VonJens Kiffmeierschließen
Warnung vor einem Flächenbrand: Russlands Ex-Regierungschef hat vor einer Niederlage der Ukraine gewarnt. Das könnte Putin zu weiteren Angriffen anstacheln.
Moskau – Düstere Prognose eines Kremlkenners: Der ehemalige russische Ministerpräsident Michail Kasjanow hat eindringlich vor einer Ausweitung des Ukraine-Krieges gewarnt. Eine Niederlage der Verteidiger könne fatale Auswirkungen haben – vor allem für die baltischen Staaten. Sie wären dann „als Nächstes dran“, sagte der 64-Jährige, der einst unter Wladimir Putin diente und heute im Exil lebt, der Nachrichtenagentur AFP. Vom Westen erhofft sich der Oppositionelle deswegen eine klare Kante gegen den Kremlchef.
Ukraine-Krieg: Michail Kasjanow warnt vor Ausweitung des Konflikts – Keine Zugeständnisse an Putin
In der Politik des Westens herrscht derzeit aber Uneinigkeit über das Vorgehen. Während der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron unbedingt einen Gesprächskanal zu Russlands Präsidenten offenhalten wollen, fordern die baltischen Staaten eine vollständige Isolation von Putin wegen des Ukraine-Kriegs. Mit der massiven Lieferung von schweren Waffen wollen sie der Ukraine zum Sieg gegen die russischen Invasoren verhelfen.
Aus Sicht von Kasjanow ist das der richtige Weg. Ein europäischer Flächenbrand ließe sich nur verhindern, in dem Putin keine Zugeständnisse gemacht werden würden. Eine oftmals diskutierte Friedenslösung, wonach die Ukraine die von Russland beanspruchten östlichen Gebiete abtreten und damit den Krieg beenden könnte, bezeichnete der Oppositionelle als kontraproduktiv. „Was hat Putin getan, um das zu verdienen?“, fragte er. „Ich halte das für falsch und hoffe, dass der Westen diesen Weg nicht beschreitet.“
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Kasjanow war von 2000 bis 2004 Ministerpräsident in der ersten Amtszeit von Präsident Putin. Nach seiner Entlassung ging er in die Opposition und entwickelte sich zum Kremlkritiker. Er galt als Vertrauter des 2015 ermordeten Oppositionspolitikers Boris Nemzow. Seit dem Angriff auf die Ukraine lebt Kasjanow im Exil. Jedoch hofft er, dass sich die Opposition vereinen und Russland zurück zu einem demokratischen System führen könne, wie er der AFP sagte. Es sei nicht ausgeschlossen, so der 64-Jährige, dass Putin in nächster Zeit vielleicht doch von den Geheimdiensten verdrängt und durch einen „Quasi-Nachfolger“ ersetzt werden könnte.
Rubriklistenbild: © Yury Kochetkov/dpa

