Sabotageakte zeigen wohl Wirkung

Ukraine erwartet mehr Explosionen in Russland – Brisanter Bericht zu CIA-Beteiligung

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Der ukrainische Militärgeheimdienst-Chef rechnet mit weiteren Angriffen auf russischem Gebiet. Die Sabotageakte entfalten offenbar ihre Wirkung.

Kiew – Zehn Monate nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs scheint auch das russische Staatsgebiet endgültig nicht mehr sicher vor Angriffen zu sein. Beschränkten sich die Kampfhandlungen und Angriffe in den ersten Kriegsmonaten noch ausschließlich auf das Staatsgebiet der Ukraine, werden nun vermehrt Explosionen und ähnliche Vorfälle aus Russland gemeldet. Zuletzt berichteten ukrainische Medien am 29. Dezember von mehreren Explosionen auf Flugplätzen in der russischen Grenzregion Belgorod.

Ukraine-Krieg: Ukrainischer Geheimdienstchef rechnet mit weiteren Angriffen innerhalb Russlands

Dabei ist es aktuell noch unklar, wer für die Angriffe und Sabotageaktionen auf russischem Grund verantwortlich ist. Moskau hat in der Vergangenheit immer wieder die Ukraine für die Vorfälle verantwortlich gemacht. Die Militärführung in Kiew hielt sich bislang zu einer Beteiligung an den Aktionen weitestgehend bedeckt.

Russische Soldaten untersuchen die Schäden an einer Bahnschiene in der Region Cherson. (Symbolbild)

Auch Kyrylo Budanow, Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, wollte eine ukrainische Beteiligung in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC am Dienstag nicht klar bestätigen - dementierte diese jedoch auch nicht. Auf die Frage, ob die Ukraine Angriffe auf einen russischen Flugplatz ausgeführt habe, erwiderte Budanow: „Ich kann Ihnen aktuell keine Antwort auf diese Frage geben.“ Nach einer kurzen Pause fügte er jedoch hinzu: „Erst nach dem Ende des Krieges.“ Auf eine Rückfrage der ABC-Reporterin, ob er die Frage nach dem Kriegsende beantworten könne, erklärte Budanow trocken: „Ich denke schon.“

„Tiefer und tiefer“: Militärgeheimdienst-Chef Budanov erwartet mehr Explosionen in Russland

Der ukrainische Militärgeheimdienst-Chef zeigte sich jedoch „sehr froh“ über die Vorfälle auf russischem Gebiet. Unabhängig davon, wer für diese verantwortlich sei. Budanow erklärte weiter, er rechne auch in Zukunft mit weiteren Angriffen auf russischem Gebiet. Auf die Frage, ob sich diese Angriffe auch „tief innerhalb Russlands“ ereignen könnten, erwiderte er: „Tiefer und tiefer“. Zu möglichen Angriffen auf die von Russland annektierte Schwarzmeerhalbinsel Krim, sagte Budanow: „Die Krim ist ein Teil der Ukraine. Es ist unser Territorium. Wir können jegliche Waffen auf unserem Territorium einsetzen“

Der ukrainische Militärgeheimdienst-Chef könnte die Bühne des Interviews auch dazu genutzt haben, die russische Militärführung zu verunsichern. Budanows Aussagen über eine mögliche ukrainische Beteiligung an den Angriffen innerhalb Russlands lassen sich aktuell nicht verifizieren.

CIA-Sabotageakte in Russland? Ex-US-Soldat mit brisantem Bericht

An Heiligabend veröffentlichte darüber hinaus der Journalist und ehemalige US-Soldat Jack Murphy auf seiner Website einen Artikel über die Angriffe auf russischem Gebiet. Murphy behauptete in diesem, die CIA sei über den Geheimdienst eines weiteren Nato-Landes an den verdeckte Sabotageaktionen in Russland beteiligt. Als Quelle für seine Behauptung nannte er drei ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter, zwei ehemalige US-Militärbeamte und eine weitere Person mit Informationen über die Kampagne. Keine der Quellen wurden dabei namentlich genannt.

Die CIA würde die Operationen kontrollieren und befehligen. US-Personal sei jedoch nicht vor Ort an den Einsätzen beteiligt, so die Behauptung. Die Zusammenarbeit mit einem weiteren Geheimdienst eines Nato-Landes, würde dazu dienen, die Beteiligung der USA weiter zu verschleiern. Den Namen des beteiligten Geheimdienstes nannte Murphy mit Verweis auf die laufende Kampagne nicht. Die Behauptungen des US-Amerikaners lassen sich aktuell nicht unabhängig überprüfen.

CIA weist Beteiligung bei Sabotagenetzwerken von sich - Russischer Botschafter wirft USA „Stellvertreterkrieg“ vor

In den vergangenen Wochen hatte auch der Kreml der US-Regierung wiederholt eine direkte Beteiligung am Ukraine-Krieg vorgeworfen. Moskaus Botschafter in Washington warf den USA im Dezember die Fortsetzung eines „Stellvertreterkriegs“ gegen Russland vor

Der US-amerikanische Geheimdienst weist die Vorwürfe offiziell von sich. „Die Behauptung, dass die CIA irgendwie Saboteurnetzwerke in Russland unterstützt, ist kategorisch falsch“, sagte CIA-Sprecherin Tammy Thorp.

Sabotageakte zeigen wohl Wirkung: „Russland hatte ein erhebliches Problem“

Unabhängig davon, wer für die Angriffe verantwortlich ist, zeigen die Aktionen auf russischem Gebiet offenbar Wirkung. „Ich weiß nicht, wer hinter diesen Angriffen steckt, aber ihr Wert ist beträchtlich und dient mehreren Zwecken“, zitierte Murphy in seinem Bericht Mick Mulroy, ein ehemaliger paramilitärischer CIA-Offizier. „Russland hatte ein erhebliches Problem damit, mit seinen logistischen Versorgungsleitungen Schritt zu halten. Diese Angriffe erschweren seine Bemühungen, seine Streitkräfte zu versorgen, weiter.“

Der frühere CIA-Mitarbeiter betonte auch, dass die Sabotageaktionen weitere Zweifel über die Führung von Wladimir Putin sähen würden. Die russische Bevölkerung frage sich, ob der Kreml-Chef die Lage noch unter Kontrolle habe. „Ist es ein verdecktes Programm, sind es verärgerte Russen, die ihre eigene Fabrik sabotieren, oder ist es reine Inkompetenz der Arbeiter? Ich weiß es nicht, und der Kreml vielleicht auch nicht. Das beschäftigt paranoide Autokraten“, so Mulroy.

Sabotage in Russland: Kreml-Kritiker Chodorkowski rief zum Widerstand auf

Das britische Verteidigungsministerium hatte bereits im Oktober von einer Gruppierung berichtet, die das russische Schienennetz sabotiert haben soll. Diese gab sich als russische Anti-Kriegs-Gruppe aus und wollte so den Transport von Rekruten in das Kriegsgebiet bremsen. Auch der Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski hatte die russische Bevölkerung in einem Gespräch mit dem britischen Guardian zu einer „Welle der Sabotage“ aufgerufen. (fd)

Rubriklistenbild: © Evgeny Biyatov/imago-images

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