Ukraine-Krieg: „Finale Schlacht“ für Pokrowsk beginnt bald - Putins Panzer im Anmarsch?
VonMarcus Giebel
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Wladimir Putin ändert seinen Eroberungsansatz für Pokrowsk. Die Ukraine erwartet einen massiven Angriff, der als letzter großer Vorstoß geplant scheint.
Ukraine-Krieg und Schlacht um Pokrowsk: „Es wird für beide Seiten blutig werden“
Der Blogger ergänzt: „Die Russen haben die größte Umgruppierung ihrer Streitkräfte seit Kiew 2022 durchgeführt.“ Zu erwarten sei der Einsatz von Panzerabwehrkolonnen. Er befürchtet: „Es wird für beide Seiten blutig werden.“
Eine Einschätzung der Lage ist auf dem Facebook-Account des 7. Schnellen Reaktionskorps der Luftlandetruppen der ukrainischen Streitkräfte zu lesen. Dort heißt es, das russische Kommando habe kürzlich erfahrene Marineinfanterieeinheiten in das Gebiet verlegt. Diese hätten einzeln oder in kleinen Gruppen versucht, ohne Feindkontakt tief in die Stadt einzudringen. Darüber hinaus sei mit gepanzerten Fahrzeugen und Motorrädern versucht worden, die Logistikwege des Korps abzuschneiden und den Ballungsraum Pokrowsk zu umzingeln.
Es gebe Anzeichen dafür, dass Russland einen „entscheidenden Durchbruch unter Einsatz einer großen Anzahl von Soldaten und Technik“ anstrebt. Das Hauptziel laute, den Ballungsraum Pokrowsk-Kramatorsk-Slawjansk zu erobern. Das ukrainische Korps passe seine Verteidigungstaktik entsprechend an und werde Maßnahmen ergreifen, um den Vormarsch aufzuhalten.
Greift Russland Pokrowsk an? „Bereits, Zehntausende weitere Soldaten zu opfern“
Derweil erklärte Taras Myshak, leitender Offizier der Kommunikationsabteilung der 59. Separaten Sturmbrigade für unbemannte Systeme, im öffentlich-rechtlichen Sender Suspilne, die russischen Angriffe in dem Gebiet hätten zwar abgenommen, doch die Invasoren würden nun vermehrt mit FPV-Drohnen und Artillerie operieren. Dabei verweist er besonders auf die Gefahr durch Glasfaserdrohnen, denn diese seien nur schwer zu entdecken.
Die russische Taktik sehe vor, die ukrainischen Logistikrouten zu unterbrechen und zugleich nach Lücken in der Verteidigungslinie zu suchen. Schlecht ausgebildete Soldaten würden dabei quasi als Kanonenfutter genutzt werden. Denn sie würden losgeschickt werden, um ukrainische Feuerstellungen aufzuspüren. „Die Russen schonen sie nicht, sie haben kein Mitleid mit ihnen“, betont Myshak: „Nachdem sie in mehreren Wellen gefallen sind, können besser ausgebildete Soldaten nachrücken.“
Auf X meldet sich auch der finnische Analyst Joni Askola zu Wort. Laut ihm will Russland nach der weitgehend verpufften und teuer bezahlten Sommeroffensive nun einen weiteren großangelegten Angriff fahren, um den Donbass komplett einzunehmen. „Russland ist bereit, Zehntausende weitere Soldaten zu opfern. Es zeigt kein Interesse an Frieden. Keine Verhandlungen. Keine Pause. Nur noch mehr Krieg, mehr Blut, mehr Zerstörung“, twitterte er. Moskau treffe Vorbereitungen, um den Krieg noch Jahre fortzuführen.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Putin und die Panzer: „Russland hat einige in der Hinterhand behalten“
Dafür wurde offenbar auch Material zurückgehalten. Der Analyst Jompy schreibt zu einem Tweet von „Unit Observer“, der zum Transport verladene Panzer zeigt: „Langsam aber sicher sollte es bewiesen sein, dass Russland tatsächlich Panzer in der Hinterhand behielt und mechanisierte Angriffe auf das absolute Minimum reduzierte.“
Im Westen hatte sich in den vergangenen Monaten der Eindruck verbreitet, nach den immensen Verlusten würden Putin die Panzer ausgehen. Dem Open-Source-Portal Oryx zufolge verlor der Aggressor bei seiner Invasion bis zum 7. September 4114 Panzer, von denen 3029 als zerstört eingestuft werden. Auch 2232 gepanzerte Kampffahrzeuge und 6104 Schützenpanzer muss der Kreml demnach unter anderem abschreiben.
Russische Verluste im Ukraine-Krieg (Auswahl; bis 7. September)
4114 Panzer
2232 gepanzerte Kampffahrzeuge
6104 Schützenpanzer
681 gepanzerte Mannschaftstransportwagen
969 selbstfahrende Artillerie-Systeme
520 Raketen-Artillerie-Systeme
343 Boden-Luft-Raketensysteme
163 Flugzeuge
161 Hubschrauber
19 unbemannte Kampfflugzeuge
28 Marineschiffe und U-Boote
Quelle: Oryx
Putins Truppen vor Pokrowsk: „Letzter Vorstoß“ könnte mehr als ein Jahr dauern
„Kriegsforscher“ erwähnt in einem weiteren Tweet, Russland habe fünf von sechs Marinebrigaden in Richtung Dobropillja verlegt. Die Stadt liegt knapp 30 Kilometer nördlich von Pokrowsk. Verstärkt würden diese durch ein Panzerregiment, ein Infanterieregiment und zwei motorisierte Brigaden. Der Blogger schätzt auch. dass dieser „letzte Vorstoß“ mehr als ein Jahr Zeit in Anspruch nehmen könnte.
Der ukrainische Thinktank Centre for Defence Strategies verweist darauf, dass der Hauptnachrichtendienst des ukrainischen Verteidigungsministeriums davon ausgehe, Russland könne die Oblast Donezk nicht bis Jahresende erobern. Werde die derzeitige Dynamik im Kampfgebiet fortgesetzt, seien Putins Truppen frühestens Ende 2025 in der Lage, Pokrowsk, Kostjantyniwka, Druschkiwka und Kupjansk einzunehmen, die unmittelbaren Zugänge zu Saporischschja und dem Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk könnten bis zum Winteranfang erreicht werden.
Im Ukraine-Krieg steht also offenbar eine weitere Abnutzungsschlacht bevor, die Wochen und Monate dauern könnte. Welche Seite danach das Sagen in Pokrowsk hat, ist noch nicht absehbar. Dagegen dürfte als sicher gelten, dass viele Menschen ihr Leben lassen werden. (mg)