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Putins Truppen wollen offenbar improvisierte Fahrzeugbomben einsetzen. Dafür beladen sie alte Panzer mit tonnenweise Sprengstoff und schicken sie auf Kurs.
Moskau – Um der ukrainischen Gegenoffensive zu trotzen, setzten die russischen Truppen wohl auf eine vertraute „Wunderwaffe“: Demnach bauen die Truppen von Wladimir Putin alte Fahrzeuge zu rollenden Bomben um, heißt es in einem Geheimdienstbericht vom Donnerstag. Veraltete, gepanzerte Fahrzeuge werde mit mehreren Tonnen Sprengstoff beladen und dann ferngesteuert an die Front geschickt. Vermutet wird, dass das Vorgehen auf Einheiten aus Tschetschenien zurückzuführen ist.
Neue Taktik für Gegenoffensive: Russland baut aus veralteten Panzern rollende Bomben
Neu scheint die Taktik nicht zu sein. Bereits im Juni habe es Berichte gegeben, dass russische Streitkräfte veraltete, gepanzerte Fahrzeuge mit mehreren Tonnen Sprengstoff als rollende Bomben eingesetzt hätten, teilte das Verteidigungsministerium in London bei Twitter mit.
#Ukraine The Russian Army sent a T-54/55 VBIED filled with 6 tonnes of TNT at AFU lines near Marinka, Donetsk Oblast.
— Cᴀʟɪʙʀᴇ Oʙsᴄᴜʀᴀ (@CalibreObscura) June 18, 2023
The attempt failed as the remotely-controlled bomb ran into a mine 100m from the front line, and was then hit by a Ukrainian RPG shot, causing a huge explosion. pic.twitter.com/sXXI57wV7v
Bereits Mitte Juni kursierte ein Video des russischen Militärbloggers „Romanov_92“, das einen ferngesteuerten ukrainischen T-54-Panzer in der Region um Marjinka zeigen soll. Offenbar wurde er zuvor von russischen Streitkräften gekapert, mit Sprengstoff gefüllt und anschließend per Autopilot zurück zu ukrainischen Stellungen geschickt. Die T-54-Panzer gelten als stark veraltet. Sie wurden vor mehreren Jahrzehnten in der Sowjetunion entwickelt.
Russland setzt mit Sprengstoff beladene Panzer ein – doch Putins Wunderwaffe explodiert
Doch bisherige Versuche, die Fahrzeuge einzusetzen, schlugen offenbar fehl. Denn das Twitter-Video zeigt, wie der präparierte T-54-Panzer scheinbar explodiert. Der Kamikaze-Panzer, der in der Region Donezk auf eine ukrainische Stellung zurollt, blieb plötzlich stehen – vermutlich weil er auf eine Landmine gefahren ist. Kurz darauf explodierte er. Doch auch die Ukrainer tappten wohl in eine Minenfalle und verloren viele Panzer. Unabhängig prüfen lassen sich die Angaben nicht.
Das Verteidigungsministerium in London geht ebenfalls davon aus, dass die meisten dieser präparierten Fahrzeuge der Russen aufgrund von Panzerabwehrminen und Beschuss „mit ziemlicher Sicherheit“ explodiert sind, bevor sie ihr Ziel erreichten. Allerdings lösten diese Sprengsätze extrem große Explosionen aus, die wahrscheinlich einen psychologischen Effekt auf die Verteidigungskräfte hätten.
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Putins Bluthund Kadyrow ist mit improvisierten Sprengsätzen vertraut
Die Briten bringen die Fälle mit Einheiten aus der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus zusammen. Die Bomben-Attacken hätten begonnen, nachdem tschetschenische Einheiten die Region verstärkt hätten, schrieb das Ministerium. Es verwies auch darauf, dass tschetschenische Einheiten Erfahrung mit improvisierten Sprengsätzen aus den Tschetschenien-Kriegen der 1990er Jahre hätte.
Laut dem österreichischen Oberst Markus Reisner handelt es sich bei den Angriffen um eine Taktik, die bereits aus der Zeit des sogenannten Islamischen Staats bekannt ist. Auch dessen Kämpfer hätten Panzer zum Teil mit einer Sprengstoffmenge bis zu 1000 Kilogramm vollgeladen und zu feindlichen Stellungen geschickt. (bohy)
