Wunderwaffe Putins?

Kamikaze-Laster im Ukraine-Krieg: Russland macht aus alten Fahrzeugen Bomben auf Rädern

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Ukraine-Krieg: Russland setzt offenbar auf eine neue Taktik: Bomben auf Rädern sollen Bresche in die Verteidigung schlagen.
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Putins Truppen wollen offenbar improvisierte Fahrzeugbomben einsetzen. Dafür beladen sie alte Panzer mit tonnenweise Sprengstoff und schicken sie auf Kurs.

Moskau – Um der ukrainischen Gegenoffensive zu trotzen, setzten die russischen Truppen wohl auf eine vertraute „Wunderwaffe“: Demnach bauen die Truppen von Wladimir Putin alte Fahrzeuge zu rollenden Bomben um, heißt es in einem Geheimdienstbericht vom Donnerstag. Veraltete, gepanzerte Fahrzeuge werde mit mehreren Tonnen Sprengstoff beladen und dann ferngesteuert an die Front geschickt. Vermutet wird, dass das Vorgehen auf Einheiten aus Tschetschenien zurückzuführen ist.

Neue Taktik für Gegenoffensive: Russland baut aus veralteten Panzern rollende Bomben

Neu scheint die Taktik nicht zu sein. Bereits im Juni habe es Berichte gegeben, dass russische Streitkräfte veraltete, gepanzerte Fahrzeuge mit mehreren Tonnen Sprengstoff als rollende Bomben eingesetzt hätten, teilte das Verteidigungsministerium in London bei Twitter mit.

Bereits Mitte Juni kursierte ein Video des russischen Militärbloggers „Romanov_92“, das einen ferngesteuerten ukrainischen T-54-Panzer in der Region um Marjinka zeigen soll. Offenbar wurde er zuvor von russischen Streitkräften gekapert, mit Sprengstoff gefüllt und anschließend per Autopilot zurück zu ukrainischen Stellungen geschickt. Die T-54-Panzer gelten als stark veraltet. Sie wurden vor mehreren Jahrzehnten in der Sowjetunion entwickelt.

Russland setzt mit Sprengstoff beladene Panzer ein – doch Putins Wunderwaffe explodiert

Doch bisherige Versuche, die Fahrzeuge einzusetzen, schlugen offenbar fehl. Denn das Twitter-Video zeigt, wie der präparierte T-54-Panzer scheinbar explodiert. Der Kamikaze-Panzer, der in der Region Donezk auf eine ukrainische Stellung zurollt, blieb plötzlich stehen – vermutlich weil er auf eine Landmine gefahren ist. Kurz darauf explodierte er. Doch auch die Ukrainer tappten wohl in eine Minenfalle und verloren viele Panzer. Unabhängig prüfen lassen sich die Angaben nicht.

Das Verteidigungsministerium in London geht ebenfalls davon aus, dass die meisten dieser präparierten Fahrzeuge der Russen aufgrund von Panzerabwehrminen und Beschuss „mit ziemlicher Sicherheit“ explodiert sind, bevor sie ihr Ziel erreichten. Allerdings lösten diese Sprengsätze extrem große Explosionen aus, die wahrscheinlich einen psychologischen Effekt auf die Verteidigungskräfte hätten.

Ukraine-Krieg reicht jetzt bis nach Moskau: Fotos zeigen den Schaden durch Drohnen-Angriffe

Mehrere Wohngebäude werden geringfügig beschädigt, zwei Menschen leicht verletzt.
Am frühen Dienstagmorgen meldete die russische Hauptstadt verschiedene Drohnenangriffe. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück.
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock.
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock. © IMAGO/Aleksey Nikolskyi/SNA
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden.
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden. © Tass/IMAGO/Vitaly Smolnikov
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab.
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab. © IMAGO/Denis Bocharov
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen.
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen.
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder.
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause.
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über.
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass

Putins Bluthund Kadyrow ist mit improvisierten Sprengsätzen vertraut

Die Briten bringen die Fälle mit Einheiten aus der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus zusammen. Die Bomben-Attacken hätten begonnen, nachdem tschetschenische Einheiten die Region verstärkt hätten, schrieb das Ministerium. Es verwies auch darauf, dass tschetschenische Einheiten Erfahrung mit improvisierten Sprengsätzen aus den Tschetschenien-Kriegen der 1990er Jahre hätte.

Laut dem österreichischen Oberst Markus Reisner handelt es sich bei den Angriffen um eine Taktik, die bereits aus der Zeit des sogenannten Islamischen Staats bekannt ist. Auch dessen Kämpfer hätten Panzer zum Teil mit einer Sprengstoffmenge bis zu 1000 Kilogramm vollgeladen und zu feindlichen Stellungen geschickt. (bohy)

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