- VonBettina Menzelschließen
Die Verluste bei der Katastrophe im Minenfeld bei Saporischschja sind offenbar höher, als bisher bekannt. Die Ukraine verlor ein Fünftel ihrer Leopard 2A6-Panzer aus Deutschland.
Update vom 30. Juni, 18.22 Uhr: Durch fatalen Fehler tappten Ukrainer offenbar in eine russische Falle bei Mala Tokmachka. Laut der Analyse des Netzwerks Deepstatemap hätten die ukrainischen Truppen zwei getrennte Angriffe durchgeführt und wurden dabei schnell vom russischen Verteidiger entdeckt. So gerieten sie unter Beschuss. Amerikanische „Bradleys“ wurden kurz darauf losgeschickt, um die eingeschlossenen Truppen zu retten, schreibt The Guardian. Die Russen nutzten offenbar ihre Chance und eröffneten ein heftiges Feuer.
Phillips P. O‘Brien, Professor für Strategische Studien an der Universität St. Andrews in Schottland, kommentierte die Ereignisse um Mala Tokmachka auf Substack: „Die Ukraine versucht etwas, das (vielleicht) noch nie zuvor erfolgreich durchgeführt wurde. Sie versucht, eine groß angelegte Offensive mit dem Einsatz von gepanzerten Fahrzeugen ohne Luftherrschaft gegen einen verschanzten Feind durchzuführen, der über einen großen Vorrat an Verteidigungswaffen verfügt“. Solche Gefechte seien kaum zu vermeiden.
Erstmeldung vom 29. Juni, 18.00 Uhr: Mala Tokmatschka – Wenige Tage nach dem Beginn der zweiten Gegenoffensive versuchten ukrainische Truppen von der südukrainschen Stadt Mala Tokmatschka in der Region Saporischschja aus weiter in den Süden vorzustoßen – und scheiterten an einem Minenfeld. Hohe Verluste der Ukraine waren bereits bekannt, doch das wahre Ausmaß der Zerstörung zeigen nun veröffentlichte Bilder eines lokalen Fotografen. 25 Panzer und Fahrzeuge wurden neuesten Erkenntnissen zufolge innerhalb weniger Momente zerstört und damit die Kampfkraft eines ganzen Bataillons, wie Forbes jüngst berichtete.
Katastrophe im Minenfeld zerstört die Hälfte aller Leopard 2R-Panzer der Ukraine
Der Westen ließ sich im Ukraine-Krieg mit der Lieferung von Kampfpanzern Zeit, was den Beginn der zweiten ukrainischen Gegenoffensive verzögerte und Russland genug Zeit bot, ein massives Bollwerk aus Schützengräben, Panzersperren und Minen zu errichten. Ein Minenfeld wurde der Ukraine Anfang Juni zum Verhängnis und zerstörte 25 Fahrzeuge, davon 17 M-2, vier Leopard 2A6-Panzer, drei Minenräumfahrzeuge Leopard 2R und ein Pionierpanzer Wisent – dies entspricht laut Forbes der Kampfstärke eines ganzen Bataillons.
Damit liegen die Verluste der Ukraine deutlich höher, als zunächst bekannt. Ein Fünftel des gesamten ukrainischen Bestandes an US-amerikanischen M-2 Bradley-Schützenpanzern sowie ein Fünftel der insgesamt 21 Leopard 2A6-Kampfpanzer aus Deutschland wurden bei der Katastrophe im Minenfeld offenbar zerstört. Finnland hatte mit sechs Stück alle seine Leopard 2R-Panzer an Kiew übergeben, der Bestand dezimierte sich dem Bericht zufolge auf die Hälfte.
Zwei ukrainische Brigaden versuchen „dicken Teppich“ aus Minen im Ukraine-Krieg zu überqueren
Die 47. Angriffsbrigade und die 33. mechanisierte Brigade versuchten am 8. Juni, kurz nach Beginn der ukrainischen Gegenoffensive, ein Minenfeld zu durchqueren, berichtet Forbes. Das Ziel der Truppen war die von Russland besetzte Stadt Robotyne und von dort aus ein Vorrücken auf Tokmak und im Anschluss auf Melitopol – sofern die Truppen es schaffen würden, die feindlichen Linien zu durchbrechen.
Doch Russland war sich laut Forbes dieser möglichen Stoßrichtung im Vorfeld bewusst und hatte in dem Gebiet Hunderte oder sogar Tausende von jeweils etwa zehn Kilogramm schweren TM-62-Minen dicht an dicht verlegt. Die nur wenige Meter voneinander entfernt platzierten Minen glichen einem „dicken Teppich“. Die beiden ukrainischen Brigaden liefen an diesem Tag offenbar geradewegs in die Falle.
Minenräumfahrzeuge führten Brigaden im Ukraine-Krieg an, konnten aber offenbar nicht alle entschärfen
Die Minenräumfahrzeuge Leopard 2R und die Wisent-Minenräumer pflügten laut Forbes als erste durch das Minenfeld. Ihre Aufgabe war es, für die nachfolgenden Fahrzeuge einen Weg freizuräumen. Allerdings konnten die Spezialfahrzeuge offenbar nicht alle der dicht an dicht verlegten Minen entfernen. Die M-2 sowie die gepanzerten Truppenfahrzeuge MaxxPro der 47. Brigade folgten den Minenräumern, wobei mehrere M-2 sowie drei Leopard 2R und ein Wisent auf Minen trafen und zerstört wurden. Die ukrainischen Brigaden Truppe befanden sich währenddessen unter russischem Beschuss, teilweise von Hubschraubern aus.
Manche der ukrainischen Fahrzeuge konnten zu diesem Zeitpunkt weder vorwärts noch zurück oder waren zerstört, weshalb die Besatzung ausstieg und auf ihrem Rückzug auch ihre Toten und Verwundeten mitnahm, wie aus dem Forbes-Bericht hervorgeht. Experten zufolge könnten eine Handvoll der beschädigten Fahrzeuge und Panzer womöglich in monatelanger Arbeit wiederhergestellt werden, doch der Aufwand und das Risiko bei der Bergung wären zu groß. Die USA sagten der Ukraine bereits den Ersatz der zerstörten US-Panzer M-2 zu, der Ersatz der Leopard 2A6-Panzer aus deutscher Produktion ist noch offen (bme).