Schlüsselregionen vor Einnahme?

„Ukraine-Kampfmoral sinkt“ im Donbass: Russland könnte laut Militärexperten ein Kriegsziel erreichen

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Donbass unter der Kontrolle Russlands: Russische Soldaten auf einer Straße in der ukrainischen Region Luhansk, zwischen Lyssytschansk und Sjewjerodonezk.
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Die Donbassregion ist entscheidend im Ukraine-Krieg. „Hier könnte ein Kriegsziel der russischen Seite erreicht werden“, meint ein Experte.

Sjewjerodonezk - Russlands Fokus im Ukraine-Krieg gilt der Grenzregion Donbass. In den vergangenen Wochen konnten russische Truppen dabei immer weiter vormarschieren und zusehends wichtige Städte einnehmen, etwa die Hafenstadt Mariupol in der Donbassregion Donezk.

Im angrenzenden Luhansk sind es lediglich die durch einen Fluss getrennten Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk, die zumindest teilweise noch von der Ukraine kontrolliert werden. Bleibt die Frage: wie lange noch? Der Militärexperte Franz-Stefan Gady meint, dass Russland im Donbass zumindest einen Teil seiner Kriegsziele erreichen könnte. Das liege auch an einer aufgrund ausbleibender Waffenlieferungen sinkenden Moral.

Ukraine-Krieg: „Kampfmoral im Donbass sinkt“

Das „große Defizit auf ukrainischer Seite“ seien nicht vorhandene schwere Waffen, sagt Gady im Interview mit der Tagesschau. „Es braucht weitere westliche Waffenlieferungen.“ Vor allem für die Gebiete Luhansk und Donezk. „Im Donbass ist es momentan brenzlig, wo schlecht ausgebildete Einheiten mit zu wenig Ausrüstung und Munition früh ins Gefecht geworfen wurden und wir aus mehreren Quellen hören, dass dort in der Folge die Kampfmoral sinkt.“

Russland wiederum agiere im Donbass erfolgreicher als etwa in anderen ukrainischen Regionen. „Auf russischer Seite funktioniert die Logistik im Donbass gut und wir können beobachten, dass sehr methodisch und kleinschrittig vorgegangen wird, um die eigenen Verluste niedrig zu halten.“

Ukraine-Krieg: „Hier könnte ein Kriegsziel der russischen Seite erreicht werden“

Durch russischen Artilleriebeschuss solle die Infrastruktur zerstört und die Kampfmoral der Ukraine gebrochen werden. Das sehe man derzeit im Donbass, meint Militärexperte Gady. „Hier könnte ein Kriegsziel der russischen Seite erreicht werden: Die Oblasten Donezk und Luhansk für sich zu beanspruchen.“ Beide Regionen sind eng mit dem eskalierten Ukraine-Konflikt verwoben. Seit 2014 herrscht in Luhansk und Donezk Krieg. Alle Informationen zum Hintergrund des Ukraine-Kriegs.

Ukraine-Krieg: „Russlands erstes Kriegsziel wurde klar verfehlt“

Die Eroberung des Donbass formuliert der Kreml mittlerweile selbst offensiv als Kriegsziel. Für Gady ist allerdings auch klar: „Das erste Kriegsziel – ein Regierungswechsel in der Ukraine, ausgelöst durch einen Vorstoß auf Kiew – wurde klar verfehlt und ist für Kremlchef Wladimir Putin nicht mehr unmittelbar erreichbar.“ Aus der ukrainischen Hauptstadt haben sich russiche Truppen schon vor Wochen zurückgezogen.

„Es geht nun also darum, im Donbass einen ersten Teilsieg zu erreichen.“ Dieser Teilsieg rückt offenbar näher. Das russische Militär hat sich nach ukrainischen Angaben beim Sturm des Verwaltungszentrums Sjewjerodonezk im Stadtzentrum festgesetzt. Eine der letzten Donbass-Städte könnte also bald in russische Hände fallen. (as)

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