VonLinus Prienschließen
Russland hat einen Strategiewechsel in der Ukraine angekündigt. Russlands Truppen konzentrieren sich auf den Osten des Landes, was die Angst vor einer Trennung der Ukraine schürt.
Kiew - Russland deutete zuletzt angesichts des heftigen Widerstands der Ukrainer einen Strategiewechsel im Ukraine-Konflikt an. Künftig werde sich die Armee auf die „Befreiung“ der Donbass-Region in der Ostukraine konzentrieren, sagte Russlands Vize-Generalstabschef Sergej Rudskoj am Freitag.
Kiew befürchtet nun eine Zuspitzung der Lage in Mariupol und im Osten des Landes: „Dies bedeutet eine potenzielle oder starke Verschlechterung rund um Mariupol“, sagte der ukrainische Präsidentenberater Oleksij Arestowytsch in einer auf dem Telegram-Konto des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj veröffentlichten Videobotschaft. Doch auch längerfristige Sorgen bereitet die Ankündigung der Ukraine: Die einer Teilung wie zwischen Nord- und Südkorea.
Ukraine fürchtet Teilung - Selenskyj glaubt nicht mehr an „Befreiung“ der Separatisten-Gebiete
Der ukrainische Geheimdienstchef Kyrylo Budanow schrieb im Online-Netzwerk Facebook, Russlands Präsident Wladimir Putin ziele möglicherweise auf eine Teilung der Ukraine nach dem Vorbild von Nordkorea und Südkorea ab. „Es gib Gründe anzunehmen, dass er eine Trennungslinie schaffen will zwischen den besetzten und den nicht besetzten Gebieten unseres Landes - ein Versuch, Süd- und Nordkorea in der Ukraine zu schaffen“, erklärte der Chef des Militärgeheimdienstes GUR mit Blick auf Putin.
Selenskyj selbst sagte, ein Sieg für die Ukraine sei es, wenn sich die russischen Truppen in die von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebiete im Osten „zurückziehen“. „Von dort aus werden wir versuchen, die Donbass-Frage zu lösen“, sagte Selenskyj, der betonte: „Wir verstehen, dass es unmöglich ist, das Gebiet vollständig zu befreien.“ Eine Rückeroberung der Gebiete würde „den Dritten Weltkrieg“ auslösen.
Ukraine: Donbass-Separatisten fordern Referendum - Parallelen zu Korea?
Der Separatisten-Anführer in Luhansk, Leonid Pasetschnik, schlug ein Referendum über den „Beitritt“ zu Russland „in naher Zukunft“ vor. Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Oleg Nikolenko, verurteilte den Vorschlag als Teil der fortgesetzten russischen Bemühungen, „die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine zu untergraben“. Er schrieb auf Twitter: „Alle Scheinreferenden in den vorübergehend besetzten Gebieten sind null und nichtig und werden keine Legitimität haben.“
Die koreanische Halbinsel wurde noch während des Zweiten Weltkriegs von der UdSSR und den USA besetzt. Eigentlich sollten Wahlen auf der ganzen Halbinsel durchgeführt werden. Diese kamen jedoch nicht zustande. Stattdessen gab es im sowjetischen Norden Wahlen und im von den USA besetzten Süden Wahlen. Im Anschluss wurden zwei koreanische Staaten gegründet, welche jeweils Anspruch auf das gesamte Gebiet erhoben.
Ukraine: Putins offizieller Plan schürt Hoffnungen - zugleich große Sorge um Mariupol
Ursprünglich hatte Kreml-Chef Wladimir Putin das Ziel ausgegeben, die Ukraine zu „demilitarisieren und zu entnazifizieren“. Von einer Besetzung des Landes hatte er aber nicht gesprochen, was ihm Beobachtern zufolge nun Spielraum für eine Verhandlungslösung geben könnte. Denn der Strategiewechsel der vergangenen Tage stellt erst einmal eine Konzentration auf die östlichen Gebiete der Ukraine dar.
Am Montag sollten erneut Verhandlungen starten. In der Ukraine wird allerdings befürchtet, Russland könne die neue Ukraine-Verhandlungsrunde nutzen, um taktische und logistische Probleme seiner Truppen in der Ukraine zu beheben. Große Sorge gibt es auch um die Menschen in der belagerten Hafenstadt Mariupol.
Die humanitäre Lage in Mariupol ist ohnehin schon „katastrophal“, wie das ukrainische Außenministerium in der Nacht zum Montag auf Twitter erklärte. In der belagerten Hafenstadt Mariupol kämpften die Eingeschlossenen weiter „ums Überleben“. Selenskyj zufolge ist es weiterhin „unmöglich, Lebensmittel und Medikamente“ in die Stadt zu bringen. „Die russischen Streitkräfte bombardieren die Konvois mit humanitärer Hilfe und töten die Fahrer.“ Zuletzt waren mehrere Versuche, sichere Fluchtwege für die Zivilisten einzurichten, gescheitert. Die Kriegsparteien wiesen sich die Schuld daran gegenseitig zu. (lp/AFP)
