Krieg nicht vorbei „auch wenn Waffen schweigen“

Expertin sieht „von Woche zu Woche rücksichtslosere“ Russen - und fürchtet „Zermürbungs- und Stellungskrieg“

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Russischer Präsident Wladimir Putin
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Die Militärexpertin Claudia Major gab ihre Einschätzung zur gegenwärtigen Lage in der Ukraine. Sie warnte davor, russischen Ankündigungen zu viel Glauben zu schenken.

Berlin - „Wir müssen uns wohl auf einen Zermürbungs- und Stellungskrieg einstellen.“ Das sagte Claudia Major in einem Interview mit der Welt. Major ist Forschungsgruppenleiterin der Gruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Militärexpertin geht auf das gegenwärtige Stadium des Ukraine-Konflikts ein und prognostiziert, dass der Konflikt auch dann nicht vorbei sein wird, wenn „die Waffen schweigen“.

Ukraine-Krieg: Putin muss am 09. Mai etwas vorweisen können

Der Expertin zufolge ist der Krieg in der Ukraine bisher nicht so verlaufen, wie es sich Russland gewünscht hätte. Das ursprüngliche Ziel, das Land innerhalb weniger Tage einzunehmen und die Regierung vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu stürzen, konnte nicht erreicht werden. Zusätzlich setzt die ukrainische Armee den russischen Truppen mehr zu, als gedacht. Den russischen Truppen in der Ukraine, die hohe Opferzahlen zu beklagen haben, soll es zudem an Ausrüstung, Nahrung und Munition mangeln.

Dennoch warnt Major davor, den Ankündigungen, man konzentriere sich auf die Donbass-Region, Glauben zu schenken. Es handle sich um „rhetorische Nebelkerzen“: „Putin rückt vom Ziel, die Ukraine zu unterwerfen, nicht ab.“ Es werden weiterhin im ganzen Land Städte bombardiert. Zudem fänden am 09. Mai Paraden, zum Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland, statt. Bis dahin müsse der russische Präsident Wladimir Putin etwas vorweisen können.

Ukraine-Krieg: „Das Vorgehen der Russen wird von Woche zu Woche rücksichtsloser“

Der Expertin zufolge werde der Krieg noch länger anhalten. Russland bombardiere die ukrainische Infrastruktur und zerstöre die Industrie: „Das Vorgehen der Russen wird von Woche zu Woche rücksichtsloser.“ Doch selbst wenn es zu Waffenstillständen käme, so die Expertin, würde das nicht das Ende des Krieges bedeuten: „Er würde unterschwellig weitergehen, mit Fake-News, Cyber-Angriffen, wirtschaftlichen Auseinandersetzungen.“

Ukraine-Krieg: Unter einem nuklearen Schirm führt Putin einen konventionellen Krieg

Eine der bittersten Lehren dieser Zeitenwende sei es, dass Deutschland und die Nato dabei zusehen müssten, wie Russland Kriegsverbrechen begeht. Russland führe einen konventionellen Krieg unter einem nuklearen Schirm. „Der Westen“ scheue sich zu Recht vor einer Intervention und einem potentiellen Nuklearkrieg. Russland wisse dies und halte sich dementsprechend an keine Kriegsregeln mehr. (lp)

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