Sanktionen im Ukraine-Krieg

Geldnot? Russen-Oligarch Abramowitsch pumpt angeblich Hollywood und Wall Street an - Sprecherin reagiert

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Roman Abramowitsch (Archivbild von 2011)
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Roman Abramowitsch galt als einer der reichsten Männer der Welt. Treffen ihn die Russland-Sanktionen im Zuge des Ukraine-Kriegs jetzt? Laut einem Bericht: ja.

München - Russische Oligarchen galten zu Jahresbeginn noch nicht als A-Promis. Zwar besitzen sie Jachten (die jetzt reihenweise beschlagnahmt werden). Aber eher selten eine internationale Bühne. Ausnahme ist Roman Abramowitsch. Er nahm kürzlich an den Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland teil. Aktuell findet er in Sachen Medienaufmerksamkeit statt im Ressort „Politik“ wieder unter „Vermischtes“ statt: Angeblich hat der 55-Jährige kein Geld mehr.

Das berichtet Page Six, der bunte-Meldungen-Teil der konservativen Boulevard-Zeitung New York Post. Nicht uninteressant ist das, weil russische Oligarchen als Wladimir Putins Gefolgsleute gelten. Von den Sanktionen des Westens zeigt sich Russlands Präsident - zumindest nach außen - bisher unbeeindruckt: Die Grausamkeit im Ukraine-Krieg* hat mit dem mutmaßlichen Massaker in Butscha gerade eine neue Stufe erreicht.

Ukraine-Krieg: Abramowitsch bittet angeblich Milliardärs-Freunde um Bargeld

Schmerzen die Sanktionen mit Abramowitsch jetzt zumindest einen von Putins vermögenden Unterstützern? Page Six will das erfahren haben. In seinem Bericht vom 4. April heißt es, der russische Geschäftsmann könne seine Angestellten nicht mehr bezahlen. Der Grund: seine Konten seien in Folge der Sanktionen eingefroren. Seine Reaktion: Freunde anpumpen, und zwar um eine Million US-Dollar, so die Schlagzeile. Denn seine Leute kosteten ihn pro Woche 750.000 Dollar an Lohn.

Der Regisseur Brett Ratner und die Rothschild-Familie sollen zu diesen Freunden gehören, haben laut dem Bericht bisher aber nicht reagiert. Page Six beruft sich dabei auf eine nicht namentlich genannte Insider-Quelle. Die auch recht konkret wurde: Niemand der Gefragten hätte so viel Bargeld für Abramowitsch und außerdem Bedenken wegen möglicher Konsequenzen, wenn sie einen Sanktionierten im Ukraine-Konflikt unterstützen.

Alles Spekulationen? Das britische Boulevardblatt The Sun gab ihnen ebenfalls viel Raum, berichtete aber auch über ein Dementi, welches die kostenlose Wirtschaftszeitung City A.M. (London) nach eigenen Angaben exklusiv von einer Abramowitsch-Sprecherin eingeholt hat: Alles Quatsch. Er hat niemanden um Geld gebeten. Man habe Page Six kontaktiert, weil die wiederum keinen Kontakt in der Frage versucht hätten.

Russland-Oligarch Fridman beklagt im Ukraine-Konflikt „sinnlose“ Sanktionen

Für den Milliardär war die letzte Zeit turbulent: Erst Abramowitschs Vermittlungsversuche im Ukraine-Krieg, (mit denen der Chelsea-Eigner laut Kritikern mutmaßlich Sanktionen gegen sich selbst abwenden wollte). Und nun jetzt doch Sanktionen, die Michail Fridman, ebenfalls russischer Oligarch, als „sinnlos“ beklagte.

Die Sanktionierenden sehen das anders. Die USA, die EU oder Großbritannien zielen bei den Maßnahmen auch auf Oligarchen, um deren Unterstützung für die von Putin befohlene Ukraine-Invasion zu verringern. Bisher haben sich aber nur vereinzelt Milliardäre mit vorsichtiger Kritik am Krieg geäußert.

Ukraine-Krieg: Deutsche Zollfahnder skeptisch bei Sanktionen gegen Oligarchen

Die deutsche Zoll scheint übrigens abzuwinken, zumindest was hierzulande residierende russische Oligarchen betrifft. Die Behörden seien „kaum in der Lage, Vermögensgegenstände sanktionierter Personen aufzuspüren und zu sichern“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei im Zoll, Frank Buckenhofer, der Zeitung Welt am Sonntag vom 3. April. Die EU-Sanktionen würden also zunächst wenig bewirken.

Die Bekämpfung von Geldwäsche- und Terrorismus laufe seit Jahren nur „suboptimal“. Es gebe keine klare Zuständigkeiten bei den Behörden. Zudem fehle ein Überblick, wer in Deutschland Immobilien besitze. Zur Umsetzung der Sanktionen gegen russische Firmen und Oligarchen hat die Bundesregierung eine Arbeitsgruppe verschiedener Behörden eingerichtet. (frs mit Material der dpa)

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