Ukraine-Krieg: Putin im Wettlauf gegen die Zeit in Kursk
VonSimon Schröder
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Der Druck auf die Ukraine nimmt zu. Russland macht sich in der Region Kursk bereit für einen großen Gegenschlag, um Land zurückzuerobern.
Kiew/Moskau – Die russische Armee breitet im Kursk Oblast scheinbar eine große Gegenoffensive vor. Die Ukraine hatte im August einen Überraschungsangriff auf das russische Territorium gestartet und die dortige Verteidigung überwältigen können. Doch der Fortschritt der ukrainischen Armee geriet zunehmend ins Stocken. Nun soll eine russische Offensive die Front wieder in ukrainisches Gebiet verlagern. Bis zu 50.000 russische Truppen, darunter auch tausende Nordkoreaner, bereiten sich auf den Gegenangriff vor, wie das ukrainische Militär bekannt gab.
Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin war der Überraschungsangriff der Ukraine eine herbe Erniedrigung. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg eroberten feindliche Truppen russisches Gebiet. Somit hätte die Rückeroberung der verlorenen Gebiete in Kursk auch eine symbolische Wirkung für den russischen Präsidenten. An der Offensive könnten dann auch erstmals nordkoreanische Soldaten beteiligt sein.
Nordkoreas Soldaten unterstützen Russland im Ukraine-Krieg
Pentagonsprecher Generalmajor Pat Ryder berichtete vergangene Woche laut ABC News, dass bis zu 10.000 Truppen von Kim Jong-uns Armee Vorort in der Kursk-Region seien, um die russische Armee zu unterstützen. Weiter sagte Ryder: „Wir werden genau sehen, wie diese Truppen in die russischen Operationen integriert werden und wie sie auf dem Schlachtfeld eingesetzt werden, vorausgesetzt, es handelt sich um Ersatztruppen für russische Truppen.“
Und der Ersatz kommt für Putin sicherlich gelegen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs soll Russland mittlerweile über 700.000 getötete oder verwundete Soldaten zu beklagen haben. Allerdings lassen sich die ukrainischen Angaben zu Russlands Verlusten nicht unabhängig prüfen. Wie erfolgreich die Kursk-Offensive für die Ukraine letztlich war, ist unklar. Denn eigentlich sollte der Überraschungsangriff die übrige Ukraine-Front entlasten. Doch Russland konnte vor allem im Donezk Oblast weiterhin Fortschritte erzielen.
Vor Trumps Amtseintritt: Russland will mit Kursk Verhandlungsspielraum stärken
In der Nato wächst nun die Vermutung, dass Putin die eigenen Gebiete in Kursk unbedingt vor Donald Trumps offizieller Amtseinführung am 20. Januar zurückerobern will. Laut einem Bericht des britischen Verteidigungsministeriums ist es wahrscheinlich, dass die Drohnenangriffe auf ukrainische Stellungen in Kursk deutlich zunehmen werden, wie der britische Telegraph berichtet. Zuvor soll Trump mit Putin telefoniert haben, um ihn vor einer Eskalation des Krieges angesichts des nahenden Winters zu warnen.
Putin will mit einer Rückeroberung der verlorenen Gebiete in Kursk wahrscheinlich seine Verhandlungsposition mit Donald Trump stärken, der während seinem Wahlkampf immer wieder betont hatte, er wolle den Ukraine-Krieg innerhalb 24 Stunden nach Amtsantritt beenden.
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks
Russland Verluste steigen durch Kursk-Offensive im Ukraine-Krieg
Die Gegenoffensive in Kursk könnte für Russland ein Momentum generieren, um auch in der Sumy Region der Ukraine Fortschritte zu erzielen. Und auch Pokrowsk in der Region Donezk könnte im Ukraine-Krieg zum Knackpunkt werden. Die vor dem Krieg 60.000 Einwohner große Stadt ist für die ukrainischen Truppen ein wichtiger Ort für die Versorgung der Frontlinien.
Laut ukrainischen Angaben belaufen sich die russischen Verluste in Kursk aktuell auf 2000 Soldaten pro Tag. Ein deutlicher Indikator dafür, dass Russland verzweifelt versucht, das verlorene Gebiet zurückzugewinnen. Über den Sommer lag die Verlustrate für Russland deutlich niedriger. Das ukrainische Projekt „DeepState“ betonte: „Der Feind versucht weiterhin, zumindest irgendeinen taktischen Erfolg in der Region Kursk zu erzielen.“ (sischr)