Selenskyj sagt Putin-Sturz voraus – Kreml-Chef könnte die Zeit davonlaufen
VonFelix Durach
schließen
Die ukrainische Gegenoffensive dürfte in Kürze anlaufen. Präsident Selenskyj prophezeit bereits das Ende des Putin-Regimes.
Kiew – Wolodymyr Selenskyj hat sich im Ukraine-Krieg von Beginn an als Staatschef der klaren Aussagen inszeniert. Jeden Abend richtet sich der 45-Jährige in einer Videoansprache an die ukrainische Bevölkerung - teils auch an die Invasoren aus Russland. Am Sonntagabend (28. Mai) prophezeite Selenskyj dabei ein böses Ende für den Moskauer Machtzirkel um Wladimir Putin.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Gespräch mit einem Soldaten. Der 45-Jährige sagte am Sonntag den Sturz des russischen Despotismus voraus.
Ukraine-Krieg: Selenskyj sagt Ende des Putin-Regimes voraus
„Kiew und alle unsere Städte, unsere gesamte Ukraine werden den Schlusspunkt unter die Geschichte des Moskauer Despotismus setzen, der viele verschiedene Völker über sehr lange Zeit hinweg versklavt hat“, sagte der ukrainische Präsident in seiner Rede. Seine Botschaft überbrachte Selenskyj dabei aus den nächtlichen Straßen der ukrainischen Hauptstadt, nicht wie gewohnt aus seinem Büro. Der Staatschef lobte die Luftverteidigung von Kiew für ihre gute Arbeit in den vergangenen Tagen. Dieser sei es gelungen, einen der größten russischen Drohnenangriffe seit Kriegsbeginn fast völlig abzuwehren.
Die Angriffe bezeichnete Selenskyj als verzweifelten Versuch der russischen Führung, die Moral der Ukrainer zu brechen. Doch seinen Worten nach können Waffen wie die Shahed-Drohnen Russlands Machthaber nicht retten. Weil es das Leben und die Kultur verachte, könne Russland den Krieg nur verlieren, prognostizierte er.
Ukraine-Krieg: Präsident Selenskyj wendet sich per Video an die Welt
Gegenoffensive im Ukraine-Krieg steht bevor – Putins Ressourcen „von Tag zu Tag mehr erschöpft“
Einen ersten Schritt in Richtung Sturz des russischen Regimes könnte Kiew mit der seit Wochen erwarteten Gegenoffensive in der Ostukraine unternehmen. Diese könne „morgen, übermorgen oder in einer Woche beginnen“, sagte der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats, Olexij Danilow, der britischen BBC. Mychajlo Podoljak, Berater des ukrainischen Präsidenten, bestätigte dem Guardian, dass vorbereitende Operationen bereits angelaufen sind.
Trotz der drohenden Gegenoffensive hält Putin aktuell die Füße still. „Eigentlich hätte der Kreml längst eine neue Mobilisierungswelle ankündigen müssen“, sagte der im Exil lebende Oppositionspolitiker Wladimir Milow bereits vor gut anderthalb Wochen bei einem vom Thinktank „Atlantic Council“ veranstalteten Panel. Doch der Kreml habe zu viel Respekt vor den innenpolitischen Folgen der Maßnahmen. Stattdessen spiele der russische Autokrat nun auf Zeit.
„Seine Ressourcen sind von Tag zu Tag mehr erschöpft“, sagte Milow weiter. Die Zeit laufe gegen Putin. Deswegen versuche der Kreml die Angst des Westens vor einem langwierigen Krieg zu schüren und so die Unterstützung für die Ukraine zu brechen.
„Denke nicht, dass er die Fähigkeiten hat“ – Läuft Putin im Ukraine-Krieg die Zeit davon?
Doch diese Zeit könnte der russische Präsident Stimmen aus dem Westen zufolge nicht mehr haben. „Putin könnte diesen Krieg verlängern wollen, doch die Frage ist, ob er auch die Fähigkeiten hat, dies zu tun“, sagte David Kramer vom US-Thinktank „George W. Bush Institute“ auf dem Panel des „Atlantic Council“. „Und ich denke nicht, dass er die Fähigkeiten hat.“ Die Kriegsmüdigkeit in der Bevölkerung sei schlicht zu hoch, so die Einschätzung des Experten. Bei einer erfolgreichen Gegenoffensive hält Kramer deshalb auch einen Kollaps des russischen Militärs für denkbar. Ein solcher müsste jedoch nicht zwangsläufig zum Sturz Putins führen.
Unterstützung des Westens ungebrochen – Ausbildung an Abrams-Panzern gestartet
Noch dauert die westliche Unterstützung für die Ukraine an. Erst am Wochenende meldete die US-Regierung, man habe mit der Ausbildung von ukrainischen Streitkräften am US-Kampfpanzer M1 Abrams begonnen. Der Abrams-Panzer soll gemeinsam mit dem deutschen Leopard 2 und dem britischen Challenger 2 die Panzertruppen in der Ostukraine verstärken. Aktuell ist allerdings noch unklar, wann die ersten einsatzfähigen Abrams an Kiew ausgeliefert werden. (fd mit dpa)