Truppenbewegungen

„Realität ist, dass Russland im Norden besiegt wurde“ - Laut Experte hat Putin jetzt zwei Optionen

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Russischer Konvoi
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Nach Verhandlungen mit der Ukraine hatte Russland zuletzt seine Truppen in Richtung Osten abgezogen. Offiziell soll dies Vertrauen schaffen, es könnte jedoch auch Taktik sein.

Queensland - „Die Realität ist, dass Russland im Norden besiegt wurde.“ Das kommentierte der australische Ex-General und Militärstratege Mick Ryan bezüglich russischer Truppenbewegungen in den Osten der Ukraine via Twitter. Russland habe die bedeutsamste militärische Niederlage seit Afghanistan erlitten. Der Militärexperte beschrieb zudem zwei Optionen, die der russische Präsident Wladimir Putin hätte, um einen militärischen und politischen Erfolg zu erreichen. Bei Friedensverhandlungen mit der Ukraine in Istanbul kündigte Russland an, sich im eskalierten Ukraine-Konflikt aus dem Norden und der Hauptstadtregion der Ukraine zurückzuziehen. Angeblich solle mehr Vertrauen für folgende Verhandlungen aufgebaut werden.

Ukraine-Krieg: Putins neue „Siegestheorie“

Der Kreml habe nun eine „Siegestheorie“. Anstelle von Kiew wolle man jetzt über den Osten und den Süden der Ukraine militärische Erfolge erreichen. Russland habe im Krieg bisher seine Ziele nicht an seine militärischen Kapazitäten gekoppelt. Aus russischer Perspektive müsse man jetzt „brutal realistisch“ sein, führte Ryan weiter aus. Russland habe eine neue Strategie, die vor allem Angriffe im Osten vorsehe. Besonders im Süden könne es jedoch auch weitere Angriffe geben. „Ein weiterer Vorstoß im Norden ist äußerst unwahrscheinlich“. Mit dieser neuen Ausrichtung gäbe es zwei Optionen für Putin.

Ukraine-Krieg: Die erste Option - die „go big option“

Die erste Option betitelte Ryan als „go big option“. Es handle sich um ein tiefes, doppeltes Umzingeln der ukrainischen Kräfte im Osten der Ukraine. Russland würde versuchen, vom Nordosten und vom Süden her auf die Stadt Dnipro vorzustoßen. In diesem Fall müssten die russischen Truppen jedoch gleichzeitig aus Luhansk und Donezk vorrücken. Zudem müsse die belagerte Hafenstadt Mariupol gesichert werden. So könnte der Kreml die sogenannten „Volksrepubliken“ Luhansk und Donezk komplett kontrollieren. Man könnte das gesamte ukrainische Territorium östlich von Dnipro einnehmen, was einen „bedeutenden militärischen und politischen Sieg für die Russen“ bedeuten würde, wie Ryan weiter ausführte.

Der Militärexperte nannte jedoch auf Zweifel an den russischen Kapazitäten: „Es würde sich jedoch um ein umfangreiches Unterfangen handeln. Dnipro ist 430 Kilometer von der Grenze Russlands entfernt. Es bräuchte eine erhebliche Verbesserung der russischen Logistik, um einen derartigen Vorstoß an mehreren Achsen über eine derartige Distanz zu unterstützen. Außerdem müsste es ein deutlich besseres, einheitliches Kommando der Bodentruppen und der Luftwaffe geben.“

Ukraine-Krieg: Die zweite Option - das minimalistische Vorgehen

Bei der zweiten Option handle es sich um ein flaches, doppeltes Umzingeln der ukrainischen Streitkräfte. Die russischen Truppen würden die ukrainische Armee im Osten durch Angriffe auf Luhansk und Donezk in die Enge treiben und einkesseln. Weiter müsse es Vorstöße im Süden und im Nordosten geben, um sich dann in der Nähe von Slowjansk zu treffen. Russland könne dann die Kontrolle über das Gebiet östlich der Linie von Izyum bis Mariupol gewinnen. Ein kleinerer – aber dennoch– , Erfolg für Wladimir Putin.

Ryan zufolge wäre das Ziel, dann sowohl Luhansk als auch Donezk komplett einzunehmen. Des Weiteren könnte man dadurch die ukrainischen Streitkräfte erheblich schwächen, da im Osten der Ukraine viele starke Einheiten stationiert seien. Dem Experten zufolge, wird Russland, unabhängig davon, welche Strategie verwendet werden wird, versuchen, ihr besetztes Gebiet im Süden zu halten. Dies würde „eine verteidigungsfähige Puffer-Region für die eroberte Halbinsel Krim“ schaffen und „verwehrt der Ukraine die Nutzung der meisten ihrer Häfen und verbindet die Krim auf dem Landweg mit Russland.“

Ukraine-Krieg: Russlands Schwächen

Russland brauche nach Ryan mehr Truppen und neue Ausrüstung. Dieser Prozess soll dem Experten zufolge nicht gut vorankommen. Zudem müsste Russland seine Truppen in die östlichen Regionen verlegen. Dies stelle einen erheblichen Zeitaufwand dar. Außerdem könne die schlechte Logistik der russischen Truppen sowie die vielen Verluste dazu führen, dass die russischen Truppen wieder anfällig für ukrainische Attacken werden. Zuletzt habe Russland noch nicht die Fähigkeit gezeigt, eine derartig langwierige und anspruchsvolle Taktik umzusetzen. (lp)

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