Russland in Sorge: Blogger melden Start der Frühjahrsoffensive
VonChristina Denk
schließen
Russische Militärblogger sehen in den aktuellen Kämpfen um Bachmut bereits eine Frühjahrsoffensive der Ukraine. Präsident Selenskyj äußert sich.
Bachmut – Unter russischen Militärblogger scheint sich die Ansicht zu festigen, die Ukraine habe ihre Frühjahrsoffensive gestartet. Seit Wochen wird der Angriff erwartet. Das russische Militär rechnet unter anderem an der Frontlinie in Saporischschja mit einem Gegenstoß. Selenskyj sagte jedoch noch am Donnerstag (11. Mai), dass die Offensive im Ukraine-Krieg noch auf sich warten lasse. Ein Überblick der Lage.
Ukraine-Krieg: Militär-Blogger schreiben von Beginn der Offensive – doch nicht alle sind sich einig
„Wir gehen davon aus, dass die feindliche Gegenoffensive begonnen hat“, schrieb der russische Kriegsblogger Evgeny Poddubny am 11. Mai auf Telegram. Er berichtete von Durchbrüchen bei Soledar mit mehreren ukrainischen Panzern. Er erwarte einen baldigen Angriff im Süden der Ukraine. Das russische und ukrainische Verteidigungsministerium bestätigten zwar Geländegewinne der Ukraine nordwestlich von Bachmut bei Berchiwka, jedoch nicht bei Soledar.
Alexander Kots, ein weiterer russischer Militärblogger, sieht die Gegenoffensive ebenfalls gestartet. Die Ukraine verschärfe die Angriffe auf Bachmut. Zudem seien Kots zufolge Panzer in Richtung Norden unterwegs. Wagner-Chef Prigoschin schrieb auf Telegram ebenfalls über den Beginn der Offensive – er schien sich mittlerweile vollkommen sicher. „Wir sehen die höchste Aktivität der feindlichen Luftfahrt, wir sehen seine höchste Aktivität an der Peripherie und innerhalb unserer Front“, so Prigoschin.
Zerstörung und Vernichtung: Bilder aus Kiew, Butscha und Borodjanka
Anders sieht das Igor Strelkov, der frühere militärische Chef der separatistischen Volksrepublik Donezk. „Schon ein Blick auf die Karte reicht aus, um zu verstehen, dass es sich bisher um lokale (wenn auch erfolgreiche) Gegenangriffe handelt“, heißt es von Strelkov. Die Manöver seien rein taktisch und noch keine Gegenoffensive.
Selenskyj über Frühlingsoffensive: „Also brauchen wir noch ein bisschen mehr Zeit.“
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, kündigte am Donnerstag gegenüber der BBC eine Verzögerung der Offensive an. Die Armee sei bereit, brauche allerdings unter anderem noch gepanzerte Fahrzeuge, die in Schüben eintreffen. Mit dem, was da ist „können wir weitermachen und erfolgreich sein. Aber wir würden viele Leute verlieren“, so Selenskyj gegenüber der BBC. Das sei nicht akzeptabel. „Also brauchen wir noch ein bisschen mehr Zeit.“
Die Ukraine sei zunehmend besorgt, dass mit einer Gegenoffensive mit geringen Geländegewinnen die Waffenlieferungen des Westens weniger werden und der Druck steigt, einen unvorteilhaften Friedensdeal mit Russland zu akzeptieren. Das werde die Ukraine nicht mitmachen, so Selenskyj. Wann die Gegenoffensive letztendlich starten soll, ließ der Präsident nicht verlauten. Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow hatte Ende April angekündigt, dass „die Vorbereitungen zu Ende gehen“. „Die Ausrüstung wurde versprochen, vorbereitet und teilweise geliefert. Im weitesten Sinne sind wir bereit“, sagte er.
Ukraine-Krieg: Keine Gegenoffensive, aber Geländegewinne? – Die Situation im Osten der Ukraine
Laut Einschätzung des Militärökonomen Marcus Keupp laufen in der Ukraine bereits erste Vorbereitungsschläge für die Offensive. In den vergangenen Wochen seien in Russland und den besetzten Gebieten Infrastrukturobjekte beschossen worden. Die leichten Geländegewinne seien die nächste Phase: Aufklärung durch Kampf und Suche russischer Schwachstellen.
Nordwestlich von Bachmut bei Berchiwka räumte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, einen Rückzug russischer Einheiten ein. Um die Stadt Soledar habe es Kämpfe, aber keine Verschiebung der Stellungen gegeben. Es wird erwartet, dass die Ukraine in den nächsten Wochen weiter auf kleine Nadelstiche an den Frontlinien setzen wird. Reagiert die russische Seite darauf nicht, werden die Ukrainer vormarschieren und Gelände zurückerobern. Ziehen die Russen Verstärkung zusammen, suchen ihre Gegner in Kiew den nächsten Angriffspunkt. Ziel sei es, die russischen Truppen so zu ermüden, dass sie den entscheidenden Durchbruch verpassen. (chd/dpa)