„Nazis sind unter uns“

Herabsetzung und Prügel: Unhaltbare Zustände in Putins Militär gemeldet – Armee vor Zerreißprobe

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Konflikte innerhalb der russischen Truppen? Soldaten aus Nordossetien-Alanien sollen von der Militärpolizei verprügelt worden sein. (Symbolbild)
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Nahe der Front im Ukraine-Krieg soll es zu Gewalt in Einheiten der Russen gekommen sein. Ein Soldat erhebt schwere Vorwürfe gegen Putins Truppen.

Saporischschja – Wladimir Putin versucht sein Bestes, um im Ukraine-Krieg das überfallene Nachbarland als großen Feind darzustellen, gegen den sich alle Kräfte verbünden müssten, die es mit Russland halten. Doch ein im Internet kursierendes Video lässt den Schluss zu, dass es auch unter den Einheiten des Aggressors erhebliche Spannungen gibt. Den Clip verbreitet unter anderem Anton Geraschenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums.

Folter unter russischen Truppen im Ukraine-Krieg? Vorwürfe von Soldat aus Nordossetien-Alanien

Im Videomitschnitt soll ein Soldat der Republik Nordossetien-Alanien im Nordkaukasus zu sehen sein. Dessen Name wird mit Arsen Temirajew angeben, der im 70. Motorisierten Schützenregiment kämpfen soll. In der Aufnahme behauptet der Soldat, er und zwei Kameraden des 71. Motorisierten Schützenregiments seien von der russischen Militärpolizei geschlagen und gefoltert worden.

„Wir wurden wie Schweine mit dem Gesicht auf den Boden gelegt. Sie schlugen uns mit Gewehrkolben“, zitiert Geraschenko den Soldaten: „Ich dachte, die Nazis wären auf der anderen Seite. Es stellt sich heraus, dass sie unter uns sind.“ Die Übergriffe hätten sich in Tokmak in der Oblast Saporischschja ereignet. Temirajew schildert demnach weiter: „Ein Militärpolizist fragte mich nach meiner Nationalität. Ich antwortete, dass ich Ossetier sei.“ Die Antwort, die er erhalten habe, sei gewesen: „Du bist ein verdammter Idiot. Russland ist für Russen.“

Unhaltbare Zustände unter Putins Truppen? Russen vor Zerreißprobe

Auch der Telegram-Kanal der Freiwilligen-Bataillone aus Nordossetien-Alanien thematisierte die Vorwürfe unter Bezugnahme auf Sergei Menjailo, den von Putin ernannten Präsidenten der knapp 8000 Quadratkilometer großen Republik. Demnach soll Hintergrund des Angriffs auf Temirajew und die beiden anderen Soldaten die angebliche Aussage einer Frau gewesen sein, die den Männern Perversion gegenüber ihren Kindern vorwarf.

Den Kanal-Betreibern wurde nach eigenen Angaben von Kommandeuren bestätigt, dass es zu einem Konflikt zwischen Soldaten des 3. Bataillons des 71. Regiments und der Militärpolizei des 70. Regiments gekommen sei.

Die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) berichtete derweil, Menjailo habe den Vorfall dem Kommando des Südlichen Militärbezirks gemeldet. Dieses habe den Kommandeur der 58. Armee informiert und den Vorfall als inakzeptabel für jeden russischen Soldaten bezeichnet. Die US-Experten fügen hinzu, dass interethnische Spannungen in den russischen Einheiten an der Front negative Folgen für den Zusammenhalt und den Kriegsverlauf aus russischer Sicht haben könnten.

Russland im Ukraine-Krieg: Kadyrow verliert wohl an Ansehen – mit Folgen für Sohn?

Für Schlagzeilen hatte zuletzt auch einer der Söhne des Tschetschenen-Führers Ramsan Kadyrow gesorgt. Der laut ukrainischen Geheimdienstinformationen schwer kranke Machthaber postete eine Aufnahme, die Adam Kadyrow dabei zeigt, wie er einen Häftling verprügelt, weil dieser einen Koran verbrannt haben soll. Der mächtige Vater und Putin-Vertraute lobte die Tat des 15-Jährigen ausdrücklich.

Der ISW spekuliert nun, dass interethnische Spannungen angesichts des Vorfalls auch Kadyrow politisch schaden könnten. Es seien seit längerem Spannungen zwischen tschetschenischen und nicht-tschetschenischen Beamten zu erkennen. So sei es möglich, dass der sogenannte „Bluthund“ seinen Sohn nicht vor einer Bestrafung durch Russland schützen könnte. (mg)

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