„Bereits geeinigt?“

Diktatoren-Treffen in Russland: Was Kims Besuch so brisant macht – und welche Waffen er Putin liefern könnte

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Kim Jong-un ist in Russland angekommen. Er könnte mit Putin Waffen-Deals schließen. Experten sprechen von „sehr ernsthaften Verhandlungen“ und bereits gefallenen Entscheidungen.

Moskau – Am Dienstagmorgen (12. September) rollte der gepanzerte, grüne Zug des nordkoreanischen Machthabers über die russische Grenze. Einige Stunden dauerte es noch, bis sich Russland zur Ankunft Kim Jong-uns äußerte. Dann hieß es von Kremlsprecher Dmitri Peskow gegenüber Interfax: „Ich bestätige das.“ Nun sind die beiden Machthaber also im gleichen Land. Doch wann werden sie aufeinander treffen? Was wird von einem Treffen zwischen den zwei isolierten Staaten erwartet? Und was hat Nordkorea Russland anzubieten?

Kim Jong-un in Russland: Wann und wo ist das Diktatoren-Treffen mit Putin geplant?

Bereits vor der Ankunft Kims wurde spekuliert, dass sich die beiden Machthaber am Mittwoch (13. September) zum Ende des „Östliches Wirtschaftsforums“ in Wladiwostok treffen könnten. Den Termin bestätigte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag zwar nicht. Jedoch gab er an, dass das Treffen im Fernen Osten Russlands stattfinden werde. Der genaue Ort werde ebenfalls noch nicht bekannt gegeben, wurde der Sprecher von der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zitiert. Geplant seien Treffen der beiden Delegationen, Einzelgespräche und ein offizielles Abendessen.

Die nordkoreanische Nachrichtenagentur veröffentlichte Bilder von Kim Jong Un bei der Abfahrt am 10. September Richtung Russland.

Kim Jong-un ist in Begleitung von Vertretern der herrschenden Arbeiterpartei, der Regierung und des Militärs unterwegs. Bilder zeigten, dass er unter anderem von Außenministerin Choe Sun Hui begleitet wird. Für Kim ist es der erste Besuch in Russland seit 2019. Brisant macht das Treffen vor allem, dass beide Staaten international als isoliert gelten und Russland über neue Waffen verhandeln könnte.

Diktator-Treffen in Russland: Welche Waffen könnte Nordkorea Putin liefern?

Russland und Nordkorea eint vor allem ein Ziel: Den Einfluss der USA zu verringern. Bei den Gesprächen dürfte es Experten zufolge daher vor allem um neue Handelsbeziehungen gehen – um Waffen, Arbeitskräfte und Nahrungsmitteltransfers.

Was will Russland? Im Ukraine-Krieg beklagt das russische Militär seit Wochen, dass die Schlagkraft sinkt und Geschosse rationiert werden. Die Munition und Ausrüstung des Angreifers scheint knapper zu werden. Die Rüstungsindustrie kann den Verlust nicht ausgleichen.

Ukraine-Krieg reicht jetzt bis nach Moskau: Fotos zeigen den Schaden durch Drohnen-Angriffe

Mehrere Wohngebäude werden geringfügig beschädigt, zwei Menschen leicht verletzt.
Am frühen Dienstagmorgen meldete die russische Hauptstadt verschiedene Drohnenangriffe. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück.
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock.
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock. © IMAGO/Aleksey Nikolskyi/SNA
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden.
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden. © Tass/IMAGO/Vitaly Smolnikov
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab.
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab. © IMAGO/Denis Bocharov
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen.
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen.
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder.
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause.
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über.
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass

„Wenn Kim kommt, haben sie sich bereits geeinigt“ – Umfang der Zusammenarbeit unklar

Nordkorea auf der anderen Seite hat seit Langem einen Vorrat an Munition und sich auf die Modernisierung sowjetischer Waffensysteme spezialisiert. Die Waffensysteme Nordkoreas sind daher mit denen Russlands kompatibel. Sind das die Anzeichen für einen Deal? Sergej Markow, ein mit dem Kreml verbundener politischer Analyst, sagte gegenüber der Washington Post, Kim Jong Un und Wladimir Putin führten „sehr ernsthafte Verhandlungen.“ Und weiter: „Wenn Kim kommt, bedeutet das, dass sie sich bereits geeinigt haben“.

Jack Watling, Experte für Landkriegsführung am Royal United Services Institute, gab an, dass Russland bereits Unterstützung aus Nordkorea erhalte. Eine Vermutung, die in den letzten Monaten auch häufig vom US-Geheimdienst geäußert wurde. Die Frage sei also, ob es sich bei Waffenlieferungen Nordkoreas um „begrenzte Mengen oder um eine zuverlässige, beständige Versorgung handelt“, die Moskau „mehr Sicherheit und Planung“ geben würde, so Watling.

  • Waffen, an denen Russland laut ZDF und Washington Post interessiert sein könnte:
  • Kurzstrecken-Raketen (Typ KN-23) – ähneln dem russischen Iskander-Raketensystem
  • Geschosse für die Artillerie (152 bis 122 mm) und Panzer (100 bis 150 mm) – aus Sowjetunion-Zeiten
  • Panzer oder gepanzerte Mannschaftstransporter

Diktatoren-Treffen in Russland: Welche Gegenleistungen erwartet Nordkorea?

Was will Nordkorea? Kim Jong Un könnte die Gespräche mit Putin vor allem als Absicherung sehen. Russland dürfte als „Gegengewicht zu China dienen“, so Atsuhito Isozaki, Professor für Nordkoreastudien, gegenüber der Washington Post. Zwischen China und Nordkorea hatte es Meinungsverschiedenheiten über die Entwicklung von Atomwaffen gegeben. Konkret dürfte Nordkorea also auf drei Hilfen von Russland hoffen:

  • Technische Hilfen: Russland hilft Nordkorea seit 2019 seine nukleare und waffentechnische Entwicklung voranzutreiben. Kim könnte sein Waffenarsenal weiter erweitern wollen, so Washington Post.
  • Wirtschaftliche Hilfen: Nach der langen Corona-Isolation Nordkoreas hat sich die Narungsmittelknappheit verschärft. Russland könnte mit mehr Weizenmehl- und Milchpulverlieferungen helfen, so Kang Dong-wan, Nordkorea-Experte aus Busan.
  • Arbeitskräfte senden: Nordkorea könnte weitere Arbeiter nach Russland schicken, um benötigte Devisen zu verdienen. Russland setzt seit langem nordkoreanische Arbeiter als billige und zuverlässige Arbeitskräfte ein.

Es bleibt abzuwarten, was die beiden Machthaber bei Einzeltreffen und Abendessen besprechen werden. Wie das ZDF berichtet, ist es unwahrscheinlich, dass dabei Entscheidungen ohne den Segen Chinas fallen werden. Beide Länder sehen in China einen wichtigen Handelspartner und könnten sich derzeit nicht leisten, Xi Jinping zu verärgern, heißt es.

Internationale Reaktionen auf Putin-Kim-Treffen: USA spotten – und kündigen Sanktionen an

International mokierte sich vor allem die USA über das Diktator-Treffen. Putin würde „unterwürfig“ durch sein ganzes Land reisen, um beim „international geächteten“ Kim Jong-un „um Hilfe zu betteln“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller, am Montag in Washington zu Journalisten.

Gleichzeitig warnten die USA vor Waffenlieferungen. „Jedes Übertragen von Waffen von Nordkorea an Russland wäre eine Verletzung mehrerer Resolutionen des UN-Sicherheitsrats“, so Miller. Die USA würden nicht zögern, gegen beide Länder neue Sanktionen zu verhängen. Indes geht der ukrainische Geheimdienst davon aus, dass Russland nur noch maximal ein Jahr durchhält. (chd/dpa)

Rubriklistenbild: © Kcna/AFP

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