Als Forschungsschiff getarnt?

London wehrt Putin-Vorhaben ab: Wollte Russland britische Hightech-Raketenwerfer ausspionieren?

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Das russische Forschungsschiff „Admiral Vladimirskiy“ fährt auf dem Meer.
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Das Erscheinen eines russischen Forschungsschiffs vor der Ostküste Großbritanniens alarmierte die Royal Navy. Spionierte es Hightech-Raketenwerfer aus?

London - Russland hat offenbar versucht, in der Nordsee neueste britische Militärtechnologie auszuspähen. Das berichtet die britische Boulevardzeitung Daily Express. Unter Verdacht steht das russische Forschungsschiff „Admiral Vladimirskiy“, das sechs Tage lange vor der Ostküste Schottlands patrouillierte.

Laut dem Blog The Auxiliary Shipping Forecast, der über die Aktivitäten russischer Schiffe berichtet, verließ die „Admiral Vladimirskiy“ am 9. November das Skagerrak mit Kurs Westen. Was ihre Aufgabe war, ist nicht bekannt, jedenfalls befand sie sich drei Tage lang vor der Nordostküste Schottlands. In britische Hoheitsgewässer drang sie nicht ein, sie befand sich jedoch in Überwachungsreichweite der Militärbasis in Lossiemouth.

Russisches Forschungsschiff führt auch verdeckte Unterwasseraufklärung durch

Wie der Blog weiter schreibt, verläuft in der Bucht Moray Firth ein Versorgungskabel für das Orkney-Archipel, die Shetlandinseln sowie die Färöer. Die Royal Navy vermutete, dass die „Admiral Vladimirskiy“, die auch für verdeckte Unterwasseraufklärungsaktivitäten verwendet wird, im Auftrag von Kremlchef Wladimir Putin die kritische Unterwasser-Infrastruktur auskundschaftete, schreibt der Daily Express. Dass dies nicht als abwegig erscheint, zeigt die Strategie Russlands im Ukraine-Krieg, wo gezielt kritische Infrastruktur attackiert wird.

Die britische Marine sei sich jedoch sicher, dass das russische Schiff eine noch wichtigere Mission hatte: nämlich Schiffe der Royal Navy auszuspähen. Nach drei Tagen verließ das Forschungsschiff die Bucht, fuhr in Richtung Süden und machte 30 Seemeilen östlich von Montrose halt.

Wollte Russland einen neuen Hightech-Raketenwerfer der Royal Navy ausspähen?

Das Schiff „Madfox“ kann Lenkraketen tragen und ferngesteuert werden.

Das Auffällige: Zur gleichen Zeit führte in dem Gebiet das britische Forschungsschiff „HMS Enterprise“ Tests an verschiedenen autonomen Schiffen und Booten durch, darunter neben Unterwasser-Fahrzeugen auch der neue autonome Raketenwerfer der Royal Navy. Das mit rund 12,5 Meter eher kleine Schiff „Madfox“ kann Lenkraketen tragen und von zwei Seeleuten ferngesteuert werden. Mit ferngesteuerten Drohnen soll Ende Oktober auch der Hafen in Sewastopol auf der Krim angegriffen worden sein.

Nach zwei Tagen verließ die „Admiral Vladimirskiy“, die dem russischen Auslandsgeheimdienst GRU und damit auch Putin untersteht, das Gebiet wieder. Der Daily Express schreibt unter Berufung auf Quellen der britischen Marine, dass „die russische Mission aufgrund von Gegenmaßnahmen eingeschränkt“ wurde. Konkret wurde das Entsenden der Schiffe „HMS Queen Elizabeth“ und „HMS Northumberland“ genannt. (mt)

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