Tot wegen Silvester-SMS? Russland bestätigt bisher größten Verlust im Ukraine-Krieg
VonChristina Denk
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Russland hat den Verlust von Soldaten durch den Neujahrsangriff der Ukraine im Donbass bestätigt. Es wird spekuliert, dass die Offensive durch Silvester-SMS ermöglicht wurde. Was bislang bekannt ist.
Makijiwka – Es ist der größte, anerkannte Verlust Russlands seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs: Im besetzten Makijiwka wurde in der Nacht zu Neujahr ein russischer Stützpunkt von ukrainischer Seite beschossen. Zahlreiche russische Soldaten starben. Die Ukraine spricht von 400 Toten, Russland bestätigte 63 getötete Kräfte. Waren am Ende Silvester-SMS Schuld am präzisen Einschlag? Russische Militärblogger und Regierungsvertreter kritisieren die eigene Militärführung scharf.
Tot wegen Silvester-SMS? Handynutzung der Soldaten könnte sie verraten haben
Der Angriff soll möglich gewesen sein, weil die gerade eingetroffenen Soldaten intensiv ihre Mobiltelefone benutzten, SMS schrieben und zu Silvester mit der Familie telefonierten. Das erklärte eine anonyme Quelle der pro-russischen Separatisten in Donezk gegenüber der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. Oe24 berichtet von einer Versammlung aufgrund einer Silvesterparty in der Berufsschule, in der die US-Raketen des Typs Himars einschlugen.
Durch die starken Handysignale hätten die ukrainischen Kräfte die russischen Soldaten orten können. Denkbar wäre allerdings auch Aufklärung am Boden und aus der Luft mittels Satellitenbildern, schreibt der Spiegel.
Tot wegen Silvester-SMS? Russische Bevölkerung kritisiert eigene Militärführung scharf
Russische Neuankömmlinge sollen indes immer wieder in großen Gruppen in der Ukraine stationiert werden. Demnach fehlten Vorgesetzte, um die Reservisten stärker zu verteilen. In Makijiwka war wohl zusätzlich Munition in der Nähe gelagert, schrieb unter anderem der Spiegel. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks
Die massenhafte Unterbringung der russischen Soldaten wird nach dem Neujahrs-Angriff aus den russischen Reihen stark kritisiert. „Zehn Monate nach Beginn des Krieges ist es gefährlich und kriminell, den Feind als einen Dummkopf zu betrachten, der nichts sieht“, sagte Andrej Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des Moskauer Stadtparlaments.
Mehrere russische Kriegsreporter, deren Einfluss im Land zuletzt gewachsen ist, warfen ranghohen Militärkommandeuren vor, nicht aus früheren Fehlern gelernt zu haben. Der populäre russische Telegram-Kanal Greyzone bezeichnete das Vorgehen als selbstverschuldetes Sicherheitsrisiko, berichtet der Spiegel.
Ukrainischer Neujahrsangriff in Makijiwka: Wie hoch sind die russischen Verluste?
Laut Angaben des Kanals Greyzone soll die in Makijiwka untergebrachte Gruppe 500 Mitglieder gehabt haben. Mindestens 130 seien getötet worden, so der Kanal. Auch der frühere Anführer pro-russischer Separatisten in der Ostukraine, Igor Strelkow, sprach von hunderten Getöteten. Russland bestätigte offiziell 63, die Ukraine 400 und berichtete kurz darauf von weiteren 500 gefallenen und verletzten russischen Soldaten.
Angesichts dieser Einschätzungen warfen Nutzer von Onlinenetzwerken Russland vor, die Zahl der Toten herunterzuspielen. „Mein Gott, wer wird die Zahl von 63 glauben? Das Gebäude wurde vollständig zerstört“, schrieb eine Frau im in Russland populären Dienst VKontakte. Laut Igor Strelkow soll Makijiwka nicht der einzige Standort sein, an dem russisches Personal und Munition in der Reichweite der ukrainischen Armee und den US-Raketen stationiert seien, zitiert der Spiegel. Indes berichtet der dänische Geheimdienst, Putins Medikamente könnten einen Beitrag zum Ukraine-Krieg gehabt haben. Zu Beginn des Einmarsches unterzog sich der russische Präsident einer Hormontherapie. Als Nebenwirkung wird auch Größenwahn gelistet. (chd mit dpa)