VonNadja Orthschließen
Russland bereitet sich mit Minen auf die Gegenoffensive der Ukraine vor - und sprengt aus Sorge vor Angriffen aufs eigene Land eine Straße nahe der Grenze.
Kiew - Putins Truppen bereiten sich mit Sprengungen und enormen Minenfeldern im Ukraine-Krieg offenbar strategisch auf die angekündigte Sommeroffensive vor. Während russische Soldaten nahe der Grenze zu Weißrussland und Russland eine bedeutende Straße zerstört haben, erstellen sie in anderen Gegenden großflächige Minenfelder, die sich über Hunderte von Kilometern vom Schwarzen Meer bis zur Nordgrenze der Ukraine erstrecken.
Russland auf dem Rückzug? Putin lässt Straße nahe russischer Grenze sprengen
Der ukrainische Grenzschutzdienst veröffentlichte am Mittwoch ein Video, das die Sprengung einer Straße nahe des Denkmals „Three Sisters“ vom Dienstag (30. Mai) zeigen soll. Das Monument befindet sich in der Region Tschernihiw am Schnittpunkt der russischen, ukrainischen und weißrussischen Grenze und war ursprünglich als ein Symbol der Freundschaft zwischen den drei Ländern gebaut worden. Es sei bei der Explosion nicht beschädigt worden.
Andrij Demtschenko, Sprecher des ukrainischen Grenzschutzes, vermutet hinter der Zerstörung der Straße die Sorge Russlands, dass die Ukraine über diesen Weg eine Offensive auf russische Gebiete nahe der Grenze starten könnte. „Sie sind von ‚Wir nehmen Kiew in drei Tagen ein‘ zu ‚Sprengt die Straße, damit sie uns nicht gefangen nehmen‘ übergegangen“, schreibt Demtschenko in der Mitteilung. Russland und Weißrussland äußerten sich bislang nicht zu der Sprengung der Straße.
Russland sprengt Straße und verlegt tausende Landminen in der Ukraine
Die Sprengung der Straße erfolgte am selben Tag, an dem Russland mehrere Drohnenangriffe über Moskau abgewehrt hatte. Ist damit die Angst vor weiteren Angriffen auf zivile Gegenden in Russland gestiegen? Die Sprengung der Straße spricht zumindest dafür. Putin scheint die angekündigte Gegenoffensive des ukrainisches Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ernst zu nehmen. Während im Norden die Straße gesprengt wurde, bereiten russische Truppen seit einiger Zeit neben Verteidigungsanlagen großflächige Minenfelder zur Vorbereitung gegen Offensiven der Ukraine vor.
Wie die Moscow Times berichtet, haben Soldaten vom Schwarzen Meer bis zur Nordgrenze der Ukraine tausende Landminen gelegt. „Was wir hier sehen, ist industrielles Minenlegen“, zitiert die Zeitung den Leiter des Ukraine-Programms von der Organisation HALO Trust zur Räumung von Landminen. Sie sind damit Teil des Abwehrsystems mit Schützengräben und Panzersperren, die Russland in der Süd- und Ostukraine gebaut hat.
Mit den Abwehrsystemen und Minenfeldern sollen ukrainische Truppen bei Offensiven geschwächt und anfällig für Gegenangriffe gemacht werden. Dabei werden die Landminen neben dem militärischen Effekt voraussichtlich auch Hunderte von zivilen Todesopfern, schreibt die Zeitung und verweist dabei auf die Einschätzung von Experten. Die Kosten für eine sichere Entfernung der Minen werde auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt.
Ukraine-Krieg: Verwendung von Landminen „verstößt gegen das humanitäre Völkerrecht“
Bereits im Dezember behauptete der ukrainische Premierminister Denys Shmyhal laut der Moscow Times, dass Russland in der Ukraine das „größte Minenfeld der Welt“ geschaffen habe. 40 Prozent des Landes seien demnach mit Minen verseucht. Unabhängig bestätigt wurden die Behauptungen nicht. Nach Angaben der internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL) aus dem vergangenen Herbst hat Russland in der Ukraine aber mindestens sieben verschiedene Arten der international geächteten Landminen eingesetzt.
Die Organisation Human Rights Watch dokumentierte bis Januar unterdessen zahlreiche Einsätze von Antipersonenminen im Ukraine-Krieg von beiden Seiten. Sie sind auch als „Schmetterlingsminen“ oder „Blattminen“ bekannt und werden meist nicht von Hand verlegt, sondern zum Beispiel von Flugzeugen oder Raketen abgeworfen. Laut der Organisation verstößt der Einsatz der Waffe „gegen das humanitäre Völkerrecht, da diese Waffen nicht zwischen Zivilpersonen und Kombattanten unterscheiden können“. Anders als Russland hat die Ukraine jedoch ein Übereinkommen ratifiziert, in dem der Einsatz dieser Minen verboten wurde. Nach den Vorwürfen von Human Rights Watch kündigte die Ukraine damals an, die Fälle zu untersuchen. (nz)
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