Streumunition für die Ukraine: Spanien protestiert – „unter keinen Umständen“
Wenn es um die umstrittenen Bomben im Ukraine-Krieg geht, gehen die Nato-Meinungen weit auseinander. Ein Teil der Nato-Mitglieder hat einen Vertrag zur Ächtung von Streumunition unterschrieben, will sie weder produzieren noch liefern, andere Staaten wie die USA sind weniger strikt. Eine gemeinsame Position, die gebe es dementsprechend nicht, bestätigte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Freitag (7. Juli) laut dpa. Es sei aber auch nicht die Aufgabe der Nato, über Waffen-Lieferungen zu entscheiden. Das sei die „Sache der einzelnen Verbündeten“, so Stoltenberg.
Cluster- oder Streumunition
Cluster- oder Streumunition ist eine Waffe, die mit Raketen oder Flugzeugen eingesetzt werden kann. Die Munition öffnet sich in der Luft und verstreut dutzende bis hunderte Submunitionen über ein Gebiet von der Größe eines Stadtblocks. Viele Submunitionen explodieren beim ersten Aufprall nicht und hinterlassen Blindgänger, die wie Landminen wirken und für Jahre oder sogar Jahrzehnte eine Gefahr für die Zivilbevölkerung darstellen, informiert Human Rights Watch.
2010 trat ein internationales Übereinkommen zum Verbot der Herstellung, Weitergabe und des Einsatzes von Streumunition in Kraft. 110 Vertragspartner unterzeichneten das Abkommen. Etwa zwei Drittel der Nato-Partner sind Teil des Abkommens. Russland, die USA und die Ukraine sind kein Teil davon.
Während Stoltenberg scheinbar versucht, die Nato aus der Diskussion um Waffenlieferungen herauszuhalten, reagierten einige Mitgliedsstaaten bereits scharf auf die US-Entscheidung. Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles sagte laut Sky News, Cluster-Munition dürfe „unter keinen Umständen“ in die Ukraine geliefert werden. „Nein zu Streubomben und ja zur legitimen Verteidigung der Ukraine“, so Spaniens Verteidigungsministerin.
Rishi Sunak, der britische Premierminister, riet ebenfalls von der Lieferung ab. Sunak sagte laut Sky News, Großbritannien unterstütze Kiew stattdessen mit Panzern und Langstreckenwaffen. Spanien und Großbritannien sind beide Teil des Vertrags zur Ächtung von Cluster-Munition.
Streumunition: US-Entscheidung kurz vor Nato-Gipfel – Haltung der Bundesregierung unklar
Die deutsche Bundesregierung wollte die US-Entscheidung am Freitag nicht kritisieren. „Wir sind uns sicher, dass sich unsere US-Freunde die Entscheidung über eine Lieferung entsprechender Munition nicht leicht gemacht haben“, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Als Vertragspartner des Abkommens zur Ächtung sei die Haltung der Bundesregierung bereits klar, so der Sprecher lediglich. Grünen-Politiker Anton Hofreiter forderte am Samstag von Olaf Scholz beim bevorstehenden Nato-Gipfel klare Ansagen zu Waffenlieferungen zu machen.
Die Vertreter der Nato-Mitgliedsstaaten werden am 11. und 12. Juli beim Gipfel in Litauen aufeinander treffen. Thema der Versammlung ist die weitere Ukraine-Unterstützung. Es wird erwartet, dass sich Joe Biden dort auch den Fragen seiner Bündnispartner zur Cluster-Munition stellen wird, berichtet Euronews.
Jens Stoltenberg und Joe Biden bei einem Treffen Mitte Juni. Nach Bidens Ankündigung zur Lieferung von Streumunition gehen die Meinungen in der Nato derzeit auseinander.
Streumunitions-Lieferung: Russland droht mit Verstrickung der USA in den Krieg
Streumunition ist nichts komplett Neues im Ukraine-Krieg. Beide Parteien sollen die Waffe bereits verwendet haben. In welchen Einsätzen dies passierte, lässt sich nicht abschließend bestätigen. Zwischen den Kriegsparteien gebe es jedoch einen deutlichen Unterschied, betonte Stoltenberg.
Russland nutze Streumunition in seinem „brutalen Angriffskrieg“ zur Invasion, während die Ukraine zur Selbstverteidigung darauf zurückgreife. Auch für die US-Lieferung hat die Ukraine laut Sky News angekündigt, Streumunition nur zur Befreiung der besetzten Gebiete einzusetzen. „Diese Munition wird nicht auf dem offiziell anerkannten Territorium Russlands eingesetzt werden“, betonte Oleksii Reznikov, der ukrainische Verteidigungsminister. Mit dem Einsatz zur Selbstverteidigung begründete auch Joe Biden seine Entscheidung.
Nato: Die wichtigsten Kampfeinsätze des Verteidigungsbündnisses
Russland bezeichnet die US-Lieferung dagegen als weitere Eskalation des Krieges. Auch ohne die Streumunition seien die USA tief verstrickt in den Konflikt und brächten „die Menschheit näher an einem neuen Weltkrieg“, hieß es aus Russland. Der russische Ex-Präsident Dmitri Medwedew warf den USA vor, einen Atomkrieg zu provozieren. Auch angesichts der Reaktion Russlands wird die Streumunitions-Lieferung wohl auf dem Nato-Gipfel Mitte Juli eine Rolle spielen. Nach dem Gipfel sollen zudem Regionalpläne zur Verteidigung des Nato-Territoriums vorliegen. (chd/dpa)