VonSandra Katheschließen
China gilt als potenziell wichtiger Abnehmer für russische Gas-Exporte. Doch eine für Putin wichtige Pipeline nach Osten gibt noch immer Rätsel auf.
Peking/Moskau – Des Westen verhängt im Ukraine-Krieg immer wieder neue Sanktionen. Doch Russland und China haben in den vergangenen Monaten immer wieder ihre wirtschaftliche und politische Partnerschaft betont. Peking sendet aber auch für Wladimir Putin bedenkliche Signale.
Sichtbar wird das zuletzt immer wieder anhand eines Bauprojekts, von dem bereits seit einem guten Jahrzehnt gesprochen wird: Es geht um die Pipeline „Power of Siberia 2“, die über Sibirien und die Mongolei nach China führen soll. Die stand wohl auch vergangene Woche bei einem Besuch von Russlands Ministerpräsident Michail Mischustin in Peking auf der Tagesordnung. Doch weil China das Projekt scheinbar weiterhin nicht für spruchreif hält, war das Ergebnis des Treffens für Russland wohl einigermaßen ernüchternd. Das berichtete zuletzt die Financial Times.
Russland unter Druck: Wegfall europäischer Märkte schwer zu kompensieren
Wenn es nach den Plänen Russlands und des staatlichen Gas-Export-Unternehmens Gazprom ginge, würden schon bald mehrere neue Pipelines russisches Gas gen Osten pumpen. Die größte der geplanten neuen Anlagen sei die „Power of Siberia 2“, berichtet auch der Nachrichtensender ntv. Die sei vor allem deshalb wichtig, weil sie China mit Ölfeldern verbinden würde, die vor dem Ukraine-Krieg hauptsächlich Gas für Europa geliefert haben.
Viele Direktverbindungen gen Osten beginnen bei Gasfeldern, die nie für Europa gearbeitet haben – und so auch nur indirekt die eingebrochene Nachfrage europäischer Staaten ersetzen können. Russland kann sie nur teilweise durch undurchsichtige Handelsrouten und weiterhin bestehende Handelsverbindungen zu einzelnen EU-Staaten decken. Doch während Wladimir Putin die Pipeline wieder und wieder angesprochen hat, hüllt sich die chinesische Regierung um Xi Jinping in Schweigen.
Russland und China: Experten äußern Prognosen
Das hat sich laut Financial Times nun auch beim Besuch Mischustins wiederholt. Er konnte erneut kein klares Ja zur neuen Gasverbindung zwischen und China und Russland mitbringen. Experten deuten die Zurückhaltung als Demonstration der chinesischen Handelsposition. Der Financial Times sagte etwa eine China-Expertin der Denkfabrik European Council on Foreign Relations, Alicja Bachulska, die chinesische Zögerlichkeit könne darauf abzielen, Chinas Beteiligung an den Baukosten zu drücken. Gergely Molnar von der Internationalen Energieagentur, einer auf Energie spezialisierten Forschungsplattform, geht sogar so weit, vorauszusagen, dass sich China auch weiter auf eine Vielzahl Gaslieferanten stützen werde und nicht plane, sich in irgendeiner Form abhängig zu machen.
Indes haben China und Russland den Staatsbesuch Mischustins jedoch sehr wohl genutzt, um bilaterale Abkommen in anderen Bereichen zu unterzeichnen. Das berichtete etwa der britische Guardian. Zu den Sektoren, in denen die beiden Staaten künftig neue Kooperationen beschlossen haben, zählen generelle Handelsbeziehungen, landwirtschaftliche Exporte und Zusammenarbeit bei Sportthemen. (saka)
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