VonPatrick Mayerschließen
Die Ukraine gewährt einem Reporter-Team, eine ganze Staffel an Überwasser-Drohnen zu filmen. Das Video enthält Anschauungsmaterial für die Truppen Moskaus.
Odessa - „Sea Baby“: Ein Kriegsgerät mit vermeintlich harmlosen Name bereitet Russland im Ukraine-Krieg richtig Probleme. Denn: Dahinter verbirgt sich die offenbar sehr schlagkräftige Überwasser-Drohne der ukrainischen Streitkräfte.
Ukraine-Krieg: Geheimdienst SBU präsentiert Flotte an Überwasser-Drohnen
Mitte August hatte der Geheimdienst SBU offiziell erklärt, dass der Aufsehen erregende Angriff auf die russische Krim-Brücke in der Nacht auf den 17. Juli mit der neuartigen Drohne „Meeresbaby“ gelang. Damals war die Auto-Fahrbahn der Brücke von Kertsch nach einem mutmaßlichen Sprengstoff-Treffer auf einen der Brückenpfeiler stellenweise eingebrochen.
In einer Dokumentation des Fernsehsenders 1+1 mit dem Titel „Crimean Bridge Encore“ aus der Serie „SBU. Spezialoperationen des Sieges“ hat der ukrainische Geheimdienst zuletzt Details zur Attacke auf die Krim-Brücke veröffentlicht. Jetzt lud der SBU sogar ein Kamerateam der britischen Tageszeitung The Times in ein Lagerhaus ein, um überraschend öffentlich seine „Sea-Baby“-Flotte zu präsentieren.
Sea drones Magura V5. Ukraine💪#UkraineWar pic.twitter.com/sRFj6H9IWx
— Dr. Khaled Alfaiomi (@Alfaiomi) December 8, 2023
Das Video, das bei X (vormals Twitter) kursiert, enthält auch mehrere womöglich wertvolle Hinweise für die russische Marine, deren Schwarzmeerflotte auf und um die Krim wiederholt Ziel von Attacken mit der „Sea Baby“ war. Zu sehen ist zum Beispiel, dass das unbemannte Überwasser-Gefährt den Bug eines kleines Bootes hat. Vorne sind offenbar Kontakt-Bolzen montiert, die bei einem Aufschlag wohl den geladenen Sprengstoff detonieren lassen. Die Menge von 850 Kilogramm Sprengstoff wird seit Längerem eifrig kolportiert.
Überwasser-Drohne „Sea Baby“: Ukraine gibt russischer Marine Hinweise
Gezeigt wird weiter, dass das „Meeresbaby“ eine Kamera an Deck hat. Über diese steuert der Drohnen-Pilot die Drohne wohl ins jeweilige Ziel. Interessant für die russische Küstenverteidigung dürfte ferner die Höhe der Überwasser-Drohne von geschätzt bis zu einem Meter sein.
Schließlich suchte Russlands Militär bislang vergeblich nach einem Mittel, um sich gegen diese Waffe im Schwarzen Meer zu verteidigen – während Wladimir Putin im Nordmeer und im Pazifik seine Atom-U-Boot-Flotte offenbar ausbauen lässt.
Neben der Attacke auf die Krim-Brücke gab es rund um die Halbinsel mehrere Beispiele für Angriffe mit der „Sea Baby“. Sie sei das Ergebnis monatelanger Entwicklungsarbeit, die unmittelbar nach der völkerrechtswidrigen russischen Invasion in der Ukraine begonnen habe, erzählte der Chef des SBU, Vasyl Maliuk, dem amerikanischen Sender CNN: „Meeresoberflächendrohnen sind eine einzigartige Erfindung des Sicherheitsdienstes der Ukraine. Mit diesen Drohnen haben wir kürzlich einen erfolgreichen Angriff auf die Krim-Brücke, das große Angriffsschiff Olenegorski Gornjak und den SIG-Tanker durchgeführt.“
Überwasser-Drohne „Sea Baby“: Mehrere Attacken der Ukrainer rund um die Krim
Der SIG-Öltanker soll nach Angaben ukrainischer Beamter Treibstoff für das russische Militär transportiert haben. Die „Olenegorski Gornjak“ (zu Deutsch: Olenegorsker Bergmann), ein 112,5 Meter langes russisches Landungsschiff der Klasse Projekt 775, wurde vor der russischen Schwarzmeerküste getroffen und musste Videoaufnahmen zufolge schwer beschädigt in den Marinehafen Noworossisk abgeschleppt werden. Am 20. August teilten die ukrainischen Streitkräfte dann mit, dass an nur einem Tag „drei weitere Boote zerstört“ wurden - auch hierbei kamen im Schwarzen Meer wohl Überwasser-Drohnen zum Einsatz. (pm)
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