Unfreiwillige Unterstützerin

Bei Spezialeinsatz: Russin hilft Ukrainern mit Video von einer Yacht – „Unser bester Kamerad“

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Der ukrainische Geheimdienst gibt weitere Details zu einem spektakulären Angriff auf die Krim-Brücke bekannt. Eine Russin wird ungewollt zur Komplizin.

Krim – Sie setzen der Armee Russlands im Ukraine-Krieg mächtig zu: Drohnen. Bei X (vormals Twitter) ist auf einem Video aktuell ein russischer Soldat dabei zu sehen, wie er eine Drohne mit einer Schaufel kaputtschlägt. Mit Netzen und Gittern über Schützengräben sowie Stellungen versuchen sich die russischen (und die ukrainischen) Soldaten derweil, gegen diese Gefahr zumindest halbwegs zu schützen.

Drohnen-Angriff auf Krim-Brücke: Russische Touristin half Ukrainern wohl unfreiwillig

Jene Gefahr kommt nicht nur aus der Luft, sondern für die Russen auch auf dem Wasser. Konkret: Mitte August erklärte der ukrainische Geheimdienst SBU, dass der Aufsehen erregende Angriff auf die russische Krim-Brücke in der Nacht auf den 17. Juli mit der neuartigen Überwasser-Drohne „Meeresbaby“ (Sea Baby) vollzogen wurde. Damals hatte sich die Auto-Fahrbahn nach einem mutmaßlichen Sprengstoff-Treffer auf einen der Brückenpfeiler beträchtlich gesenkt.

Ein Tweet des BBC-Journalisten Euan MacDonald (siehe unten) soll die Drohne angeblich zeigen. In einer Dokumentation des Fernsehsenders 1+1 mit dem Titel „Crimean Bridge Encore“ aus der Serie „SBU. Spezialoperationen des Sieges“ hat der ukrainische Geheimdienst jetzt Details zur Attacke auf die Krim-Brücke veröffentlicht. Demnach waren die unfreiwilligen Informationen einer russischen Touristin mitentscheidend für das Gelingen der Attacke. Das berichten die Ukrainska Prawda und die Euromaidan Press.

Immer wieder Ziel ukrainischer Angriffe: Die Krim-Brücke Russlands in der Straße von Kertsch.

Die Ukrainska Prawda zitiert einen Spionageabwehroffizier namens Yenot: „Während unserer Vorbereitungen für die Operation stammten unsere die Informationen aus offenen Quellen. Eine der Quellen war eine Videoaufnahme einer Russin, die sich auf einer Yacht in der Nähe der Krim-Brücke entspannte. Sie filmte die inneren Strukturen des Brückenbogens. Diese Informationen gaben uns eine Vorstellung davon, an welcher Stelle die Brücke angegriffen werden musste, um maximalen Schaden anzurichten.“

Ukraine-Krieg: Geheimdienst Kiews nutzt Social-Media-Videos von Russen

Ein weiterer Spionageabwehroffizier mit dem Namen Khrom wird zitiert: „Jeder Russe mit einem Smartphone ist unser bester Freund, Kamerad und Kunde. Wir können viele Orte innerhalb Russlands selbst und in den besetzten Gebieten beobachten. Wir hoffen, dass sie weiterhin filmen, fotografieren und teilen.“

Dem amerikanischen Sender CNN lag später exklusives Filmmaterial vor, das den Moment zeigen soll, als die Seedrohne die russische Brücke zur völkerrechtswidrig annektierten Krim trifft. Der SBU lasse mitteilen, dass weitere solcher Angriffe folgen könnten, hieß es damals. Das Video soll den Bildschirm des Drohnen-Piloten unmittelbar vor dem Augenblick zeigen, in dem die mit angeblich bis zu 850 Kilogramm Sprengstoff beladene Drohne auf einen Betonpfeiler der Brücke prallte.

Krim-Brücke der Russen: Ukrainer greifen mit Überwasser-Drohne „Sea Baby“ an

Und: Es gab schon seinerzeit weitere Beispiele für Angriffe mit der „Sea Baby“. Sie sei das Ergebnis monatelanger Entwicklungsarbeit, die unmittelbar nach der Invasion begonnen habe, erzählte der Chef des SBU, Vasyl Maliuk, CNN: „Meeresoberflächendrohnen sind eine einzigartige Erfindung des Sicherheitsdienstes der Ukraine. Mit diesen Drohnen haben wir kürzlich einen erfolgreichen Angriff auf die Krim-Brücke, das große Angriffsschiff Olenegorski Gornjak und den SIG-Tanker durchgeführt.“

Der SIG-Öltanker soll nach Angaben ukrainischer Beamter Treibstoff für das russische Militär transportiert haben. Die „Olenegorski Gornjak“ (zu Deutsch: Olenegorsker Bergmann), ein 112,5 Meter langes russisches Landungsschiff der Klasse Projekt 775, wurde vor der russischen Schwarzmeerküste getroffen und musste Videoaufnahmen zufolge schwer beschädigt in den Marinehafen Noworossisk abgeschleppt werden. Am 20. August teilte die ukrainischen Streitkräfte dann mit, dass an nur einem Tag „drei weitere Boote zerstört“ wurden - auch hierbei kamen im Schwarzen Meer wohl Seedrohnen zum Einsatz.

Mitte Juli 2023 wieder zerstört: Die Krim-Brücke vom russischen Festland auf die Halbinsel im Schwarzen Meer nach einer ukrainischen Attacke mit einer Seedrohne.

Überwasser-Drohne „Sea Baby“: Ukrainer erzählen von Attacke auf Krim-Brücke

Wie die Euromaidan Press berichtet, wurde das „Meeresbaby“ beim Angriff auf die Krim-Brücke Mitte Juli von Kiew aus über ein speziell entwickeltes Kommunikationssystem gesteuert, das nicht auf den Satellitendienst Starlink angewiesen war. SBU-Chef Maliuk erklärte in der TV-Dokumentation demnach, dass die Ukrainer für die Operation fünf Sea-Baby-Drohnen einsetzten, von denen zwei als Aufklärer fungierten. Zwei der Drohnen sollen sich der Brücke demnach um drei Uhr nachts genähert haben.

Eigentlich sei die Eisenbahnbrücke das Ziel gewesen, die aber aufgrund einer Kommunikationsverzögerung nicht erreicht wurde. Stattdessen habe die Drohne die Autobahnbrücke „erfolgreich angegriffen“. Die zweite Drohne sei umgeleitet worden, weil auf der Eisenbahnbrücke kein Zug mit „brennbarer Ladung“ gefahren sei. Die Krim-Brücke war seit dem russischen Überfall auf die Ukraine wiederholt Ziel von Attacken und Anschlägen. Am 8. Oktober 2022 hatten sich auf der Autobrücke eine oder mehrere Explosionen ereignet, wodurch auf der benachbarten Eisenbahnbrücke ein Güterzug (wohl mit Dieselkraftstoff) in Brand geriet. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Vladimir Mordunov

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