Sicherheitsgarantien nach Alaska-Gipfel

Ukraine-Krieg: USA bieten Sicherheitsgarantien wie die Nato – Teil von Putins Plan?

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Trump schwenkt von der Waffenruhe-Forderung ab: Stattdessen rückt ein umfassendes Friedensabkommen in den Mittelpunkt – Die Spannungen bleiben bestehen.

Kiew – Endet in den kommenden Tagen der Ukraine-Krieg? Auf das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Wladimir Putin folgt nun der eilig einberufene Besuch von Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus. Damit es nicht erneut zum Eklat kommt, wird er von mehreren europäischen Spitzenpolitikern begleitet, unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begleitet zu seinem Treffen mit US-Präsident Trump in Washington begleiten.

Parallel dazu soll der Präsident der Vereinigten Staaten, nun Sicherheitsgarantien seitens der USA nach Vorbild der Nato für die Ukraine angeboten haben. Eine Forderung, die von der „Koalition der Willigen“ für Wohlwollen – und in Moskau für Verärgerung sorgen dürfte.

Handshake, Chaos, große Gesten: Das Trump-Putin-Treffen in Bildern

Donald Trump und Wladimir Putin trafen sich in Alaska zum Gipfel. Das Treffen wurde zur medialen Inszenierung.
Donald Trump und Wladimir Putin trafen sich im US-Bundesstaat Alaska zum Gipfel in Sachen Ukraine-Krieg. Das Treffen wurde zur medialen Inszenierung.  © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson + IMAGO / Anadolu Agency + IMAGO / ITAR-TASS
Kurz gewunken, dann in die Air Force One: Am Freitagnachmittag (MESZ) reiste US-Präsident Trump zum Gipfel mit Putin nach Alaska.
Kurz gewunken, dann in die Air Force One: Am Freitagnachmittag (MESZ) reiste US-Präsident Trump zum Gipfel mit Putin nach Alaska. © dpa/FR596 AP | Luis M. Alvarez
Auch Putin reiste am Freitagnachmittag an. Die Reise gen Osten nach Alaska nutzte der russische Präsident, um in Magadan, 6000 Kilometer östlich von Moskau, Halt zu machen.
Auch Putin reiste am Freitagnachmittag an. Die Reise gen Osten nach Alaska nutzte der russische Präsident, um in Magadan, 6000 Kilometer östlich von Moskau, Halt zu machen. © dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Alexei Nikolsky
Am Freitag erreichte Putin dann die Joint Base Elmendorf-Richardson in Alaska, um sich dort mit US-Präsident Trump zu treffen.
Am Freitag erreichte Putin dann die Joint Base Elmendorf-Richardson in Alaska, um sich dort mit US-Präsident Trump zu treffen. © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
Trumps Ankunft in Alaska: Soldaten rollen den roten Teppich aus, bevor der US-Präsident die Air Force One für den Gipfel mit Putin verlässt.
Trumps Ankunft in Alaska: Soldaten rollen den roten Teppich aus, bevor der US-Präsident die Air Force One für den Gipfel mit Putin verlässt. © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
Vor Trump und Putin erreichte bereits die russische Entourage die Joint Base in Alaska. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sorgte für eine Provokation: Er fuhr mit einem Pullover mit der kyrillischen Aufschrift für „UdSSR“ vor.
Vor Trump und Putin erreichte bereits die russische Entourage die Joint Base in Alaska. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sorgte für eine Provokation: Er fuhr mit einem Pullover mit der kyrillischen Aufschrift für „UdSSR“ vor. © IMAGO / SNA
In der Bevölkerung vor Ort war der Gipfel von Trump und Putin umstritten. Noch bevor die beiden Staatschefs die Region erreichten, protestierten zahlreiche Unterstützer der Ukraine in Alaska.
In der Bevölkerung vor Ort war der Gipfel von Trump und Putin umstritten. Noch bevor die beiden Staatschefs die Region erreichten, protestierten zahlreiche Unterstützer der Ukraine in Alaska. © IMAGO/Hasan Akbas/Anadolu Agency
Antritt zum Gipfel: Trump und Putin treffen in Alaska auf dem roten Teppich aufeinander.
Antritt zum Gipfel: Trump und Putin treffen in Alaska auf dem roten Teppich aufeinander. Trump soll ihm laut US-Medien dort sogar kurz applaudiert haben. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Ein historischer Moment? Trump begrüßt Putin via Handshake vor dem Gipfel in Alaska – und holt den Kreml-Chef damit auf die Bühne internationaler Diplomatie zurück.
Ein historischer Moment? Trump begrüßt Putin via Handshake vor dem Gipfel in Alaska – und holt den Kreml-Chef damit auf die Bühne internationaler Diplomatie zurück. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Gespräche zur militärischen Konfliktbeilegung – militärisch in Szene gesetzt. Trump und Putin posieren für die Presse auf der Bühne, im Hintergrund Kampfjets und die Air Force One.
Gespräche zur militärischen Konfliktbeilegung – militärisch in Szene gesetzt. Trump und Putin posieren für die Presse auf der Bühne, im Hintergrund Kampfjets und die Air Force One. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Trump und Putin in Alaska: Vor den Gesprächen zum Ukraine-Krieg zeigen die Präsidenten sich vertraut.
Trump und Putin in Alaska: Vor den Gesprächen zum Ukraine-Krieg zeigen die Präsidenten sich vertraut. © Julia Demaree Nikhinson / dpa / AP
Gemeinsamer Bühnen-Abgang: Trump und Putin auf dem Weg zu ihren Gesprächen.
Gemeinsamer Bühnen-Abgang: Trump und Putin auf dem Weg zu ihren Gesprächen. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Direkt zum Start kommt es zum Chaos: Journalisten sind mit Trump und Putin in einem Raum, sollen Fragen stellen. Die Fragerunde artet allerdings aus, die Presse schreit den Präsidenten ihre Fragen entgegen. Ende vom Lied: Die Fragerunde wird abgebrochen.
Direkt zum Start kommt es zum Chaos: Journalisten sind mit Trump und Putin in einem Raum, sollen Fragen stellen. Die Fragerunde artet allerdings aus, die Presse schreit den Präsidenten ihre Fragen entgegen. Ende vom Lied: Die Fragerunde wird abgebrochen. © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
Trump spricht mit seinem Übersetzer beim Gipfeltreffen mit Putin. Ebenfalls mit in der Runde: US-Außenminister Rubio und Sondergesandter Witkoff.
Trump spricht mit seinem Übersetzer beim Gipfeltreffen mit Putin. Ebenfalls mit in der Runde: US-Außenminister Rubio und Sondergesandter Witkoff. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Auch Putin kam mit Entourage, dazu gehörte etwa Außenminister Lawrow (l.).
Auch Putin kam mit Entourage, dazu gehörte etwa Außenminister Lawrow (l.). © IMAGO/Kremlin Press Office
Nach der chaotischen Fragerunde zogen sich Putin und Trump für die Gespräche zurück. Die Presse wartete derweil gespannt auf das gemeinsame Statement.
Nach der chaotischen Fragerunde zogen sich Putin und Trump für die Gespräche zurück. Die Presse wartete derweil gespannt auf das gemeinsame Statement. © dpa/AP | Jae C. Hong
Weltpolitischer Austausch vor den Statements: Russlands Außenminister Lawrow im Gespräch mit seinem US-Amtskollegen Rubio.
Weltpolitischer Austausch vor den Statements: Russlands Außenminister Lawrow im Gespräch mit seinem US-Amtskollegen Rubio. © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
Pressekonferenz nach dem Treffen: Trump und Putin positionieren sich für ihre Statements nach den Gesprächen in Alaska.
Pressekonferenz nach dem Treffen: Trump und Putin positionieren sich für ihre Statements nach den Gesprächen in Alaska. © dpa/AP | Jae C. Hong
Trump und Putin bei der Pressekonferenz vor riesigem Presse-Andrang. Im Hintergrund die Botschaft des Gipfels: „Pursuing Peace“, übersetzt „Streben nach Frieden“.
Trump und Putin bei der Pressekonferenz vor riesigem Presse-Andrang. Im Hintergrund die Botschaft des Gipfels: „Pursuing Peace“, übersetzt „Streben nach Frieden“. © dpa/XinHua | Wu Xiaoling
Die Schatten von Putin und Trump, nah beieinander über dem Motto des Gipfels: „Pursuing Peace“, also „Streben nach Frieden“. Ob der Austausch ein wirklicher Schritt in Richtung Frieden war, darf allerdings angezweifelt werden.
Die Schatten von Putin und Trump, nah beieinander über dem Motto des Gipfels: „Pursuing Peace“, also „Streben nach Frieden“. Ob der Austausch ein wirklicher Schritt in Richtung Frieden war, darf allerdings angezweifelt werden. © Wu Xiaoling/dpa/AP
Nach dem Treffen würdigte Putin in einem kurzen Statement Trump, betonte die Möglichkeit, die Beziehungen zu den USA zu verbessern. Wirkliche Ergebnisse oder neue Erkenntnisse bezüglich des Ukraine-Kriegs blieben aber aus.
Nach dem Treffen würdigte Putin in einem kurzen Statement Trump, betonte die Möglichkeit, die Beziehungen zu den USA zu verbessern. Wirkliche Ergebnisse oder neue Erkenntnisse bezüglich des Ukraine-Kriegs blieben aber aus. © Julia Demaree Nikhinson / dpa / AP
Nach dem Gipfel mit Putin sprach Trump von guten Gesprächen udn kündigte an, mit der Nato in Austausch zu gehen. Später sagte er, das Treffen sei eine „10 von 10“ gewesen, setzte zugleich die Ukraine und Selenskyj unter Druck, einen Deal abzuschließen.
Nach dem Gipfel mit Putin sprach Trump von guten Gesprächen udn kündigte an, mit der Nato in Austausch zu gehen. Später sagte er, das Treffen sei eine „10 von 10“ gewesen, setzte zugleich die Ukraine und Selenskyj unter Druck, einen Deal abzuschließen. © Julia Demaree Nikhinson / dpa / AP
Trump und Putin im vertrauten Gespräch nach der gemeinsamen Pressekonferenz.
Trump und Putin im vertrauten Gespräch nach der gemeinsamen Pressekonferenz. © IMAGO/Gavriil Grigorov
Donald Trump stieg kurz nach dem Putin-Treffen zurück in die Air Force One, verließ Alaska wieder.
Donald Trump stieg kurz nach dem Putin-Treffen zurück in die Air Force One, verließ Alaska wieder. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Treffen von Trump und Putin.
Putin legt nach dem Treffen mit Trump Blumen an den Gräbern sowjetischer Soldaten nieder, die während des Zweiten Weltkriegs auf dem Nationalfriedhof Fort Richardson in Alaska begraben wurden. © dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Gavriil Grigorov
Das Flugzeug von Wladimir Putin nach dem Alaska-Treffen auf dem Weg zurück nach Russland – eskortiert von F-35-Kampfjets.
Das Flugzeug von Wladimir Putin nach dem Alaska-Treffen auf dem Weg zurück nach Russland – eskortiert von F-35-Kampfjets. © dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Gavriil Grigorov

Merz zeigt sich überrascht – US-Sicherheitsgarantien für die Ukraine

Noch bevor der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag nach Washington reist, haben Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer ein virtuelles Spitzentreffen einberufen. In der Videokonferenz berieten die europäischen Staats- und Regierungschefs über mögliche Schritte für einen Friedensprozess im Ukraine-Krieg

Merz sprach dabei von einer „Koalition der Willigen“ und verwies auf die von Donald Trump zugesagten US-Sicherheitsgarantien für Kiew, die er in der ARD als „positive Überraschung“ des Alaska-Gipfels bezeichnete. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni erklärten, dabei könne es sich um eine Beistandsgarantie nach Nato-Vorbild handeln.

Ukraine-Krieg: Sicherheitsgarantien statt Nato-Beitritt für Selenskyj

Der US-Präsident schrieb auf seiner Onlineplattform Truth Social, für ein Kriegsende bestünde der „beste Weg“ darin, „direkt zu einem Friedensabkommen zu gelangen“. Nicht „nur ein Waffenruheabkommen, das oft nicht eingehalten wird“. Dieser Umstand sei „von allen festgestellt“ worden.

Sicherheitsgarantien nach Nato-Vorbild hingegen würden der Ukraine weit mehr versprechen: Artikel 5 des Bündnisvertrags besagt, dass bei einem Angriff auf eines der Mitgliedsländer die anderen Mitglieder Beistand leisten.

Laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) könnte eine ähnliche Regelung für die Ukraine gelten, ohne dass das Land der Nato beitritt. Auch aus ukrainischen Diplomatenkreisen hieß es laut dpa, Trump habe eine solche Zusage ins Spiel gebracht. Der US-Präsident selbst äußerte sich öffentlich nicht dazu.

Putin sei erstmals einvertsanden: Versucht er die Ukraine zu übertrumpfen?

Nach Einschätzung der Nachrichtenagentur afp würden die Verhandlungen für ein umfassendes Friedensabkommen erheblich länger dauern als eine schnell umsetzbare Waffenruhe. Laut afp befürchtet die ukrainische Regierung und ihre Verbündeten, dass Russland lediglich auf Zeit spielen will, um weitere militärische Geländegewinne in der Ukraine zu erzielen.  

Nach Angaben des US-Sondergesandten Steve Witkoff, sei auch Russland damit einverstanden, dass die USA und europäische Verbündete der Ukraine Nato-ähnliche Sicherheitsgarantien geben.

„Wir konnten das folgende Zugeständnis gewinnen: Dass die Vereinigten Staaten einen Artikel-5-ähnlichen Schutz bieten können, was einer der eigentlichen Gründe ist, warum die Ukraine der Nato beitreten möchte“, so Witkoff gegenüber dem Sender CNN. Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin sei der Nato-Beitritt der Ukraine unverhandelbar. „Wir konnten das sozusagen umgehen und eine Vereinbarung erzielen, dass die Vereinigten Staaten einen Schutz ähnlich dem in Artikel 5 bieten könnten.“ Die russische Regierung hätte erstmals so einem Vorschlag zugestimmt. 

Was auf den ersten Blick wie ein Zugeständnis Russlands wirkt, könnte für die Ukraine zu einer tickenden Zeitbombe werden. Auf einen wird der Erfolg der Sicherheitsgarantien ankommen: den US-Präsidenten Donald Trump (Archivbild)

Nach Alaska-Treffen mit Putin: Trumps Sicherheitsgarantien könnten Wende im Ukraine-Krieg bringen

Dass die Ukraine auf verlässliche Sicherheitsgarantien angewiesen ist, verdeutlichen die aktuellen Kämpfe an der Front: Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP attackierte die russische Armee in der Nacht zum Samstag mit 85 Drohnen und einer Rakete. Wie die ukrainische Luftwaffe auf Telegram mitteilte, seien 61 der Drohnen abgeschossen worden. Zudem hätten russische Truppen Stellungen in vier Frontregionen unter Beschuss genommen.

Die Angriffe fielen in die Zeit des Gipfeltreffens zwischen Kremlchef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump in Anchorage. Das Gespräch endete ohne Vereinbarung einer Waffenruhe für die Ukraine – obwohl Präsident Wolodymyr Selenskyj und mehrere europäische Vertreter im Vorfeld genau darauf gedrängt hatten. (kox)

Rubriklistenbild: © Kristina Kormilitsyna/Marco M. Mantovani/Alex Brandon/dpa (Montage)

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