„Finanzielle und politische Hölle“

Die Ukraine „braucht es nicht“: Medwedew poltert auf Twitter - und nennt angebliche Gründe

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Dmitrij Medwedew, engster Gefolgsmann von Moskau-Machthaber Wladimir Putin, begründet aus seiner Sicht bei Twitter, warum die Ukraine kein Existenzrecht habe. Es wird aberwitzig.

München/Moskau – Er gilt als der engste Gefolgsmann von Moskau-Machthaber Wladimir Putin: Dmitri Medwedew. Seit Jahren weicht er nicht von der Seite des Kreml-Chefs, trägt dessen völkerrechtswidrigen Entscheidungen außenpolitisch mit. Und das teils in Stammtischmanier.

Gefolgsmann von Wladimir Putin: Dmitrij Medwedew wettert gegen die Ukraine

So ist Medwedew bemüht, immer wieder den Ukraine-Krieg zu rechtfertigen, der in Russland nicht Krieg genannt werden darf, sondern als militärische Spezialoperation bezeichnet werden muss. Ansonsten drohen drastische Strafen.

Medwedew gilt dabei mit seiner brutalen Rhetorik als einer der Hardliner, weswegen sich etwa Nachbar Finnland veranlasst sieht, einen befestigten Grenzzaun zu Russland zu bauen. Die nächste Episode: Der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates der Russischen Föderation nannte bei Twitter nun angebliche Gründe, warum es die Ukraine als souveränen Staat „nicht braucht“. Der Schweizer Blick zitiert aus dem Tweet. Seine Argumentationskette mutet aberwitzig an.

Dmitrij Medwedew: Der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates der Russischen Föderation.

Dmitrij Medwedew: Putin-Vertrauter spricht der Ukraine die Souveränität ab

Die Unterstützung Kiews habe zum Beispiel Europa „in die finanzielle und politische Hölle gestürzt“, meint der 57-jährige Politiker und behauptet, dass „selbst die frechen und hochnäsigen Polen“ die Ukraine „für kein normales Land“ halten würden und vom Anschluss der westukrainischen Gebiete sprächen. Die Realität: Warschau weicht der ukrainischen Regierung und den ukrainischen Streitkräften bei deren Verteidigung gegen die russische Invasion nicht von der Seite.

Medwedew wird regelrecht polemisch und schreibt davon, wie sich „jungukrainische Blutsauger auf den verkrümmten Hals der immer schwächeren EU setzen und parasitieren“ würden. Auch vom angeblich „endgültigen Untergang Europas“ ist in seinen wirren Ausführungen die Rede.

Gefolgsmann von Wladimir Putin: Dmitrij Medwedew poltert gegen USA und EU

Einfache Amerikaner hätten dagegen „keine Ahnung, was die Ukraine ist und wo sie liegt“, meint er. So könnten US-Amerikaner die Ukraine nicht mal auf der Weltkarte finden, weswegen Medwedew die militärischen und wirtschaftlichen Hilfen Washingtons für Kiew hinterfragt. Hilfen, wie die Lieferung von Abrams-M1-Panzer, die der russischen Armee offensichtlich zu schaffen machen.

Die USA würden ihr Geld besser in Hilfsprogramme für afrikanische und lateinamerikanische Länder stecken, schlägt er vor. Mutmaßlich wissend, dass Wagner-Söldner aktuell zum Beispiel zur politischen Destabilisierung in Mali beitragen. Auch gegen das attackierte Nachbarland wettert der russische Ex-Präsident, der diese Tätigkeit zwischen 2008 und 2012 wohl nur ausüben durfte, weil Putin das Amt seinerzeit verfassungsrechtlich (noch) nicht verlängern durfte.

Dmitrij Medwedew: Putin-Vertrauter sieht Ukraine als Teil Russlands

Die Ukraine bestehe aus „künstlich zusammengesetzten Territorien, von denen viele ursprünglich Russland gehörten“, behauptet der gebürtige Sankt Petersburger und schreibt in seinem Tweet: „Diese minderwertige Ukraine brauchen wir nicht. Wir brauchen das große Russland.“

Die Ukrainer würden stattdessen wegen ihrer Regierung verarmen. Es ist eine von vielen Behauptungen, bei denen er es vermeidet, konkrete Beispiele für seine These anzuführen. „Wozu brauchen Ukrainer das alles?!“, fragt Medwedew schließlich und erklärt: „Eine solche Ukraine braucht niemand. Und deshalb wird es sie nicht geben.“ (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Yekaterina Shtukina

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