VonNadja Orthschließen
Ein russischer TV-Moderator lud einen Kommandeur in seine Sendung ein, um über den „idealsten“ Ort für einen Atomangriff in der Ukraine zu sprechen.
Moskau – Russlands Präsident Wladimir Putin droht seit dem Einmarsch in die Ukraine immer wieder mit dem Einsatz von Atomwaffen. Besonders jüngste Erfolge der ukrainischen Offensive setzt das Land mutmaßlich unter Druck, sodass russische Propaganda das Thema „Atomangriff“ aktuell wieder verstärkt aufgreift. Am Montag (11. September) diskutierten ein Moderator des russischen Staatsfernsehens und der Abgeordnete Andrej Wiktorowitsch Guruljow über den „idealen“ Ort für einen Atomschlag gegen die Ukraine.
„Einfach perfekt“: Russischer Moderator diskutieret über Atomschlag gegen Ukraine
Anton Geraschtschenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums, teilte am Montag einen Ausschnitt des Gesprächs mit englischer Übersetzung auf der Nachrichtenplattform X (zuvor Twitter). „Robotyne ist jetzt ein idealer, einfach ein idealer Ort für den Einsatz taktischer Atomwaffen“, sagt der russische Moderator und bekannter Kreml-Propagandist Wladimir Solowjow zu Beginn des veröffentlichten Clips. „Einfach perfekt“, stimmt ihm Guruljow daraufhin zu.
Am 28. August hatte die Ukraine offziell verkündet, das südöstlich gelegene Dorf Robotyne im Oblast Saporischschja zurückerobert zu haben. Daraufhin erklärte auch Jewgeni Balizki, ein von Moskau eingesetzter Beamter in der teilweise besetzten Region Saporischschja, dass das russische Militär das Dorf aufgegeben habe. Rund um das befreite Dorf liefern sich beide Seiten seitdem weiterhin schwere Gefechte.
Vor diesem Hintergrund war man sich im Gespräch einig: Robotyne sei ein geeigneter Ort. „Sie sind alle dort versammelt, es ist perfekt. Und genau da könnte die offensive Gruppierung ins Gras beißen“, sagte der Abgeordnete Guruljow über einen möglichen Atomangriff im Ukraine-Krieg. „Außerdem ist die Situation perfekt, denn in dieser Lage gibt es keine feindlichen Reserven, und selbst mit den uns zur Verfügung stehenden Kräften sind wir in der Lage, sehr gut vorzurücken und Saporischschja zu befreien.“
Russischer Abgeordneter wünscht sich Atomschlag als Reaktion auf Ukraine-Offensive
Weiter fügte er hinzu: „Und vielleicht sogar die Region Dnipropetrowsk, um eine vollständige Bedrohung für die Gruppe zu schaffen, die in Richtung Donezk kämpft, sie einzukreisen und zu besiegen“, so Guruljow. „Und wenn wir es zusammen mit Kupiansk einnehmen, ist es praktisch ein ganzer Block“.
In the past weeks, Russian propagandists have returned to the nuclear rhetoric, which has dialed down significantly previously.
— Anton Gerashchenko (@Gerashchenko_en) September 11, 2023
They are starting to discuss using tactical nuclear weapons and devote their whole propaganda shows to discussing small nuclear strikes. They name… pic.twitter.com/6SpoGVRSgM
Trotz des jüngsten Erfolges der urkainischen Gegenoffensive in Robotyne ist die Ukraine noch weit von ihrem Ziel entfernt, möglichst tief in die russischen Verteidgungslinien einzudringen und immer mehr Gebiete zu befreien. Laut Informationen der Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) weitere kleinere Fortschritte in der Region, zum Beispiel östlich von Nowoprokopiwka, einem Dorf vier Meilen südlich von Robotyne. US-Experten sind sich jedoch uneinig, ob der Ukraine hinsichtlich ihrer kleinen Schritte vor dem Winter noch ein Durchbruch gelingen kann. (nz)
Rubriklistenbild: © Anton Gerashchenko via X (Twitter)

